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MieterEcho online 13.08.2019

Mietenpolitische Ausstellung im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum

Als die Ausstellung “Dach über Kopf“ abends am 9. August im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum in der Adalbertstraße Nr. 95A eröffnet wurde, konnte der ungewöhnlich große Andrang von Interessierten bis ins Treppenhaus hinein sicherlich als ein Zeichen für die generelle gegenwärtige Aktualität protestbezogener mietenpolitischer Themen wahrgenommen werden. Es geht in der bis zum 3. November laufenden Ausstellung um “Wohnraumfragen in Friedrichshain-Kreuzberg“, so der Untertitel, die in einem großen historischen Bogen vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart im Kontext widerständiger Aktionen dokumentiert werden sowie um die Hinzufügung speziellerer Themen auf einzelnen Stelltafeln wie die Beziehung zwischen Wohnraum und Gesundheit oder Zukunftsvisionen von gemeinschaftlichem Wohnen.
In den Eröffnungsreden der Kulturstadträtin Clara Herrmann, der neuen Museumsleiterin Natalie Bayer und der jungen Ausstellungskuratorin Natalie Maier wurde übereinstimmend hervorgehoben, dass sich bei aller Unterschiedlichkeit der historischen Bedingungen, der beteiligten protestierenden Gruppen und z.T. auch der politischen Orientierungen das Element eines gemeinschaftsbildenden Kampfes gegen eine soziale Ausgrenzung und für das Grundrecht von Wohnen wie ein roter Faden durch die präsentierten Aktionen zieht.

In den dargebotenen frühen Phasen werden u.a. der Bau einer illegalen Siedlung mit dem Namen “Freistaat Barackia“ am Kottbusser Damm im Jahre 1872 und die gegen Räumungen gerichteten sogenannten “Moritzplatzkrawalle“ sowie die “Blumenstraßenkrawalle“ dokumentiert. Nach einem großen historischen Sprung werden dann u.a. “stille Besetzungen“ zu DDR-Zeiten in Friedrichshain sowie Ausschnitte aus der Hausbesetzerbewegung der 1980er Jahre in den Blick gerückt sowie danach besonders ausführlich Protestaktionen und mietenpolitische Debatten aus jüngster Zeit, so etwa die gegen ‘Deutsche Wohnen’ gerichteten Proteste in der Karl-Marx-Allee, der Widerstand des Hauses "Liebig 34" und verschiedene Aktionen in SO 36.
Zu einigen überraschenden Besonderheiten, die in der Ausstellung geboten werden, gehört die Dokumentation einer Aktion während der Hausbesetzerzeit unter dem Titel “Migrantische Hausbesetzungen“. Dabei geht es um sogenannte “türkische“ Hausbesetzungen in der Forster Straße und in der Kottbusser Straße in den Jahren 1980 und 1981, im zweiten Falle vor allem von türkischen Frauen, für die, wie durch einen mit der Schreibmaschine verfassten im Original erhaltenen Aushang dokumentiert, zur Unterstützung durch Spenden aufgerufen wurde.
Außerdem gehört zu den Besonderheiten der Ausstellung vor allem auch, dass sie nicht einfach institutionell vom Museum organisiert, sondern mit der Beteiligung verschiedener Initiativen aus dem SO-36-Umfeld zusammengetragen und gestaltet wurde, so von Bizim-Kiez und Kotti&Co. Letztere lieferte in Form eines im Raum angebrachten Vordaches ein wichtiges Ausstellungselement als mobile Version der Gececondo-Protesthütte. Mitglieder von Bizim-Kiez gehörten u.a. zum Chor “Stadt unter Einfluss“, der zum Schluss mit einer kraftvollen musikalischen Darbietung und mit originellen mietenpolitischen Texten die Veranstaltung atmosphärisch bereicherte. Die vorgetragenen Lieder gehörten zum Musical “Mietenwahnsinn“, dessen Premiere für September zu erwarten ist.
Zum weiteren Programm von ‘Dach über Kopf’ gehören “Feierabendführungen“ durch die Ausstellung (am 22.8.2019, 5.9.2019 und 10.10.2019 jeweils um 18.00 Uhr) sowie die Stadtspaziergänge “Wohnen und Mietkämpfe in Friedrichshain-Kreuzberg“ (am 9.8.2019 um 19.00 Uhr, 17.9.2019 um 17.30 Uhr, 24. 9.2019 um 17.30 Uhr, 20.10.2019 um 13.30 Uhr und 27.10.2019 um 11.30 Uhr). Anmeldung: n.j.maier@fhx-museum.de

 

Jürgen Enkemann

 

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