MieterEcho
Nr. 274 - Juni/Juli 1999

Aus Fehlern lernen, heißt Siegen lernen!

 

In der Regel unterschlagen wir die Namen der Eigentümer und die Anschriften der Häuser, in denen sie agieren, nicht. Wenn wir diesmal eine Ausnahme machen, dann nicht nur weil die Mieter darum gebeten haben, sondern auch weil wir uns Fehlern und daraus folgenden ungünstigen Entwicklungen zuwenden wollen. Niederlagen! Ihre Schauplätze und die Sieger überantworten wir gerne der Anonymität. Aus den Fehlern aber können alle anderen Mieter lernen, wenn sie es denn wollen.

Zu früh unterschrieben
Die Mieter hatten sich sorgfältig telefonisch mit uns verabredet und brachten die wichtigsten Unterlagen mit. Darunter befand sich ein wenig Schriftverkehr mit dem Eigentümer und irgend etwas, das man für eine Modernisierungserklärung hätte halten können, vorausgesetzt man war in milder Stimmung und nicht dazu aufgelegt schallend zu lachen. Neben dilettantisch beschriebenen klassischen Positionen z.B. querschnittvergrößerter Steigleitungen usw. fanden sich Exoten wie Erneuerung des Fußbodens in der Küche, Gestaltung des Vorgarten etc. von deren mietpreissteigernden Qualität der Eigentümer die Mieter gerne überzeugt hätte. Alles in allem sollte sich die Miete um ca. DM 4,– pro Quadratmeter erhöhen.

Familie, nennen wir sie M, war zwar verunsichert, verhielt sich aber ganz richtig. Sie tat zunächst nichts. Offenbar hatte der Eigentümer auch keine Reaktion erwartet, denn bereits vor Ablauf der Überlegungsfrist von zwei Monaten bot er eine Vereinbarung an. Den gesamten Komplex an Modernisierung/Instandhaltung wollte er nur mit DM 215,—, anstatt wie zuvor gefordert mit DM 320,—, auf die Miete aufschlagen, würde man mit ihm die angebotenen Vereinbarung eingehen.

Bei Durchsicht der Unterlagen fühlten wir uns lebhaft an die Preisgestaltungspraktiken der Teppichbranche erinnert. Kein Teppich, der nicht mindestens um die Hälfte herabgesetzt worden wäre und kein Teppich, der mehr wert ist als ein Viertel des ursprünglichen Preises. Hier hätten die Kosten der Modernisierung selbst bei Verzicht auf Abzüge für eingesparte Instandhaltungskosten DM 100,– nicht überschreiten dürfen. Und selbst Sie wären durch konsequentes Vertreten der Mieterstandpunkte sicher noch weiter zu senken gewesen.

Ein sehr interessantes Ergebnis. Für Familie M. aber kein allzu gutes. Denn ganz zum Schluß kam noch ein Papier zum Vorschein: die Kopie einer unterschriebenen Zustimmung zu der Vereinbarung. Man wurde, so klagte Familie M., ganz unvermittelt an der Wohnungstür mit fünf Personen konfrontiert und habe sich dieser Übermacht nicht gewachsen gefühlt.

Nützliche und mietkostensparende Lehren können daraus nur die anderen ziehen. Die erste ist: "Kein Besuch ohne Voranmeldung", die zweite: keine Unterschrift ohne vorherige Konsultation einer Beratungsstelle.

C’est la vie!

Zu spät gemeldet
Der Anrufer bei der AG Umwandlung war merklich irritiert. Es fänden schon seit langem Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten im Hause statt, doch er habe bisher noch keine Ankündigung erhalten, klagte er. Das Gespräch ergab weiterhin, daß er im Seitenflügel der einzige übriggebliebene Mieter sei, und daß er sich dadurch ziemlich verlassen und hilflos vorkomme, weil auch in den anderen Teilen des Hauses die meisten Nachbarn bereits vor längerer Zeit ausgezogen seien. Nun hätte er doch wenigsten die Modernisierungsankündigung gern und wollte von uns wissen, wie er dazu kommen könne.

Seine Hilflosigkeit übertrug sich auf uns. Abgesehen davon, daß uns nicht einsichtig war, warum er denn in diesem Stadium noch eine Modernisierungsankündigung haben wollte, konnten wir auch seine konkrete Situation nicht einschätzen. In dem kurzen Telefonat konnte keine Auskunft darüber gegeben werden, ob er nicht längst durch "schlüssiges Handeln" seine Zustimmung zu den Maßnahmen gegeben habe, ob er selbst in irgendeiner Form gegenüber dem Eigentümer hätte aktiv werden müssen oder ob – wenn schon nicht seine Nerven – so zumindest seine Miete noch weitgehend unberührt von all dem Geschehen geblieben war. Wir konnten ihm deshalb nur empfehlen schleunigst eine Beratungsstelle aufzusuchen und mit dem Anwalt die Situation individuell abzuklären.

Eines aber ist sicher. Der Zeitpunkt, sich mit uns in Verbindung zu setzen, war viel zu spät. Und die Lehren für die anderen sind:

Nach Eigentümerwechsel ist erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Bei den geringsten Anzeichen für Modernisierungs- oder Umwandlungsabsichten sollte sofort Kontakt mit der AG UMWANDLUNG aufgenommen werden. Je nach Lage der Dinge organisieren wir dann zusammen mit einem Anwalt eine Hausversammlung. Und zwar solange noch alle Mieter im Hause wohnen!!!

Nur unter diesen Voraussetzungen sind die Mieter den Maßnahmen des Eigentümers nicht hilflos ausgesetzt, können sie problemlos die Initiative erlangen und als gleichberechtigter Vertragspartner ihre Rechte erkennen und durchsetzen.

Venceremos!

AG UMWANDLUNG

 

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