MieterEcho
Nr. 288 - November/ Dezember 2001

LESERBRIEF

 

Zur unserer Umfrage "Warum in einer Genossenschaft wohnen?" erreichte uns ein Brief, den wir den Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchten. Frau Gajdukowa bezieht sich auf eine in der Einführung zur Umfrage im letzten MieterEcho geäußerte Vermutung: "Tendenziell lässt sich den Antworten entnehmen, dass die Ostberliner Genossenschaften, also gerade die ehemaligen Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften eine ganz besonders negative Entwicklung vollzogen haben (vielleicht liegt das an allzu schneidigen Betriebswirtschaftlern, die nach der Wende als Führungskader aus dem Westen importiert wurden)."
Wir danken Frau Gajdukowa für ihren ergänzenden Hinweis und bitten unsere Leserinnen und Leser, über ihre Erfahrungen mit Wohnungsbaugenossenschaften zu berichten.

Liebe MitarbeiterInnen der AG Umwandlung,

in Ihrem Text des MieterEchos 287 rufen Sie zu weiterer Beteiligung an der Umfrage auf und stellen eine Vermutung auf, warum es in Genossenschaften so ungenossenschaftlich zugeht: Daran seien im Ostteil dieser Stadt die westdeutschen Betriebswirtschaftler schuld. Aus eigener Erfahrung (ich komme aus der ehemaligen DDR) und beruflichen Beschäftigung (ich promoviere in der DDR-Forschung) kann ich wirklich sagen, dass Sie da eine etwas eindimensionale Sicht vertreten. Bei meinen Recherchen in den Ostberliner Bezirksämtern und Wohnungsbaugesellschaften bin ich auf jede Menge Führungskader getroffen, die das SED-Parteiabzeichen trugen und knallharte Durchsetzer der Diktatur waren. Wirtschaftlich waren sie immer auf ihren eigenen Vorteil bedacht ("es geht seinen sozialistischen Gang"), auch wenn dafür die DDR-Volkswirtschaft draufging. Eben diese Entscheidungsträger sind noch zahlreich vorhanden, weil man doch nach 1989 meinte, dass man nicht auf die "Fachkräfte" in den Verwaltungen verzichten könne. Jedoch wurde ein echter Neuanfang somit noch nicht mal diskutiert. Viele systemnahe Kräfte haben sehr schnell die Strukturen des Marktes für sich genutzt und umgelernt, um mit der gleichen Härte weiter zu machen. Seilschaften blühen und gedeihen weiter. Da ist nix mit Demokratie und Transparenz, so was muss gewollt sein und eben auch Zeit haben zum Wachsen.
Deshalb bitte ich Sie zu bedenken, dass es zumindest die Kombination aus alten SED-Kadern und schneidigen West-Betriebswirtschaftlern ist, an der die ostdeutschen Genossenschaften leiden. Und nicht nur sie. Mein Kollege Uwe Bastian (Bürgerbüro) forscht zur Transformation im Land Brandenburg. Dort sind viele der gepriesenen Groß-Öko-Betriebe fest in der Hand der alten LPG-Vorsitzenden und deren Parteisekretären. Transparenz und Demokratie ist auch dort nicht zu erwarten. Oder meinen Sie, die Führungskader in der DDR wären alle sozial gewesen? Und sind es immer noch? Bedenken Sie, dass man für die Durchsetzung einer Diktatur andere Charaktereigenschaften benötigt, als sie in einer demokratischen Gesellschaft erwünscht sind.
Mich macht es jedenfalls immer wieder betroffen, wie unrealistisch die ehemalige DDR eingeschätzt wird. Ich kann Ihnen auch sagen, dass ich mit der DDR-Forschung immer mehr Sachen erfahre von der DDR, die ich mir so nicht vorstellen konnte, und die doch sehr erschreckend sind.
Vielleicht können Sie meinen Hinweis aufnehmen! Mit besten Grüßen und Wünschen für Ihre weitere Arbeit!
Katharina Gajdukowa

Nicht sauber, sondern ‚clean'

Der Immobilienbranche wird allerlei nachgesagt. Dass sie sich mit Vorliebe in wirtschaftlichen Grauzonen bewege, dass sie, gerade was das Umwandlungsgeschäft betrifft, auf Spekulation gerichtet sei, keine Werte schaffe aber das Wohnen verteuere, dass mit diesen und ähnlichen Treiben Verdrängung verbunden sei und dergleichen mehr. Ein ernsthafte Sache also, die nach einer gewissen Verbissenheit verlangt. Spaßig ist das nicht, wie Dr. Reto Mebes immer wieder beweist. Zustande kommt allenfalls eine Art unfreiwillige Komik, wofür Tilo Stöhr, von dem leider in letzter Zeit gar nichts mehr zu hören ist, als Beispiel steht.
Jetzt aber schickt sich die C.L.I.N Hausverwaltungs- und Immobilien GmbH an, dieses in der Öffentlichkeit weit verbreitete graue Bild durch einige sprühend phantasievolle farbige Tupfer anzureichern. Ihre Mietverträge enthalten Klauseln, die auf ein heiteres, naives Gemüt schließen lassen. Oder wie soll man das Folgende sonst bewerten?
"Die Miete kann nur mit Angabe der Wohnungsnummer gebucht werden. Sollte diese fehlen, belastet Sie der Computer mit 5,00 DM Bearbeitungsgebühr."
Witzig, nicht wahr? Aber das ist noch längst nicht alles, gleich geht es weiter: "Es wird ausdrücklich vereinbart, dass der Mieter bei vorzeitiger Vertragsbeendigung eine Monatskaltmiete zuzüglich Mehrwertsteuer als pauschale Kostenabgeltung an die Grundstücksverwaltung entrichtet."
Und als Krönung folgt sogleich: "Der Mieter verpflichtet sich, an den Hausverwalter für die Ausfertigung des Mietvertrages eine Gebühr von DM 46,00 zu entrichten."
Das ist es aber auch wert, denn soviel zu lachen haben die Mieter sonst selten.
AG Umwandlung

 

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