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MieterEcho online 15.04.2016

Senat präzisiert Neubauvorhaben

45.000 Wohnungen in zwölf Quartieren geplant. 25-30 Prozent sollen preisgebunden sein

Am Freitag stellte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) zwölf große Wohnungsbaustandorte vor, in denen nach Fertigstellung rund 100.000 Menschen in ca 45.000 neuen Wohnungen leben könnten. Dabei gehe es nicht um die Schaffung neuer Satellitenstädte, sondern um „lebendige Kieze, in denen die Leute gerne wohnen, arbeiten und leben“, wie Geisel betonte.


Nur bei größeren Projekten sei es möglich, von vornherein auch die notwendige Infrastruktur mitzuplanen. Das betreffe sowohl die Verkehrsanbindung als auch die Errichtung von Schulen, Kitas. Freizeit- und Einkaufsstätten, aber auch die Planung von Grünflächen. Geisel verwies auf das Beispiel des Bezirks Pankow. Der sei in den vergangenen Jahren um 70.000 Einwohner gewachsen, Neubau habe aber hauptsächlich kleinteilig ohne städtebauliche Planungsverfahren stattgefunden. Dadurch sei zeitweilig ein eklatanter Mangel an wohnortnahen Kita- und Schulpätzen aufgetreten. Dies wolle man künftig vermeiden.

Geisel verteidigte das Konzept der seriellen Vorfertigung von Bauelementen bei diesen Projekten. Das habe „nichts mit öden Plattenbausiedlungen zu tun, ermöglicht aber kostengünstiges Bauen“. Durch städtebauliche Wettbewerbe und unterschiedliche Bauträger – darunter auch alle städtischen Wohnungsbaugesellschaften - werde man sicherstellen, dass die neuen Quartiere auch architektonisch hohen Ansprüchen genügen.

Geisel räumte ein, dass es an einigen Standorten nach wie vor Widerstand gegen die Baupläne gibt. „Wir nehmen die Bürgerbeteiligung sehr ernst und sind auch immer offen für Vorschläge. Wir diskutieren gerne, wie gebaut werden soll, aber nicht mehr darüber, ob überhaupt gebaut wird“, beschrieb der Senator seine Marschroute. Schließlich sei Wohnungsbau in der rasant wachsenden Stadt „eine Frage des Gemeinwohls, die weit über die Interessen einzelner Anwohner hinaus geht“.

Die Hälfte der Grundstücke an den zwölf Standorten befindet sich im Landesbesitz. Dort soll der Anteil preisgebundener Sozialwohnungen mindestens 30 Prozent betragen. Bei den privaten Flächen wird im Rahmen der kooperativen Baulandentwicklung eine Quote von 25 Prozent angestrebt. Nur bei der „Europa-City“ in der Nähe des Hauptbahnhofs wird dieser Anteil deutlich niedriger sein, da das Planungsverfahren bereits abgeschlossen sei und man nicht rückwirkend in Verträge eingreifen könne, so Geisel.

Der Senator betonte, dass die jetzt vorgestellten Standortplanungen nichts mit dem verstärkten Zustrom von Flüchtlingen zu tun haben. Anders als bei den geplanten modularen Unterkünften werde es in den neuen Stadtquartieren keine Zuweisung von Flüchtlingen oder ähnliches geben. Man wolle sozial gemischte Quartiere, und die dort errichteten Wohnungen sollen „allen Neu- und Altberlinern zur Verfügung stehen“.

Während sich in der Europacity bereits die Baukräne drehen und die Projekte in der Wasserstadt Spandau und in Adlerhof planerisch und infrastrukturell bereits weit fortgeschritten sind, befindet man sich in den meisten anderen Quartieren noch in der Anfangsphase. Daher wollte sich Geisel auch nicht auf einen Termin für die Fertigstellung festlegen. Er hoffe, „dass in zehn, vielleicht aber auch erst in 15 Jahren die letzte der 50.000 Wohnungen bezogen sein wird“.

Details zu den einzelnen Quartieren unter www.stadtentwicklung.berlin.de/download/wohnungsneubau

Rainer Balcerowiak

 

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