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Folgen des Mietendeckels

Bevor der Mietendeckel seine eigentliche mietpreisdämpfende Wirkung entfalten kann, hatte die Eigentümerorganisation „Haus und Grund“ ihre Mitglieder aufgefordert, sämtliche Mieterhöhungspotenziale zu nutzen. Mit Genugtuung stellt die Organisation fest, dass die Mitglieder „nicht zuletzt aufgrund des großen Medien-Echos, darauf aufmerksam gemacht wurden, ihre Miete an den Mietspiegel anzupassen, bevor ihnen die Berliner Regierungskoalition das künftig verweigern will“.
Im Gegensatz zu dem dadurch zu erwartenden kleinen Anstieg des allgemeinen Mietniveaus mussten die Aktionäre der börsennotierten Wohnungsunternehmen deutliche Verluste durch das Absinken der Aktienkurse ihrer Gesellschaften hinnehmen.


Am 5. Juni schien die Börsenwelt für die Deutsche Wohnen noch in Ordnung: Die Aktie notierte bei 42,43 Punkten. Doch die erste Ankündigung des Senats vom gleichen Tag, alle Bestandsmieten für fünf Jahre einfrieren zu wollen, brachte das Papier unter Druck. Der Schlusskurs lag bei 39,15. Am 7. Juni, nachdem klar war, dass die Ankündigung des Senats ernst gemeint war, wurde die Aktie an der Börse nur noch für 35 Euro angeboten. Zwar stieg der Kurs in den nächsten Tagen wieder bis auf 37,81, doch der Senatsbeschluss vom 18. Juni, den 2020 in Kraft tretenden Mietenstopp schon rückwirkend vom Tag der Verkündung gelten zu lassen, schreckte die Aktionäre ein weiteres Mal und ließ den Kurs bis auf 33 Euro abrutschen.


Die auf dem Berliner Wohnungsmarkt besonders aggressiv operierende Gesellschaft ADO Properties mit Firmensitz in Luxemburg, geriet am 18. Juni ins Straucheln. Wohlgefällig hatte die Geschäftsführung in ihrem ersten Quartalsbericht 2019 auf Mietsteigerungen von über 5% als Dauerzustand hingewiesen. Doch wie die zukünftig realisiert werden sollen, dürfte den Verantwortlichen einiges Kopfzerbrechen bereiten. Bei der Präsentation der Quartalszahlen am 22. Mai war der Vorstand noch zuversichtlich: „Wir erleben zwar zum Teil eine etwas feindselige Stimmung, erwarten aber keine weiteren Regulierungsschritte seitens der Politik.“ Mit der „feindseligen Stimmung“, die keinen weiteren Anlass zur Sorge darstellte, war das Enteignungsvolksbegehren gemeint, die unerwarteten „weiteren Regulierungsschritte“ der Politik, der Mietendeckel, hatte hingegen zur Folge, dass der Marktwert des Unternehmens von 2,16 Mrd. Euro am 18.6. auf 1,8 Mrd. Euro abschmolz.


ADO Properties werden den Rückgang verkraften, so ist zu befürchten, denn schon längst haben sie das Marktsegment „Möbliertes Wohnen“ entwickelt, das völlig unreguliert auf dem Wohnungsmarkt wuchert. Folglich kann der aktuelle Mietendeckel nur ein erster Schritt sein. Die Regulierung von möblierten Wohnungen muss ebenso folgen wie eine konsequente Ausgestaltung des Zweckentfremdungsverbots und ein nachhaltiges Zurückdrängen von Ferienwohnungen.