Kurz notiert
Neue Studie zum Wohnungsmangel / Brandbrief an „Deutsche Wohnen“ / Mietendemonstration vor der Wahl im September / Auftakttreffen der Bezirksgruppe Marzahn
Neue Studie zum Wohnungsmangel
Rainer Balcerowiak
Eine Mitte Januar vom „Verbändebündnis Soziales Wohnen“ veröffentlichte umfangreiche Studie des Pestel-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland aktuell insgesamt 1,4 Millionen Wohnungen fehlen, vor allem im unteren und mittleren Preissegment. Zentraler Faktor sei dabei die manifeste Wohnungslosigkeit, die eben nicht nur die „sichtbaren“ Obdachlosen umfasst, sondern auch jene rund eine Million Menschen, die ohne reguläres Mietverhältnis behördlich oder informell untergebracht sind, darunter rund 150.000 Kinder und Jugendliche. Weitere Faktoren für den tatsächlichen Wohnungsmangel sind Überbelegung und Armutsgefährdung durch einen extrem hohen Anteil der Mietkosten am verfügbaren Einkommen. Besonders davon betroffen – und das mit steigender Tendenz – sind ältere Menschen mit niedrigen Renten und junge Erwachsene in der Ausbildung.
In Berlin ist die Situation besonders prekär. Um den Bedarf an mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen bis 2035 einigermaßen zu decken, müssten pro Jahr 12.800 neue Wohnungen in diesem Segment entstehen. Auch weil bis 2035 bis zu 50.000 Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. 2025 entstanden in der Hauptstadt aber lediglich 5.135 neue gebundene Wohnungen, und für die kommenden Jahre sieht es nicht besser aus.
Die Studie „Sozialer Wohn-Monitor 2026“ im Internet: www.bauen-und-wohnen-in-deutschland.de
Brandbrief an „Deutsche Wohnen“
Rainer Balcerowiak
Die Mieterinitiative Mariendorf-Ost (MiMo) hat einen Brandbrief an die „Deutsche Wohnen” übergeben. Die Initiative, die rund 300 Haushalte in der Britzer Straße vertritt, macht damit öffentlich, was viele Bewohner/innen seit Jahren belastet: gravierende, teils gesundheitsgefährdende Mängel in Wohnungen, Kellern, Treppenhäusern und Außenanlagen – bei gleichzeitigen Mieterhöhungen durch die Deutsche Wohnen.
„Seit Jahren habe ich Schimmel in der Wohnung und im Winter fällt die Heizung aus. Ich habe mich immer wieder bei der Deutschen Wohnen gemeldet – ohne jede Reaktion“, so Anna Lehmann, Mieterin in der Britzer Straße.
Zu den häufigsten Problemen gehören Ausfälle von Heizung und Warmwasser, teilweise über Wochen und Monate hinweg. Ferner Feuchtigkeit, Schimmel sowie undichte Dächer, Fenster und Türen bis hin zu Überschwemmungen im Keller und in den Tiefgaragen. Dazu kommen strukturelle Schäden, wie Risse an Wänden und Fassaden.
Obwohl die Probleme seit Jahren bekannt sind, bleiben Reaktionen der Hausverwaltung selten oder unzureichend. Die Mieter/ innen fordern daher u. a die unverzügliche und fachgerechte Beseitigung aller Mängel und erreichbare Ansprechpersonen vor Ort und wollen sich gegen jegliche Umlage der Sanierungskosten auf die Mietparteien wehren. „Die Deutsche Wohnen muss endlich handeln und unsere Wohnungen instandhalten, statt die Miete zu erhöhen“, so Klara Siebert, Sprecherin der MiMo.
Kontakt: info@
mimo-initiative.de
Mietendemonstration vor der Wahl im September
Andreas Hüttner
Eines der großen Themen in diesem Wahljahr, wenn nicht das größte, wird die anhaltende Wohnungsnot sein. Alle Parteien werden dabei mit ihren Konzepten um Wählerstimmen konkurrieren. Allerdings konnte oder wollte keine der bisherigen Landesregierungen der sich seit zwei Jahrzehnten zuspitzenden Wohnungskrise etwas Nachhaltiges entgegensetzen. Mieterorganisationen und -initiativen konnten individuelle und partikulare Erfolge erzielen, eine grundsätzliche Änderung der Wohnungspolitik ist ihnen bisher nicht gelungen.
Weiterer politischer Druck ist also dringend notwendig. Das „Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ ruft deshalb zu einer mietenpolitischen Großdemonstration am 5. September 2026, zwei Wochen vor dem Wahltag, auf. Das Motto der Demonstration lautet „Runter mit der Miete! Her mit den Wohnungen!“ Ein Bündnissprecher erklärt: „Damit wollen wir alle Mieter/innen ansprechen, die unter den hohen Mieten leiden, Angst vor der nächsten Mieterhöhung haben oder eine bezahlbare Wohnung suchen. Bringt eure Familie, Nachbarin, Freunde und Kolleg/innen mit!“
Das Bündnis wurde 2018 gegründet, und hat seitdem mehrere Demonstrationen mit teilweise zehntausenden Teilnehmer/innen durchgeführt. Es nimmt auch an der stadtpolitischen Konferenz der Berliner MieterGemeinschaft im April teil. Die BMG unterstützt die Demonstration und lädt ihre Mitglieder zur gemeinsamen Teilnahme ein.
Auftakttreffen der Bezirksgruppe Marzahn
Die Marzahner Delegierten der Berliner MieterGemeinschaft laden für Montag, den 16. Februar 2026, um 19 Uhr zu einem Auftakttreffen zur Gründung einer Bezirksgruppe ein. Das Treffen findet in den Räumen der „Lebensnähe gGmbH“ in Alt-Marzahn 30a, 12685 Berlin-Marzahn, statt. Ziel des Treffens ist es, mietenpolitische Handlungsfelder zu identifizieren und Aktionen zu besprechen. Darüber hinaus soll für 2026 wieder eine große, öffentlichkeitswirksame Veranstaltung geplant werden.
Bereits 2025 haben die Marzahner Delegierten in Zusammenarbeit mit dem MieterEcho eine gut besuchte Veranstaltung unter dem Titel „Marzahn – Von der Utopie zur Wirklichkeit“ mit hochkarätigen Podiumsgästen durchgeführt. An der Veranstaltung nahmen, neben den Marzahner Delegierten Gisela Höbbel und Julia Scharf, der „Architekt Marzahns“ Wolf R. Eisentraut, die Bundestagsabgeordnete Katalin Gennburg (Linke) und die Architekturhistorikerin Simone Hain teil.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe MieterEcho im Kiez statt und begleitete die Septemberausgabe mit dem Titelthema Marzahn, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit den Delegierten erstellt wurde. Ein Video der Veranstaltung und das MieterEcho zu Marzahn sind unter folgenden Links zu finden: kurzlinks.de/marzahn2025 | kurzlinks.de/marzahn
Tagesordnung des Auftakttreffens:
1. Begrüßung, Vorstellungsrunde
2. Festlegungen zum Protokoll
3. Informationen zur BMG e.V.
4. Vorhaben, Themen, Pläne
5. Festlegungen zum Rhythmus der Treffen
6. Berichte, Termine, Sonstiges
Termin und Ort des Auftakttreffens:
Montag, 16. Februar 2026, 19 Uhr
Lebensnähe gGmbH
Alt-Marzahn 30a
12685 Berlin-Marzahn
MieterEcho 454 / Dezember 2025


