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MieterEcho online 18.02.2015

"Mietrebellen" 330 Aufführungen im In- und Ausland

Der Dokumentarfilm „Mietrebellen“ über Kämpfe auf dem Berliner Wohnungsmarkt hat einen außergewöhnlichen Erfolg und trägt zur Vernetzung von Initiativen bei.


Es ist sicherlich ungewöhnlich, dass ein Regisseur nach der Kinovorführung seines Films vor das Publikum tritt und sagt, dass der Rapper und Komponist des Abspannliedes sowie andere im Film vorkommende Personen mittlerweile aus ihren Wohnungen verdrängt wurden. Doch Matthias Coers ist Dokumentarfilmer, und Verdrängung aus der Wohnung ist sein Spezialgebiet. Einen Film zu Zwangsräumungen in mehreren Ländern bereitet er gerade vor. Sein letzter wird derweil ständig im In- und Ausland aufgeführt. Coers ist oft dabei, so wie auch unlängst im Berliner Kino Moviemento, wo der Film zum hundertsten Mal gezeigt wurde.


„Mietrebellen“ heißt die im April erschienene 78-minütige Doku über den Berliner Wohnungsmarkt, die nun schon 330 Mal vorgeführt wurde. Coers, Jahrgang 1969, und seine Partnerin Getrud Schulte Westenberg zeigen darin einige Initiativen, die vor allem um Wohnraum kämpf(t)en. „Nach Filmvorführungen wurden wir oft von Menschen in ähnlichen Situationen angesprochen“, erklärt Coers dem diesmal kleinen Publikum in einem kleinen Kinosaal. Manches Mal habe er diese Menschen an einen Mieterverein weitervermittelt. Diese Nähe zu den Härten des Wohnungsmarktes und zu den Leuten, die dagegen kämpfen, ist Coers wichtig. Auch heute findet im Anschluss an den Film wieder eine Diskussion mit Engagierten statt.
Zuerst spricht der Grünen-Bezirksverordnete Norbert Kliesch. Er ist Mitglied einer Initiative von Betroffenen, die es geschafft hat, den Verkauf von Bundesimmobilien zum Thema öffentlicher Diskussion zu machen. Nun will selbst der Berliner Senat, dass der Bund seine Wohnhäuser nicht meistbietend verkauft. Das Thema beschäftigt auch den Bundestag.
Im Anschluss spricht eine griechische Geographin über den griechischen Wohnungsmarkt. Sie arbeitet an der Universität Edinburgh in Schottland und hatte „Mietrebellen“ im August in London gesehen, als der Film bei einer großen Konferenz der britischen Geographischen Gesellschaft gezeigt wurde. Dieses Datum ist Matthias Coers wichtig, wie er ausführt. Am selben Tag wie im Londoner Goethe-Institut vor dem wissenschaftlichen Publikum sei der Film in Leipzig bei einem Doku-Festival und in Hamburg bei einem großen Treffen der Hausbesetzungsszene in der berühmten „Roten Flora“ gezeigt worden.
Wien, Dublin, Glasgow, Córdoba, Amsterdam, Kosovo, Istanbul, Moskau, Mexiko – die Berliner „Mietrebellen“ sind beeindruckend weit herumgekommen und mal bei akademischen, mal bei aktivistischen Konferenzen sowie bei Film- und Kunstfestivals gezeigt worden. In vielen Ecken Deutschlands war der Film ebenfalls schon, und Matthias Coers oft mit ihm. Außer den ständigen Vorführungen in Berlin in Kinos und bei politischen Veranstaltungen stehen im März Frankfurt (Oder), Mannheim, Nürnberg, Köln sowie eine dreitägige Tour durch Bremen an. Vorführungen in Griechenland (wie in Moskau mit Unterstützung des dortigen Goethe-Instituts) im Mai stehen fest, Spanien und Kuba sind in Vorbereitung, Anfragen vom Left Forum in New York – ein großer intellektueller Kongress, wo schon Ausschnitte von „Mietrebellen“ gezeigt wurden – sowie aus Kanada und Frankreich gebe es ebenfalls, sagt der aus Osnabrück stammende Filmemacher.
Seinen Film habe er extra kurz gehalten, um Gespräche im Anschluss zu ermöglichen, sagt Coers, denn „der Film soll vor Ort zu Debatten über die lokale Situation führen“. Im fränkischen Fürth hat das kürzlich geklappt, wie der Artikel einer Lokalzeitung zeigt. Coers kriegt auf diese Weise viel von den Zuständen andernorts mit, erzählt er. Von ausländischen Vorführungen erreichten ihn oft Berichte. Überraschend auch für Coers: Sowohl aus Bukarest, als auch von der Stadtplanungsfakultät in Neapel und vom Left Forum habe er gehört, wie dankbar die Menschen dort waren, zu sehen, dass auch Deutschland soziale Probleme hat und dass es Widerstand gibt.
In Bukarest machen sich mittlerweile Freiwillige an eine Übersetzung der Untertitel, berichtet Coers. Auf Englisch und Spanisch gibt es die schon, Französisch, Polnisch und Italienisch seien fast fertig, Türkisch, Griechisch, Niederländisch, Portugiesisch und Ungarisch ebenfalls in Vorbereitung, sagt der umtriebige Filmer und Aktivist, der auch eine DVD des Films plant – „für die weltweite Rezeption“.
Theoretisch könnte die DVD-Hülle eine Empfehlung von Bundesjustizminister Heiko Maas oder der Bundeszentrale für Politische Bildung zieren, denn laut Coers haben die den Film ebenfalls gelobt.
www.mietrebellen.de

Ralf Hutter

 

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