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Entwicklung mit Ansage

Hohe Angebotsmieten, niedrige Unterbringungsquote. Studierende bekommen die prekäre Wohnraumversorgung zu spüren.

In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich die Zahl der Studierenden bundesweit um knapp ein Viertel erhöht. Gleichzeitig ist die Zahl der Wohnplätze nahezu gleich geblieben. Studierendenvertreter/innen fordern -jenseits des Marktes- eine Erhöhung der Sozialwohnungsquote bei Neubauten sowie einen deutlichen Ausbau der Wohnheime der Studierendenwerke.

Dutzende Bewerber/innen auf ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft? Kein Einzelfall. Vor allem Studierende stehen auf der Suche nach einer Unterkunft  in immer längeren Schlangen. Ohne Erfolg. Mit Aufnahme des Studiums müssen Student/innen immer häufiger auf Provisorien ausweichen. Hörsäle, Zelte und Turnhallen dienen mittlerweile als "Alternative". Denn herkömmliche Mietwohnungen oder Plätze in studentischen Wohnheimen sind für den akademischen Nachwuchs Mangelware oder unerschwinglich. Die im Rahmen des 2. Runden Tisches am 7. Juni vorgestellte Studie „Wohnraum für Studierende“ bestätigt nun die seit Jahren beklagte Situation. So hat sich die Zahl der Studierenden im Zeitraum zwischen 2002 von rund 1,7 Millionen bis 2012 auf nahezu 2,2 Millionen um fast ein Viertel vergrößert. Vor allem seit 2010 ist ein starker Anstieg zu verzeichnen. Denn mit den gestiegenen Abiturientenquoten, den doppelten Abiturjahrgängen inklusive der verkürzten gymnasialen Schulausbildung auf acht Jahre sowie die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahre 2011 war der Ansturm auf die Universitäten quasi vorprogrammiert. Unter den fünf größten Hochschulstandorten verzeichnen Frankfurt (22,6 %) und München (20,1 %) Zuwächse von über 20 %. Köln liegt bei 11,2%, Hamburg bei 10% und Berlin bei 7,1%. Ein Entspannung ist nicht abzusehen. Steht doch der doppelte Abitur-Jahrgang noch in vier Bundesländern bevor. Darunter im bevölkerungsstarken Nordrhein-Westfalen und Hessen. Doch anstatt auf die sich seit Jahren ankündigenden Veränderungen zu reagieren, steht der 25prozentigen Zunahme an Studierenden gerade einmal ein Anstieg der Wohnheimplätze von 3 Prozent gegenüber.

Hohe Angebotsmieten, niedrige Unterbringungsquote
"Brennpunkte ergeben sich vor allem an Hochschulstandorten mit allgemein hohem Mietpreisniveau. Hier sind vor allem Großstädten bzw. Großstadtregionen betroffen, aber auch einige mittelgroße Hochschulstädte fallen in diese Kategorie", heisst es in dem "Kurzgutachten zu Entwicklungen, Trends und Potenzialen für Studentisches Wohnen", das der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) vorgelegt hat. Ein wesentlicher Indikator ist hierbei auch die Unterbringungsquote, also das Verhältnis von Wohnheimplätze und Studierendenzahl. Fällt diese niedrig aus, kann dies die Wohnsituation zusätzlich verschärfen. "Bei den Hochschulstandorten mit mehr als 3.000 Studierenden zeigt sich, dass insbesondere viele Großstädte wie Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und Bremen eine Unterbringungsquote von weniger als 10 % aufweisen", heisst es in der Studie. Dort bewegen sich die Angebotsmieten entsprechend zwischen 6 Euro und über 8 Euro pro qm2 nettokalt.
Beispiel Berlin: An der Spree existieren für die 160.000 Student/innen rund 9.500 Wohnheimplätze  nach Bremen die zweitschlechteste Versorgungsquote. Um zumindest zum Bundesdurchschnitt aufzuschließen, sei allein in Berlin die Errichtung von mindestens 5000 neuen Wohnheimplätzen erforderlich, waren sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die Geschäftsführerin des Studentenwerks, Petra Mai-Hartung, Anfang April einig.
Im Bundesdurchschnitt ist bei steigender Zahl der Studierenden die Quote der Wohnkapazitäten zwischen 1991 von 14,93% auf 10,63% im Jahre 2012 gesunken. Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung geben Studierende im Durchschnitt rund 35% ihrer monatlichen Einnahmen für das Wohnen aus. Die monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten betrugen 2009 im Mittel 281 Euro. Aktuell sind es bereits rund 300 Euro.
Angesichts der Zahlen fordert das Deutsche Studentenwerk (DSW) ein Bund-Länder-Programm für insgesamt 25.000 zusätzliche, preisgünstige Wohnheimplätze. Den staatlichen Zuschussanteil beziffert der DSW auf 660 Millionen Euro. "Nur mit staatlicher Förderung können die Studentenwerke preisgünstige Mieten erreichen", betonte DSW-Präsident Dieter Timmermann auf der Jahresversammlung der Studentenwerke Anfang Dezember. "Die sich im Bau befindlichen und geplanten Studentenwohnheime reichen zur Stabilisierung der Unterbringungsquote in Wohnheimen nicht aus", zu diesem Schluss kommen auch die Immobilien- und Wohnungsunternehmen in ihrer Studie.

Lösungen jenseits des Marktes
Studierendenverbände sehen private Investoren allerdings als Teil des Problems. Weil die Mieten für studentischen Wohnraum im privaten Sektor rasant steigen fordert der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS) deshalb Lösungen jenseits des Marktes. "Auch die steigende Anzahl der privaten Wohnheimplätze löst die Probleme nicht, da die Mieten zumeist weit über der BAföG-Wohnraumpauschale von 224 Euro liegen", so das FZS. Notwendig sei die Schaffung von Wohnraum im unteren Preissegment, um allen Studierenden möglichst schnell eine Wohnung zur Verfügung zu stellen. Die Dachorganisation hat eine Kampagne zur Bekämpfung studentischer Wohnungsnot gestartet. "Wir fordern eine Erhöhung der Sozialwohnungsquote bei Neubauten sowie einen deutlichen Ausbau der Wohnheime der Studierendenwerke", so Katharina Mahrt vom FZS-Vorstand. Studentischer Wohnraum bedeute nach dem Verständnis der StudentInnenorganisation: "Bezahlbare Miete statt Rendite".

Christian Linde
Weitere Informationen zur "Wohnraumkampagne" des FZS unter:  www.fzs.de
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