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MieterEcho online 07.03.2017

Smart Home Living in Moabit – wie ein Kiez zur Staffage für Gutverdiener werden soll

Das Geschäft mit Wohngemeinschaftszimmern nimmt in Berlin immer bizarrere Formen an. Der Gründer des Internet-Kommunikationsdiensleisters eKomi, Günther Schmid, hat sein Unternehmen Medici Living Group zusammen mit zwei Partnern weiter ausgebaut. Zur Expansion gehören auch ein Neubau in der Nähe des Hauptbahnhofs, sowie die Anmietung weiterer Häuser.

Der Schwerpunkt des national und international agierenden Unternehmens liegt in Berlin im Stadtteil Moabit. Das Angebot richtet sich an gut betuchte Srudenten sowie „an junge Berufseinsteiger, die international viel unterwegs sind und gutes Geld verdienen. Sie wollen weiterhin mit anderen Leuten zusammenwohnen, haben aber keine Lust auf eine klassische Studi-WG und möchten lieber in einem höheren Standard leben“, heißt es in einer Darstellung des Angebots in der Zeitschrift „Gründerszene“.

Die auf der Website nachzulesende Objektbeschreibung eines Hauses in der Stomstraße liest sich wie aus dem Poesiealbum der Gentrifizierung, in dem die „Ureinwohner“ nur noch als Staffage vorkommen. Moabit  – bekanntlich einer der ärmsten Stadtteile Berlins - sei eine „vibrierende Gegend im Herzen Berlins“ und ein „ein urbaner Sammelpunkt für Künstler, Kreative und andere junge Berufstätige“ . Viele kämmen hierher um  das „authentische Gründerzeit-Ambiente zu erleben“ und gleichzeitig das „urbane Leben zu genießen“.

Erwähnt werden ferner die vielen neuen Clubs und Bars in dem Stadtteil und als besonderes Highlight die Arminius-Markthalle, wo man sowohl „das lokale Flait Moabits“ erleben kann, als auch ein „großartiges Angebot an Speisen und Weinen "Erwähnt werden ferner die guten Verkehrsverbindungen zum Flughafen Tegel und zum den Hot Spots" im Szenebezirk Prenzlauer Berg.

Das hat seinen Preis. Die winzigen Zimmer in den „Wohngemeinschaften“ kosten zwischen 460 und 600 Euro. Doch mit der Marke „Quarters“ will die Medici Living Group ein zusätzliches Edelsegment schaffen. Die Wohnungen „sollen den Ansprüchen einer jungen Tech-Generation genügen: mit Smart-Home-Technik, schnellem Wlan, Roof-Top-Yoga und Kino im Garten“ heißt es in der „Gründerszene“ Besonders in dem Neubau, der bereits im April bezugsfertig sein soll, soll so eine Art Vision vom digitalen Leben verwirklicht werden. Die neun „Wohngemeinschaften“ mit jeweils fünf separat vermieteten Zimmern werden mit einer neuen App vernetzt. Damit können die Bewohner „das komplette Wohnen verwalten: (..)  mit ihren Mitbewohnern kommunizieren oder eine Reinigungskraft buchen“ heißt es im Prospekt Außerdem würden die Quarters-Wohnungen mit digitaler Technik wie per Handy steuerbaren Lampen, Türschlössern, Heizungen und Rollos ausgestattet. Für weitere Häuser wird bereits nach Finanzierungspartner gesucht.

 

Rainer Balcerowiak

 

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