Die Alte Post in der Karl-Marx-Straße 97-99 im Norden Neuköllns ist fast vollständig eingerüstet. Die markante Gründerzeitfassade verschwindet hinter einer Plane. Das Dach wird neu gedeckt. Aus dem Innenhof ragt ein Baukran hervor. Mehr als 15 Jahre stand das Gebäude leer. Im Jahr 2003 war die Postfiliale in die Neukölln Arcaden einige hundert Meter weiter umgezogen. Seitdem ist das Gebäude bis auf gelegentliche Kunst- und Kulturveranstaltungen ungenutzt. Auch eine Besetzung im November 2015 hat daran nichts geändert. Die Initiative Social Center for All wollte dort ein Sozial- und Kulturzentrum für Anwohner/innen eröffnen, wurde aber nach wenigen Stunden geräumt.
Nun hat ein Investor, die Commodus Real Estate, die Entwicklung der Alten Post in die Hand genommen. Mehr als 50 Millionen Euro steckt das auf Risikoinvestitionen spezialisierte Unternehmen in den Gebäudekomplex. Laut Recherchen der Online-Plattform „digital kompakt“ gehört Commodus zum Firmengeflecht der Samwer-Brüder, die ihre Internet-Millionen (Zalando, Rocket-Internet) vermehrt in Betongold investieren. Franziska Giffey (SPD), bis März 2018 Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, bezeichnete das Projekt als „Meilenstein für die weitere Entwicklung der Karl-Marx-Straße und ein gutes Beispiel, was in Zusammenarbeit zwischen Bezirk und Unternehmen möglich ist“.
