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MieterEcho online 12.02.2019

„Kreuzberg braucht günstige Wohnungen und kein neues Hostel“

Das Polizeiangebot war groß, als sich am vergangenen Samstag gegen 14 Uhr an der Mariannenstraße/Ecke Skalitzer Straße in Kreuzberg ca. 250 Menschen zur ersten Kundgebung gegen einen geplanten Hotelneubau eingefunden hatten. Im Vorfeld waren rund um das Gelände Plakate mit der Parole „No Hostel – stören, sabotieren, besetzen“ aufgetaucht. Am Samstag blieb es bei Protesten. Zahlreiche Anwohner/innen warnten vor den Folgen einer weiteren Tourismusschwemme. „Schon heue kann ich im Sommer abends kein Fenster auflassen, wenn Gruppen junger Tourist/innen auf der Suche nach der nächsten Party um die Häuser ziehen“, erklärte ein junger Mann, der direkt gegenüber des geplanten Hotelneubaus wohnt. Dabei geht es um einen Komplex mit 750 Betten, einer Shopping Mall und einen großen Parkplatz für Reisebusse. Der Initiativkreis „No Hostel 36“ hat sich gegründet und am Samstag die erste Kundgebung organisiert. Dabei stand auch der Bauherr des Hotelkomplexes, die IDEAL Versicherung mit Sitz in der Kochstraße, in der Kritik. „Wir sind sehr intensiv in den Berliner Immobilienmarkt eingestiegen und haben aus den Mieteinnahmen einen stetigen Zufluss von Kapitalerträgen... Ich halte die Mietpreisbremse für falsch“, hatte IDEAL Chef-Rainer Jacobus bereits 2015 im Tagesspiegel erklärt.

Erbe von Baustadtrat Panhof
Doch auch die Kreuzberger Bezirkspolitik wurde auf der Kundgebung hart kritisiert. „Bislang hat keinerlei Beteiligung der Anwohner/innen zu diesem gigantischen Vorhaben stattgefunden“, monierte eine Rednerin. Bisher haben sich auch weder die Grünen, noch die Linkspartei öffentlich zum Hotelkomplex und den Protesten der Anwohner/innen geäußert. Allerdings fanden schon Gespräche zwischen den Hotel-Gegner/innen und der Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg, Monika Herrmann, statt. Viele Grüne hätten unter der Hand erklärt, sie könnten die Proteste verstehen, aber die Baugenehmigung sei bereits erteilt und daher könnte das Projekt nicht mehr verhindert werden. Damit werden sich die Hostel-Gegner/innen aber nicht abspeisen lassen. Für die Baugenehmigung ist der mittlerweile verstorbene grüne Baustadtrat Hans Panhof verantwortlich. Auf der Kundgebung äußerten auch mehrere Redner/innen, dass Kreuzberg bestimmt nicht mehr Hostels brauche, dafür aber günstiger Wohnraum fehle. Da stellt sich auch die Frage, ob die Einstufung des Areals als Gewerbegebiet, die zu einer Zeit getroffen wurde, als die Politik noch davon ausgegangen ist, dass in Berlin kein Wohnungsmangel herrscht, noch aufrecht erhalten werden kann. „Eine Einstufung als Gewerbegebiet kann schließlich auch widerrufen und damit dem Bau von Wohnungen der Weg geebnet werden", meinte ein Kundgebungsteilnehmer. Über diese und viele anderen Fragen will sich der „Initiativkreis No Hostel 36“ weiter unterhalten. Jeden Mittwoch trifft er sich um 20 Uhr im Stadtteilladen MaHalle in der Waldemarstraße 110. Weitere Interessierte sind willkommen. Dort werden auch weitere Protestaktionen vorbereitet. So sind Besetzungen in nächster Zeit nicht ausgeschlossen.

Peter Nowak          

 

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