Der Elektro-Autobauer Tesla gilt als industrieller Hoffnungsträger für das strukturschwache Brandenburg. Doch die Firmenkultur ist von wenig Wertschätzung der Mitarbeiter/innen geprägt.
Tesla in Grünheide – das klingt wie eine Erfolgsgeschichte: Ein neuer Industriebetrieb siedelt sich im ansonsten eher kargen Brandenburg an und rund 12.000 Arbeitsplätze entstehen. Tesla sei „das herausragende Beispiel für Brandenburgs neue Wirtschaftsdynamik“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) anlässlich der Eröffnung der „Gigafactory“. Und die Fabrik werde das Land als Hightech-Standort „noch bekannter“ machen. Im Überschwang ist auch die Gewerkschaft IG Metall. „Wer auf einer Weltkarte die großen Automobilstandorte sucht, wird künftig auf den Ort Grünheide in Brandenburg stoßen“, hatte Birgit Dietze, Leiterin des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen getönt. Mit der Fabrik stärke Ostdeutschland seine internationale Vorreiterrolle bei der Elektromobilität. Die Beschäftigten in Grünheide arbeiteten als deren Pioniere. Nur bei den Arbeitsbedingungen hinke das Unternehmen im innerdeutschen Vergleich hinterher. Was sie damit konkret meinte, führte sie nicht näher aus. Die Löhne dürften ein Thema sein. Tesla zahle gut, hieß es, als sich das Unternehmen ansiedelte. Es war von tarifnahen Gehältern die Rede. Doch einem Bericht der Märkischen Oderzeitung zufolge sollen sie rund 20% unter dem Flächentarif liegen. Eine Bestätigung dafür gab es bislang noch nicht. Aber auch der Deutschlandfunk hatte im letzten Jahr ähnliches berichtet. Der Sender zitierte einen gelernten Mechatroniker, Ende 30, der bei einem Vorstellungsgespräch bei Tesla war. Obwohl er einen Berufsabschluss habe, werde er eingruppiert wie ein Ungelernter, außerdem ohne Tarifvertrag. Über das angebotene Entgelt sagte er: „Ich würde sagen, dass es ein Drittel weniger ist, als im IG-Metall-Tarifvertrag drin ist“. Am Ende des Monats hätte er also ein Drittel weniger Geld als die Kolleg/innen bei Volkswagen oder Daimler, aber bei gleicher Arbeit.
