MieterEcho
Nr. 285 - Mai/ Juni 2001

Jenseits der Miete - Zwischen Eigenheim und Obdachlosigkeit

 

Mieter und Mieterinnen bilden keine homogene gesellschaftliche Schicht. Aus der ökonomischen Perspektive des Einkommens ergibt sich ein weites Spektrum, welches sich genau zwischen den Extremen von "Obdachlosigkeit" und "Eigenheim" bewegt.
Obdachlosigkeit hat viele Seiten, wird jedoch hinlänglich nur mit zerrütteten Biographien, Alkoholismus, Marginalität und "Pennern" assoziiert. Eine politisch-ökonomische Verantwortung lässt sich aus diesem Bild schwerlich ableiten, da Obdachlose als gescheiterte Existenzen wahrgenommen werden, die sich selbst in eine prekäre Situation manövriert haben. Christian Linde beleuchtet im ersten Beitrag einige Hintergründe, die sehr wohl Verantwortlichkeiten aufzeigen, die z.B. mit dem desolaten Arbeitsmarkt oder auch der Berliner Haushaltslage in Zusammenhang stehen. Obdachlosigkeit bedeutet aber nicht nur ein Leben auf der Straße oder in Notunterkünften, sondern alltägliche Verdrängung und Diskriminierung durch Behörden und physische Gewalt wie der zweite Beitrag erläutert. Einen Blick auf den Umgang mit Obdachlosen in der deutschen und Berliner Geschichte, insbesondere durch kirchliche Institutionen, vermittelt Jens Sambale in seinem Beitrag "Das Kreuz mit der konfessionellen Obdachlosenarbeit". Er kritisiert die nicht stattfindende Politisierung des Problems der Obdachlosigkeit.
Nicht nur Erwachsene sind von Obdachlosigkeit bedroht, sondern auch Kinder und Jugendliche. Die familiären Verhältnisse spielen bei dieser Problematik jedoch eine viel größere Rolle als materielle Not, wie der Beitrag "Straßenkinder in Berlin" belegt. Zufluchtsorte für Jugendliche waren häufig besetzte Häuser und Wagenburgen. Hier spielten mangelnde finanzielle Möglichkeiten lange keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Besetzungen haben in Berlin lange Zeit auf einen desolaten Wohnungsmarkt aufmerksam gemacht und waren außerdem der Versuch, selbstbestimmte und kollektive Lebensformen zu entwickeln. Sie scheinen ein Relikt der achtziger und des Beginns der neunziger Jahre zu sein. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass einige dieser Wohnprojekte nicht nur - teilweise legalisiert - überlebt haben, sondern noch immer politisch aktiv sind und vor neuen Problemen stehen, wie an den Beispielen der Köpenicker Straße 137, der Oranienstraße 45 und den noch bestehenden Wagenburgen beschrieben wird.

 

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