Was wir heute planen und bauen, wird das Stadtbild Berlins und unser aller Leben für viele Jahrzehnte prägen. Oder anders formuliert: Heute bauen wir unsere Stadt der Zukunft und müssen dabei die Herausforderungen der Zukunft fest im Blick haben: Klimawandel, Hitzesommer, Energiekrise, Mobilitätswende, Bauwende und auch den eklatanten Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Doch dieser Fokus ist in Gefahr. Stattdessen droht der Weg zurück in die Vergangenheit und der historisierende Wiederaufbau ganzer Stadtviertel.
Die Debatte ist nicht neu, wie der Werdersche Markt oder das Berliner Stadtschloss zeigen. Aktuell gibt es den Versuch, auch am Molkenmarkt, am Rathausforum und bei der Bauakademie das Rad der Zeit zurückzudrehen. Das Problem: Auch die aktuelle Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt ist eine Anhängerin des historisierenden Wiederaufbaus. Vor ihrem Amtsantritt im Dezember 2021 mischte sie in der „Planungsgruppe Stadtkern“ mit, die dafür warb, einen Teil der Grundstücke am Molkenmarkt zu privatisieren. In der Diskussion um die dortige Bebauung hatte sie sich immer wieder für eine eher historisierende Variante ausgesprochen. Schon bevor Kahlfeldt ihr Amt antrat, wurden erste Vorbehalte an ihrer Ernennung laut. Zu wenig auf die Zukunft ausgerichtet, zu konservativ – so lautete die Kritik, die im Dezember 2021 über 450 namhafte Architekt/innen, Initiativen und Verbände in einem Offenen Brief an die neue Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und ihren SPD-Co-Vorsitzenden Raed Saleh richteten. In dem Appell riefen sie dazu auf, den Posten der Senatsbaudirektion von einem Gremium besetzen zu lassen, damit die Person von allen relevanten stadtpolitischen Akteur/innen und Parteien anerkannt werde. Dieser Empfehlung kam die Berliner SPD-Spitze nicht nach. Inzwischen ist Kahlfeldt rund ein Jahr im Amt und daher lohnt sich ein genauerer Blick auf die Folgen dieser Personalentscheidung.
