MieterEcho
Nr. 288 - November/ Dezember 2001

Winterzeit ist Schimmelzeit

 

Renate Berg

Das Heiz- und Lüftungsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren stark geändert. Oft werden Schlafzimmer gar nicht mehr geheizt, Fenster werden insbesondere im Winter nicht sperrangelweit aufgerissen und die Temperaturen in Wohnungen sind insgesamt durchschnittlich geringer. Denn Heizenergie ist teuer und wer möchte schon unnötig Wärme und damit Geld zum Fenster hinauswerfen. Doch das übertriebene Sparen an der falschen Stelle kann zu einem Problem führen, das ein häufiger Streitpunkt zwischen MieterInnen und VermieterInnen wird: Schimmelbildung.

Im Normalfall enthält die uns umgebende Luft eine gewisse Menge an Wasserdampf. Die Menge an Wasserdampf, die von der Luft aufgenommen werden kann, hängt von ihrer Temperatur ab. Und zwar gilt hier, dass sie umso mehr Wasser aufnehmen kann, je wärmer sie ist. 50% relative Luftfeuchte besagt also, dass die Speicherfähigkeit der Luft zu 50% ausgelastet ist. Erreicht die relative Luftfeuchtigkeit 100%, wird Wasserdampf sichtbar. Die "normale" Luftfeuchtigkeit in einer Wohnung sollte zwischen 45% und 65% betragen.

Ein Mensch schwitzt und atmet in einer Nacht 1 Liter Feuchtigkeit aus. In einem Vier-Personen-Haushalt werden mit Kochen, Duschen, Baden, Wäschetrock-nen an einem Tag 10 bis 15 Liter Wasser an die Raumluft abgegeben. Damit diese erheblichen Feuchtigkeitsmengen innerhalb der Wohnung keinen Schaden anrichten, müssen sie weggelüftet werden, insbesondere im Winter.

Denn die Bildung von Kondensatfeuchte tritt verstärkt in den kühleren Jahreszeiten auf, wenn die Wandoberflächen eine geringere Temperatur aufweisen als die Raumluft. Diese Temperatur ist umso geringer, je schlechter (d.h. je größer) der k-Wert des Bauteils ist. Der k-Wert (oder nach neuer Euro-Norm
u-Wert genannt) ist der sogenannte Wärmedurchlasskoeffizient und gibt an, wie groß die Wärmeleitfähigkeit eines Bauteils. (vergleiche hierzu auch ME 284: Beitrag "Wärmedämmung, kein unbekanntes Wesen"). Befinden sich an einer Außenwand Materialien mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit, so geht die Wärme verstärkt durch die Bauteile mit der höheren Wärmeleitfähigkeit bzw. dem höheren k-Wert. Das können z.B. Fensterstürze aus Beton sein, einbindende Balkonplatten oder auch Fensterlaibungen. Dieses Phänomen wird "Wärmebrücke" genannt (die Bezeichnung "Kältebrücke" wird zwar auch verwendet, ist jedoch fachlich nicht korrekt).
Bei einem Gebäude muss deshalb darauf geachtet werden, dass Bauteile mit einer höheren Wärmeleitfähigkeit zusätzlich gedämmt werden. Geschieht dies nicht und es entsteht eine Wärmebrücke, liegt ein Bauschaden vor. Bei Abkühlung der Luft erhöht sich nämlich die relative Feuchtigkeit und wenn der Sättigungspunkt überschritten wird, kann die Luft die gesamte Wassermenge nicht mehr binden und ein Teil des Wassers tritt vom dampfförmigen in den flüssigen Zustand über. Das wird dann Tauwasser oder Kondensat genannt. Dieser Vorgang ist allen durch beschlagene Fensterscheiben oder Gläsern mit kalten Getränken bekannt und solches Tauwasser kann ebenso an oder in einer Außenwand entstehen. Diese feuchten Stellen entstehen auch an weniger belüfteten Flächen wie z.B. in Zimmerecken oder hinter Schränken und sie bieten dann den idealen Nährboden für Schimmelpilze.

Gesundheitsrisiko Schimmelpilz

Von über 100.000 bekannten Schimmelpilzarten fühlen sich ca. 100 in Wohnungen wohl. In den letzten 20 Jahren haben sich die Schäden in Wohnungen durch Schimmelpilze gehäuft und die Diskussion verstärkt, ob neben den materiellen Schäden auch gesundheitliche Gefahren für die BewohnerInnen entstehen. Einige Schimmelpilze können Gifte, sogenannte Mycotoxine, bilden. Bei abwehrgeschwächten Personen können - auch an sich harmlose - Schimmelpilze Infektionen (Mykosen) hervorrufen. Am häufigsten sind jedoch zum einen allergische Reaktionen, z.B. Asthma, bei Menschen, die auch auf andere Inhalationsallergene (Staubmilben, Tierhaare) reagieren. Zum anderen werden flüchtige Ausscheidungen von Schimmelpilzen (Alkohole, Terpene etc.), die für den typischen muffigen oder erdigen Geruch verantwortlich sind, als Ursachen für unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schleimhautreizungen diskutiert. Für Wachstum und Vermehrung von Pilzen sind die Feuchtigkeit von Substrat und Raumluft und die Temperatur ausschlaggebend. Sie gedeihen auf allen wasseraufnahmefähigen Materialien wie z.B. Holz, Baumwolle, Tapeten, Mauerwerk, Gips oder Teppichen.

Die umgangssprachliche Bezeichnung "Schimmelpilz" ist jedoch kein systematischer Begriff, sondern bezieht sich auf den pelzigen Belag, mit dem manche Pilze ihre Substrate überziehen.

Vorbeugung gegen Feuchtigkeit und Schimmel


  • Wenn möglich, bereits während des Entstehens von Feuchtigkeit (z.B. beim Kochen oder Wäschewaschen) die Türen zu anderen Räumen schließen und lüften. Umso gründlicher lüften, wenn dies erst hinterher möglich ist (z.B. im Bad). Im Badezimmer besteht Schimmelgefahr, wenn nach Benutzung die Heizung heruntergefahren und nicht genügend gelüftet wird.
  • Die Türen zu unbeheizten Räumen sollten geschlossen bleiben, weil sonst wärmere und damit feuchtere Luft in die kühleren Räume eindringt und die Feuchtigkeit dort kondensiert.
  • Auch wenn man "kalt" schlafen möchte, sollte das Schlafzimmer tagsüber (ca. 16 bis 18 Grad) geheizt werden, damit die Raumluft genügend Feuchtigkeit aufnehmen kann.
  • Stoßlüftung ist besser als Kipplüftung. Es ist ratsam, mindestens vier Mal am Tag die Fenster offen stehen zu lassen, am besten mit Durchzug quer durch die Wohnung. Bei Minustemperaturen gelten fünf Minuten als ausreichend, im Sommer sollte länger gelüftet werden.
  • Dauerkippstellung der Fensterflügel kann im ungünstigsten Fall in der kalten Jahreszeit den Bereich um die Fenster so stark auskühlen, dass Kondensatfeuchte entsteht.
  • Nach Möglichkeit keine Wäsche in der Wohnung trocken. Wenn sich dies nicht vermeiden lässt, sollte es, wie auch häufiges Kochen und der Besitz von vielen Zimmerpflanzen (Aquarien, Zimmerbrunnen etc.) bei dem Maß der Lüftung berücksichtigt werden.
  • In Räumen, die nur zeitweise (z.B. am Wochenende oder am Abend) genutzt werden, muss nach dem Aufheizen stärker gelüftet werden als in einem ständig beheiztem Raum, weil die
    Oberflächen noch kalt sind und hier Feuchtigkeit kondensieren kann.
  • Je kälter es draußen ist, desto besser wirkt die Entfeuchtung durch Lüftung. Im Sommer gilt für Keller und kühle Nebenräume: am besten nachts lüften, dann ist die Außenluftfeuchte am geringsten.
  • Auf zusätzliche Luftbefeuchter wie z.B. Verdunster am Heizkörper sollte verzichtet werden.
  • Schränke sollten mindestens mit fünf Zentimeter Abstand an die Wände gestellt werden. Ist der Wärmeschutz von angrenzenden Wänden unzureichend, sollten diese ganz frei bleiben, um die Luftzirkulation nicht zu behindern. Dies betrifft auch Vorhänge und großformatige Bilder.
  • Bei immunschwachen Menschen oder bei nachgewiesenen Allergien sollten auch Streuquellen von Schimmelpilzen reduziert werden. Dazu zählen Haustiere (auch Vögel), Müllbehälter (insbesondere für organische Abfälle) und Topfpflanzenerde (insbesondere auf Fensterbänken über der Heizung).

Wenn dies alles nichts hilft und dennoch Schimmelpilze in der Wohnung auftreten, sollte schnellstens etwas gegen sie unternommen werden. Dabei ist die erste Adresse der Vermieter.
Die Stiftung Warentest bietet zum Preis von 92 DM eine Analyse von Schimmelpilzen an.

Mittlerweile haben schon rund 5000 Haushalte ihre Raumluft prüfen lassen.

Tel.: 0180 - 500 24 67

Faxabruf: 0180 - 588 76 83 09

www.stiftung-warentest.de

Einen Ratgeber "Feuchtigkeit und Schimmelbildung in Wohnräumen" kann für 10 DM bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V. bestellt werden.

Bestellung unter: Tel.: 02962 - 90 86 47

www.agv.de

 

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