Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

MieterEcho online 23.06.2017

Aktionswoche der Friedel54 gegen die Zwangsräumung am Donnerstag

Nur noch wenige Tage bis zur endgültigen Eskalation: Kommenden Donnerstag soll die Friedel54 zwangsgeräumt werden. Das seit Mai 2016 gekündigte, zwischendurch wieder für ein halbes Jahr geduldete Soziale Zentrum in Nordneukölln ist mit seiner vielfältigen Öffentlichkeits- und Widerstandsarbeit längst berlinweit bekannt als Kristallisationspunkt im Kampf um die Stadt.
Zuerst setzte sich der seit 13 Jahren von politischen Gruppen selbstverwaltete „Kiezladen“ mit der Wiener Firma Citec auseinander, die ihm die Kündigung schickte. Im Sommer 2016 verkaufte sie das Haus an die 2015 in Luxemburg gegründete Pinehill S.à.r.l., eine vor allem luxemburgischen und französischen Immobilienfirmen gehörenden Briefkastenfirma, die laut Bilanzen keine Personalkosten und an ihrer offiziellen Adresse nur einen Briefkasten hat, wie einige Mitglieder des Friedel54-Kollektivs erfuhren, als sie im Dezember nach Luxemburg fuhren, um das Gespräch zu suchen. Ähnlich schwer hatten es die Leute, die später in Paris versuchten, Zugang zu Eigentümerfirmen von Pinehill zu erlangen – sie standen vor nichtssagenden Häusern, bei denen sie noch nicht mal zu den Klingelschildern gelangten.
Nach etlichen Demonstrationen und Kundgebungen und trotz eines Einschaltens von Bezirks- und Senatspolitik kam vor einigen Wochen der Räumungstermin. Nun bereitet sich Berlins Antizwangsräumungsszene auf eine Blockade in den frühen Morgenstunden vor. Zu hören ist, dass auch die eine oder andere Kundgebung in der Umgebung Anlaufpunkt für Blockierwillige sein soll. Einen Infopunkt und Verpflegung soll es ebenfalls geben. Zumindest Teile des Reuterkiezes werden also wohl von der Zwangsräumung in Mitleidenschaft gezogen.
Protestaktionen gibt es aber schon in den Tagen vorher. So findet am Freitag von 16 bis 22 Uhr ein Konzert mit einem halben Dutzend Gruppen auf dem Reuterplatz statt. Schon relativ früh spielt die bekannte Punkband „Terrorgruppe“. Samstagabend führt eine Demonstration vom Kreuzberger Oranienplatz an vielen Schauplätzen des Kampfes um die Stadt vorbei bis in den Reuterkiez. Sonntag um 14 Uhr beginnt vor der Friedel54 ein ungefähr dreistündiger Kiezspaziergang unter der Überschrift „Verdrängung und Widerstand im Reuterkiez“. In der Ankündigung heißt es:


„Anhand von widerständischen Häusern und Aktionen
 erzählen wir Geschichten der kapitalistischen Verdrängung in Neukölln –
 Geschichten von ungewollten Modernisierungen, Zwangsräumungen, der
 Umgehung von Steuern und Regulierungen, der Zunahme von
 Eigentumswohnungen, AirBnB und Tourismus, Kreativunternehmen und der
 Rolle von Konservativen und Neurechten in der Immobilienbranche.“

Dienstag und Mittwoch, an den beiden Abenden vor dem Zwangsräumungstermin, finden direkt vor dem Haus Videokundgebungen statt. Dienstag gegen 21 Uhr referiert der Filmemacher und Soziologe Matthias Coers mit Fotos und Videos zu aktuellen und jüngsten Wohnkämpfen und zu Fragen steigender Wohnkosten am Beispiel von Berlin. Am Mittwoch zur selben Uhrzeit wird sein Film „Mietrebellen“  gezeigt, der sehr erfolgreich bereits in über 100 Städten in über 20 Ländern gelaufen ist. Der 2014 in die Kinos gekommene Dokumentarfilm schildert damals aktuelle Berliner Kämpfe gegen Verdrängung – sei es von sozialen Räumen oder von Wohnräumen. Eine passende Einstimmung also, wenige Stunden vor einer Zwangsräumung.

Ralf Hutter

 

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