Wer in Berlin auf Wohnungssuche ist, stellt schnell fest: Möbliertes Wohnen auf Zeit ist auf dem Vormarsch. Die eindeutigen Zahlen dazu liefert der neue Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin.
Von 2012 bis 2022 ist die Anzahl der Inserate für möbliertes Wohnen – vor allem befristet – auf einschlägigen Plattformen drastisch angestiegen. Wurden in Berlin 2012 noch 9.602 solcher Wohnungen angeboten, waren es 2022 bereits 27.402. Ein Plus von rund 185%. Die Inserate für reguläre Mietwohnungen sind im selben Zeitraum um 60% gesunken. Während in deutschen Großstädten rund ein Drittel aller Inserate auf diese Angebote fielen, waren es in Berlin 2022 sogar mehr als die Hälfte. Eine Vielzahl von Wohnungen steht damit nicht mehr dem regulären Mietwohnungsmarkt zur Verfügung. Das verursacht mehrere Probleme. Möblierte Wohnungen werden deutlich teurer vermietet als reguläre Mietwohnungen. Laut IBB Wohnungsmarktbericht 2023 lag die mittlere Angebotsmiete für 2022 auf Plattformen inserierte möblierte Wohnungen bei 24,44 Euro/qm. Für kaum einen Haushalt ist das leistbar. Die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter für reguläre Mietwohnungen lag bei 11,54 Euro/qm netto kalt. Teilweise lässt sich dieser dramatische Unterschied durch eine unterschiedliche Preisstruktur erklären: Möblierte Wohnungen auf Zeit werden häufig mit einer „All-In-Miete“ angeboten. Das bedeutet, sie beinhaltet einen Möblierungszuschlag, die kalten und warmen Betriebskosten, aber auch Stromkosten, Internetzugang, sowie häufig Zusatzleistungen wie eine Reinigung der Wohnung. Das erklärt das Phänomen aber nur zum Teil. Ganz offensichtlich ist es ein besonders attraktives Geschäftsmodell geworden, möblierte Wohnungen zu einem weit überdurchschnittlichen Preis anzubieten. Das verspricht besonders hohe Gewinne. Für die Mieter/innen gehen nicht nur Wohnungen verloren – die besonders hohen Mieten gehen auch in den Mietspiegel ein und treiben damit alle Mieten nach oben.


