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MieterEcho online – 21.06.2011

Kiezspaziergang Schillerkiez

 
„Die Lunte“ in der Weisestraße ist nicht nur der Treffpunkt der Stadtteilgruppe Schillerkiez. Mehrere Kiezspaziergänge sind von dort aus bereits gestartet, so auch am Pfingstmontag. Die letzte Informationsveranstaltung dieser Art fand im Herbst statt. In dem vergangenem halben Jahr hat sich einiges getan, wie Anwohner und Aktivisten der Stadtteilinitiative bei einer eineinhalbstündigen Tour schilderten.

Während im letzten Jahr noch mehrere Beschäftigungsgesellschaften für Ein-Euro-Jobs entstanden sind, müssen diese bereits neuen Läden weichen. In der Weisestraße 24 wurden bis vor kurzem noch Fahrräder repariert. Nun richtet sich dort eine Schneiderei ein. „Das ist ein gewisser Trend im Kiez“, meint ein Vortragender der Stadtteilgruppe.

Fast schon wie gewohnt nehmen die rund 60 Zuhörer hingegen die horrenden Mieten, die so manche Eigentümer nach Modernisierungen ihrer Wohnungen verlangen, zur Kenntnis. In einem des einst als „Problemhaus“ bezeichneten Altbaus in der Okerstraße stehen heute viele Wohnungen leer. „Seit zwei Jahren wohnen hier schon keine Menschen aus Rumänien mehr“, erzählt ein Anwohner. Der Versuch, das Haus für ein Wohnprojekt zu kaufen, scheiterte. Nun kündigte die Immobilienverwaltung „Alt & Kelber“ Sanierungen an. „Nach dem Einbau einer Zentralheizung soll eine Wohnung mit 40 Quadratmetern 380 Euro warm kosten. Das wäre für viele hier nicht mehr bezahlbar“, so der junge Mann.
 

In Nordneukölln tut sich aber noch mehr. Seit März gebe es immer mehr neue Kneipen und Cafés, berichtet die Stadtteilinitiative. So eröffnet demnächst gleich gegenüber  das „Bruchberg“. „Die Okerstraße ist eine Rennbahn zum Tempelhofer Feld“, erklärt ein Mitglied der Stadtteilinitiative die Wandlung des Straßenzuges zwischen dem U-Bahnhof Leinestraße und ehemaligen Flughafengelände.

Die Kritik an den neuen Wirten verstehen nicht alle Anwesenden. „Es ist doch gut, dass hier etwa neues entsteht. Wollt ihr, dass weiter alles leer steht?“ fragt ein Zuhörer in die Runde. „Wir haben nichts gegen neue Läden«, entgegnet ein anderer. Viele Gaststätten hätten lange leer gestanden, weil Interessenten nicht bereits gewesen, die hohen Mieten zu zahlen. Nun scheint das aber kein Problem mehr zu sein. Die neuen Kneipenbetreiber sollten sich aber im Kiez einbringen und mit der Gefahr, Alteingesessene und finanziell Schwächere zu verdrängen, auseinandersetzen.
 

Wie sich eine Hausgemeinschaft gegen immense Nachforderungen bei der Nebenkostenabrechnung wehren kann, schilderte eine Anwohnerin der Schillerpromenade. Bis zu 2000 Euro sollten Mieter für ein Kalenderjahr nachzahlen. Doch bei einer Hausversammlung stimmten sich die Betroffenen ab. Ein paar Anwaltsschreiben reichten aus. „Darauf gab es keine Reaktion der Hausverwaltung“, sagte die junge Frau.

Nach dem Besuch eines weiteren Cafés in der Herrfurthstraße, dessen Gastronom Torten für 30 Euro verkauft und gleichzeitig finanziell schwächeren Gästen zwar keinen Alkohol mehr ausschenkt, dafür aber den Cappuccino spendiert, endete der Spaziergang auf dem Tempelhofer Feld. Mit dem „Stadtteilgarten Schillerkiez“ entsteht dort auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Einige Beete und Sitzecken sind bereits aufgebaut. Und ein erster Stammtisch mit Kaffee und Kuchen, bei dem sich Anwohner über problematische Entwicklungen im Stadtteil austauschen können, hat auch bereits stattgefunden.

Katja Herzberg
 
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