Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 349 /

Ein Erfahrungsbericht aus der Libauer Straße in Friedrichshain

„Als ich ausziehen wollte und Nachmieter suchte, teilte mir die Hausverwaltung mit, dass bei der Neuvermietung die Miete von 478 auf 799 Euro bruttokalt erhöht werden sollte.“

Martina Kammler*

 

Zum 1. Februar 2007 mietete ich die laut Mietvertrag 92 qm große Wohnung im Erdgeschoss eines Hinterhauses. Die Nettokaltmiete betrug 366 Euro und wegen des Sanierungsbedarfs wurden fünf Monate Mietfreiheit gewährt. Der Vermieter war zu der Zeit die Firma Citec Immobilien in Deutschland AG, Parkring 12, Wien. Aus ihr wurde acht Monate später SIAG Berlin Wohnimmobilien GmbH. Die Hausverwaltung übernahm die Firma Major Domus.

Wohnungszustand

Die Wohnung war bei Mietbeginn in sehr schlechtem Zustand. Die Fenster und Türen mussten gestrichen und der Fußboden abgeschliffen werden. Stellenweise war loser Putz auszubessern, Löcher in den Dielen zu reparieren und fehlende Dielen in den Ofenecken zu ergänzen. Mit Zustimmung der Hausverwaltung entfernte ich eine Wand und verlegte in dem dadurch erweiterten Zimmer einen neuen Boden. Die Hausverwaltung kümmerte sich um notwendige Reparaturen an der Sanitäreinrichtung und an der Heizung.    Die Wohnung war in der kalten Jahreszeit sehr feucht und schimmelig. Der Keller direkt unter der Wohnung stand mehrmals im Jahr unter Wasser. Durch unverschlossene Spalten kam Kellerluft in die Wohnung. Das Treppenhaus ist stark renovierungsbedürftig. Eine Baulücke neben dem Haus wird gerade mit einem KfW-finanzierten „Luxushaus“ mit Eigentumswohnungen bebaut (siehe www.libau14.de). Durch den Neubau bekommt nur noch eine Seite der Wohnung während des Sommerhalbjahrs etwas Sonne und drei Wohnräume bleiben seitdem dunkel.

Wohnungsgröße

Bei den Instandsetzungsarbeiten stellte ich eine Diskrepanz zur im Vertrag angegebenen Wohnungsgröße von rund 92 qm fest. Interessanterweise hatte mir die Hausverwaltung einen Grundriss zugeschickt, bei dem die exakten Zimmergrößen mit Tipp-Ex verdeckt waren. Das Aufmaß ergab 79,6 qm, also 13% weniger. Daraufhin wurde nach längerem Schriftwechsel die Miete auf 318,40 Euro angeglichen.

Mieterhöhung

Zum 1. Juli 2010, also genau drei Jahre nach Mietzahlungsbeginn, wurde die Miete um 20% erhöht. Mein finanzieller Einsatz bei der Sanierung wurde nicht anerkannt. Der Mieterhöhung stimmte ich nur teilweise zu, nämlich bis zur nach dem Mietspiegel zulässigen Höhe von 4,66 Euro/qm nettokalt. Das beantwortete die Hausverwaltung mit einer Klage und es bedurfte eines Anwalts, um die Rücknahme der Klage zu veranlassen.

Neuvermietung

Als ich ausziehen wollte und Nachmieter suchte, teilte mir die Hausverwaltung mit, dass bei der Neuvermietung die Miete von 478 auf 799 Euro bruttokalt erhöht werden sollte. Das ist mehr als eine Verdoppelung der Miete in gut drei Jahren. Die Hausverwaltung lobte bei der Besichtigung die gelungene Sanierung und war über die von mir entfernte Wand und die ebenfalls in Eigenleistung verlegte Terrasse sehr erfreut. Dennoch sollte ich die in gutem Zustand befindliche Wohnung bei Auszug renovieren. Die Wohnung über mir, mit identischem Grundriss, wurde vor Kurzem für 899 Euro bruttokalt vermietet.

 

*Name auf  Wunsch der Verfasserin geändert

 

 

MieterEcho 349 / September 2011

 


MieterEcho 349 /

Schlüsselbegriffe: Friedrichshain, Libauer Straße, Firma Citec Immobilien in Deutschland AG, SIAG Berlin Wohnimmobilien GmbH, feucht, Schimmel, Mieterhöhung, Neuvermietung

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