Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 453 / Oktober 2025

Laut gegen Universa

Mieter/innen vernetzen sich gegen dubiose Hausverwaltung.

Von Philipp Möller

„Alles aus einer Hand – ein Angebot, das Sie nicht oft bei einer Hausverwaltung finden werden!“ So wirbt die Universa Hausverwaltung mbH auf ihrer Website und verweist damit auf das weit verzweigte Firmengeflecht rund um Universa, das ihren Mieter/innen das Leben schwer macht.

Eine von ihnen ist Stephanie Palm, die im Weddinger Brunnenviertel wohnt und sich im Herbst 2024 mit ihren Nachbar/innen zusammenschloss. „Anlass waren die enorm hohen Betriebskostenabrechnungen, steigende Mieten und die ausbleibende Kommunikation und Untätigkeit, wenn es um Mängel oder um Belegeinsichten ging“, berichtet sie. Zum ersten Treffen seien mehr als 50 Mieter/innen gekommen. Gemeinsam gründeten sie die Mieterinitiative „Zusammen gegen Universa“ und werden seither auch von der Berliner MieterGemeinschaft rechtlich beraten. Nach Erhalt der Betriebskostenabrechnung für 2023 hielten einige Dutzend Mieter/innen die Nachforderungen zurück und forderten Belege ein. Laut Palm wurden bisher nur einer Mieterin Belege übersandt, die bei der Prüfung der Zahlen teilweise nicht nachvollziehbar waren.

Berlinweit verwaltet Universa nach eigenen Angaben rund 6.500 Wohneinheiten in nahezu allen Berliner Bezirken. Bei den Rechtsberater/innen der MieterGemeinschaft ist die Hausverwaltung keine Unbekannte. Mietrechtsanwältin Franziska Dams berichtet von „auffällig hohen Betriebskosten“. Es sei unklar, ob man es bei den fehlerhaften Abrechnungen mit Unfähigkeit und Unkenntnis oder mit Kalkül zu tun habe. Häufig würden Kosten auf die Mieter/innen umgelegt, die durch den Vermieter zu leisten seien. Aufträge, etwa für Hauswarttätigkeiten oder Gartenpflege, würden durch die Universa an ein undurchsichtiges Netz an Unterfirmen vergeben. Auf Anfragen zur Belegeinsicht würde gar nicht oder nur sehr spät reagiert. In einigen Fällen klagte Dams das Recht zur Einsicht in die Belege erfolgreich ein. Vereinzelt hätte Universa sogar fristlose Kündigungen wegen vermeintlicher Zahlungsrückstände gegen Mieter/innen ausgesprochen, die sich jedoch als haltlos erwiesen, da sie aufgrund einer fehlerhaften Buchhaltung entstanden.

Spätfolgen des „Sozialen Wohnungsbaus“

Eigentümer der von Universa verwalteten Häuser sind größtenteils geschlossene, verschachtelte Immobilienfonds. Laut Recherchen der Mieterinitiative gibt es Verbindungen zwischen Geschäftsführern der Fonds und Objektgesellschaften mit der Universa und kooperierenden Firmen. Viele der Objekte sind ehemalige Sozialwohnungen, deren Sozialbindungen ausgelaufen sind.

Der Fall im Brunnenviertel steht dabei stellvertretend für die ganze Misere des alten sozialen Wohnungsbaus in West-Berlin. Fondsanleger verdienten sich mit Steuersparmodellen und den immensen Fördersummen eine goldene Nase. Nutznießer waren Personen wie der Immobilienmogul Karsten Klingbeil, dessen Klingbeil Stadtsanierung GmbH in den 1970er Jahren im Rahmen der Kahlschlagsanierung Altbauten aus dem Besitz der landeseigenen Degewo erwarb und abreißen ließ. Im Anschluss errichtete er dort öffentlich geförderte Neubauten mithilfe eigens gegründeter Abschreibungsgesellschaften, die das Geld von reichen Westdeutschen verwalteten und ihnen erhebliche Steuervorteile verschafften. Mitte der 2000er Jahre wurde die Klingbeil Stadtsanierung GmbH vom heutigen Geschäftsführer der Universa gekauft. Seit dem Auslaufen der Sozialbindungen Anfang der 2010er Jahre hagelt es Mieterhöhungen. Bereits 2016 berichtete der „Weddingweiser“ über Missstände bei der Hausverwaltung, wie etwa über fehlende Hausmeister, hohe Parkplatzgebühren und mangelhafte Instandhaltung.

Die Initiative will die Probleme mit Universa nicht länger hinnehmen und sich berlinweit mit Betroffenen vernetzen. Als ersten Schritt organisierte sie gemeinsam mit der Linkspartei, der Berliner MieterGemeinschaft und dem Berliner Mieterverein im September eine Kundgebung vor dem Universa-Sitz in der Schöneberger Kleiststraße, um Herausgabe der Belege und Korrektur der Betriebskostenabrechnungen zu verlangen. Doch von Einlenken ist bisher keine Spur, stattdessen verschickte die Hausverwaltung kurz vor der Kundgebung neue Mieterhöhungen. Es dürfte also ein langer Kampf werden.

 

Kontakt: nasevoll-universa@protonmail.com


MieterEcho 453 / Oktober 2025

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