Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 452 / September 2025

Leben in Marzahn

 

Von Karin Baumert

Wer nicht dort lebt, hält Marzahn für einen Stadtrandbezirk. Gehört der überhaupt noch zu Berlin? Wer niemals Freunde dort besuchte, pflegt seine Vorurteile über die Platte und den Osten.

Manchmal hält sich auch die Auffassung, dort befinde sich der Ostberliner Brennpunkt, die DDR-Abstiegsgesellschaft, der rückständige Rest. Wer dabei bleiben möchte, besuche nie die Gärten der Welt. Ein Park mit einer Aussicht, die die Zukunft der Städte in einem Blick zusammenfasst, aber aus einer ganz anderen Perspektive. Denn die Frage nach der Lösung der Wohnungsfrage – hier wurde sie bereits beantwortet. Dennoch hält sich das Gerücht, die Platte sei generell die zweite Wahl im Wohnen. Ganz anders sahen das die Bewohner/innen der DDR. Für sie hatte eine Neubauwohnung einen hohen Wert. Eine Wohnung mit moderner Heizung, Bad und guter Aussicht galt als Luxus. Untersuchungen zur Wohnzufriedenheit zeigten, dass sie mit der Wohndauer noch zunahm. Heute ist Marzahn einer der wenigen Bezirke, in denen man überhaupt noch eine einigermaßen bezahlbare Wohnung bekommen kann. Was für manch neue Bewohner/innen von Marzahn als Notlösung begann, entwickelte sich schnell zu einer Überraschung. Marzahn ist grün. Der Weg in die „Stadt“ geht überraschend schnell. Das Miteinander wirkt selbstverständlich. Alles ist hier etwas unaufgeregter.

Das romantische Gefühl der mittelalterlichen Städte sucht man hier allerdings vergeblich. Dafür eröffnen sich immer wieder neue Sichtachsen in die Unendlichkeit. Vielleicht liegt gerade hier die Zukunft der Städte, bezahlbar, grün und vielfältig. Aber die Vorurteile bleiben. Wer es braucht, zieht in den Grunewald. Wer sich das nicht leisten kann, sollte mutig sein.


MieterEcho 452 / September 2025

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