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MieterEcho online 16.04.2019

Neues Moabiter Stadtquartier wird zum Eldorado für Spekulanten

Die Medici Living-Gruppe, deren Geschäftsmodell auf der Parzellierung von Wohnungen und deren hochpreisiger Vermarktung basiert, hat für ihre Nobelmarke QUARTERS einen weiteren Standort in Berlin Mitte in seinem Portefeuille. Noch im 2.Quartal dieses Jahres soll mit der Vermietung von 266 „Co-Living-Betten“ in „High-End-Wohngemeinschaften“ in der Lehrter Straße unweit des Hauptbahnhofs beginnen. Das teilte das Immobilienportal konii.de vor einigen Tagen mit. Das Angebot richte sich an solvente Studierende sowie „an junge Berufseinsteiger, die international viel unterwegs sind und gutes Geld verdienen. Sie wollen weiterhin mit anderen Leuten zusammenwohnen, haben aber keine Lust auf eine klassische Studi-WG und möchten lieber in einem höheren Standard leben“, heißt es in einer Selbstdarstellung des Unternehmens in der Zeitschrift Gründerszene.

Damit wird das von der Groth-Gruppe errichtete und teilweise noch im Bau befindliche neue Stadtquartier „mittenmang“ zunehmend zu einem Hotspot für diese Art der profitablen Immobiliennutzung, trotz Bebauungsplanverfahren und städtebaulichen Verträgen. Bereits im nördlichen Abschnitt des „Mittenmang“-Quartiers werden in fünf der Lakeward-Gruppe gehörenden Häusern die als „große Wohnungen“ vorgesehenen Räumlichkeiten laut dem Anwohnerportal moabitonline von „Homefully GmbH“ als möblierte Co-Living Apartments zu hohen Preisen vermarktet. Außerdem entstehen im „Mittenmang“-Quartier im 18-stöckigen sogenannten „FRITZ-Tower“ zahlreiche Mikroapartments, ebenso wie Co-Living ein aktuelles Renditemodell im Immobilienmarkt.

Das QUARTERS-Objekt in der Lehrter Straße teilt sich auf zwei benachbarte siebenstöckige Neubauten mit einer Gesamtmietfläche von knapp 6.750 m² auf. Es umfasst 94 Wohneinheiten, mehr als 250 m² Gemeinschaftsfläche sowie einen Innenhof mit nutzbarem Garten. Gunther Schmidt, Gründer und CEO von Medici Living, bezeichnet sein Projekt bei konii.de zynischerweise als „Gewinn für den angespannten Berliner Mietmarkt“. Man biete „erschwinglichen und flächeneffizienten Wohnraum für Young Professionals, eine Gruppe, die für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt besonders wichtig ist.“

Beim Betroffenenrat Lehrter Straße, der sich auch intensiv am B-Plan-Verfahren für das neue Quartier beteiligt hatte, stößt diese Ankündigung auf Entsetzen. Man fühle sich besonders von der Groth-Gruppe „getäuscht und hintergangen“, hieß es auf Anfrage. Ein entsprechendes Protestschreiben wurde bereits abgeschickt. Außerdem wurden die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung , das Bezirksamt Mitte sowie die Mitglieder der Fachausschüsse im Abgeordnetenhaus und in der Bezirksverordnetenversammlung gebeten, den Vorgang zu überprüfen und die seinerzeit mit der Groth-Gruppe geschlossenen städtebaulichen Verträge zugänglich zu machen. Der Moabiter „Runde Tisch gegen Gentrifizierung“ plant für den Mai einen „Kiezspaziergang“ zu den verschiedenen Objekten von Medici Living im Kiez.

 

Rainer Balcerowiak

 

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