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MieterEcho online – 10.04.2011

SPD und Linke helfen der GSW aus der (Kredit-)Klemme

Am kommenden Freitag sollen GSW-Wohnungen an die Börse

Ein Jahr nach dem gescheiterten Börsengang wollen Cerberus und Goldman Sachs die GSW am 15. April endgültig an die Börse bringen und noch einmal richtig Kasse machen. Wurde das Unterfangen vor einem Jahr von unruhigen Finanzmärkten und der unklaren Refinanzierungssituation der GSW vereitelt, sieht es 2011 besser aus. Hilfreich an der Seite der Finanzinvestoren steht ein weiteres Mal das Land Berlin, in diesem Fall mit einem millionenschweren Kredit der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB).

Zu einem Einstiegspreis zwischen 19 und 23 Euro sollen ab kommenden Freitag GSW-Aktien an der Börse gehandelt werden. Sollte der Verkauf des Papiers gut laufen, könnten für Cerberus und Goldman Sachs über 500 Millionen Euro dabei raus springen. Das wären runde 100 Millionen Euro mehr, als das Land Berlin bei der Privatisierung vor sieben Jahren einnahm. 2004 zählte der Bestand der GSW allerdings noch 65.000 Wohnungen, also gut 16.000 Wohnungen mehr als zum heutigen Zeitpunkt. Ebenfalls drastisch verringert hat sich die Zahl der bei der GSW Beschäftigten. Verdienten vor zehn Jahren noch über 1000 Beschäftigte ihren Lebensunterhalt bei der damals größten landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft, sind es heute keine 600 mehr. Erhöht haben sich bei der GSW dafür die Mieten, von durchschnittlich knapp vier in 2003 auf 4,90 Euro pro Quadratmeter in 2010.

Diese wenigen Zahlen deuten den Hintergrund an, wie es Cerberus und Goldman Sachs bei erfolgreichem Börsengang gelingen kann, ihren damaligen Einsatz bis heute mehr als zu verdoppeln oder sogar zu verdreifachen, „wenn man das Aktienpaket hinzurechnet, das beide behalten werden“ wie börse-online schreibt und hinzufügt, dass dieses Geschäft zeige, „wie lukrativ der Berliner Immobilienmarkt im vergangen Jahrzehnt für Investoren war – und wie nachteilig für Mieter.“ Ermöglicht wurde das lukrative Geschäft durch einen SPD/Linke Senat, der mit dem Verkauf der GSW das Privatisierungsmodell für Wohnungsgesellschaften im ganzen Land lieferte. Dem GSW-Deal folgten – neben weiteren Wohnungsverkäufen – Jahre wohnungspolitischer Enthaltsamkeit. „Gute Stimmung bei Investoren“ verkündet dementsprechend der GSW-WohnmarktReport vom März 2011 und verweist dabei auf eine Umfrage unter Immobilienmarkt-Akteuren nach der „Berlin in puncto ‚Ertragsperspektiven’ Rang sieben von 27 europäischen Metropolen“ einnimmt.
 

„Leistung für Berlin“

Den Ertragsperspektiven der GSW-Eigner standen im letzten Jahr die Wirtschaftskrise und Turbulenzen auf den Finanzmärkten im Wege. Konkret ging es um die Refinanzierung eines auslaufenden Kredits in Höhe von ca. 890 Millionen Euro, was in Kredit klemmigen Zeiten kein kleiner Fisch ist. Bezüglich der Höhe der künftigen Zinsbelastungen und den damit möglicherweise geminderten Erträgen der GSW sorgte die anstehende Refinanzierung für Zweifel bei potentiellen Aktionären, so dass der Börsengang ins Wasser fiel.

Doch im Februar diesen Jahres war die Welt für das Cerberus/Goldman Sachs Management wieder in Ordnung: „Durch bilaterale Kreditverträge mit sechs führenden Banken, die eine durchschnittliche Kreditlaufzeit von mehr als acht Jahren aufweisen, wird die GSW ihre Finanzierung bei attraktiven Finanzierungskonditionen diversifizieren. Die Refinanzierung wurde zum 15. Februar 2011 abgeschlossen und stellt eine erhebliche Optimierung der Finanzierungsstruktur des GSW Konzerns dar“, so der GSW-Konzernbericht.

Hinweise über fünf der sechs führenden Banken fanden sich in einer GSW-Presseerklärung und den Wirtschaftsseiten der Tagespresse. Lediglich Ulrich Paul von der Berliner Zeitung wusste etwas über die sechste Bank und schrieb am 3. Februar: „Was bei den nun abgeschlossenen Kreditverträgen eigentlich geheim bleiben sollte: Die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB) hat der GSW bei der Umfinanzierung hilfreich zur Seite gestanden. (…) Eine offizielle Bestätigung von der Senatsverwaltung für Wirtschaft gibt es dafür jedoch nicht. Wahrscheinlich, weil es dem für die IBB zuständigen Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) politisch unangenehm sein dürfte, mit dem Börsengang in Verbindung gebracht zu werden.“

Da dürfte Herr Paul wohl ganz richtig liegen. Nachdem auch von der IBB keine Bestätigung des Vorgangs zu erhalten war, klärte inzwischen der GSW-Börsenprospekt über den 150 Millionen Euro Beistand der IBB auf. Den Vorstand des IBB-Verwaltungsrats bekleiden Harald Wolf und Ingeborg Junge-Reyer (SPD) als dessen Vertreterin. Die Spitzenpolitiker der Berliner Regierungskoalition sind damit für die „Richtlinien und Grundsätze“ der Bank verantwortlich, erlassen „die erforderlichen Geschäftsordnungen“ und beraten und überwachen den Vorstand.

Zum Leitbild der IBB als Förderbank des Landes Berlin gehören nach eigenen Angaben die „bedarfsgerechte Finanzierungen vorrangig für kleine und mittlere Unternehmen und für eine integrierte Immobilien- und Stadtentwicklung. Damit schaffen und sichern wir Arbeitsplätze. Im Ergebnis unserer Leistungen werden wir von der Öffentlichkeit als verlässliche, kompetente und effiziente Förderbank wahrgenommen, die gut und wichtig für Berlin ist. Dafür steht unsere Vision ‚Leistung für Berlin‘“.

Sollte der Börsengang am Freitag für Cerberus und Goldman Sachs ein Erfolg werden, so haben Wolf und Junge-Reyer maßgeblichen Anteil an dieser „Leistung für Berlin“.

 
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