Kiez im Ausverkauf
Private Ferienunterkünfte und Hotels überrollen eine Friedrichshainer Nachbarschaft.
Von Felix Schlosser
Der Friedrichshainer Laskerkiez steht sinnbildlich für eine besorgniserregende Entwicklung, der sich viele Berliner Stadtteile bereits seit Jahrzehnten ausgesetzt sehen. Schon in vergangenen Ausgaben des MieterEchos wurde darüber berichtet, dass Nachbar/innen und Initiativen sich gegen den Bau von Luxusbüros oder möblierten Studierendenapartments wehren. Doch der Bauwahn nimmt kein Ende. Neben weiteren Büros erfreuen sich mittlerweile Hotelprojekte einer wachsenden Beliebtheit unter den Bauherren, oft auch als Kombination. Auch die Vermietung hotelähnlicher privater Ferienunterkünfte boomt.
Als Beispiel ist hier das „Global Living“ am Markgrafendamm 4 zu nennen. Zwei Nächte in einem 28-qm-Zimmer kosten etwa im Oktober 356 Euro. Auf „booking.com“ ist das Hotel oft über Wochen ausgebucht. Nur ein paar hundert Meter entfernt sind die „Fee Apartments“ in der Corinthstraße 28. Ein Zimmer mit zwei Betten kostet dort für zwei Nächte an einem Oktoberwochenende 384,24 Euro.
Eine Ecke weiter in der Corinthstraße 47 hat vor zwei Jahren ein altes Reisebüro geschlossen. Im Anschluss wurden die Gewerberäumlichkeiten durch eine Privatperson gemietet, die dort nun völlig legal Tourist/innen in möblierten Apartments unterbringt. Die ganze Wohnung besteht aus drei Schlafzimmern, die insgesamt laut Airbnb-Anzeige bis zu acht Gäste beherbergen können. Fällig werden dafür 300 Euro pro Nacht. Der Name auf dem Klingelschild: „Kiezbett“.
In der angrenzenden Bödiker Straße 3 wird seit Jahren schon eine einzelne Wohnung kommerziell an touristische Gruppen über das Portal Airbnb vermietet. Der Preis für die Unterkunft: 964 Euro für 4 Nächte. Die Wohnung wird online mit 3 Schlafzimmern und 3 Betten inseriert, sodass sie für bis zu 9 Personen geeignet sei.
Noch dreister: An der Stralauer Allee 17A sind Ferienunterkünfte auf verschiedenen Booking-Plattformen inseriert. Name: Helios Berlin Apartments. Hier kann man, sofern man die Wohnung über eine Drittanbieter-Seite bucht, für eine Nacht in einem 39-qm-Zimmer saftige 371 US-Dollar bezahlen. Bucht man direkt über die Helios Apartments-Seite, variieren die Preise zwischen 159 und 309 Euro pro Nacht.
Alles ganz legal
Nahezu alle paar Monate erfahren die Bewohner/innen des Rudolf- und des Laskerkiezes von weiteren geplanten „Aufwertungen“ ihrer Nachbarschaft. An der Stralauer Allee 44/47 steht das Projekt „Forty4“ schon in den Startlöchern. Wieder soll es ein Mix aus Hotel und Büro werden, mit vier Gebäuden und insgesamt 344 Zimmern. Von „Big Ideas and Bigger Business“ ist auf der Webseite die Rede.
Auf Anfrage des MieterEchos teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit, dass es im PLZ-Bereich 10245 (in denen u. a. der Lasker- und der Rudolfkiez liegen) nur zwei Anzeigen einer Ferienwohnungsvermietung in Gewerberäumen gibt. Aber: „Eine Anzeige von Kurzzeitvermietungen in Gewerberäumen ist jedoch nicht erforderlich, sofern im Inserat Daten zum Anbieter und der Lage der Räumlichkeiten angegeben werden.“ Kein Wunder also, dass der Wert so niedrig liegt.
Die Recherche zeigt: Der Kiez ist bereits vollgestopft mit Ferienapartments. Ein lukratives Geschäft, und das soll weitergehen. Das Unternehmen Trockland möchte am Markgrafendamm 23 das Projekt „Lynx“ realisieren. Es wird auf der entsprechenden Webseite als „Zwillingsobjekt“ beworben, das sowohl Büroflächen als auch Übernachtungsmöglichkeiten enthalten soll.
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte das Projekt ursprünglich Ende letzten Jahres mit der Begründung „Touristifizierung“ abgelehnt. Die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bewertete die Sache aber im Juni diesen Jahres anders und winkte das Projekt gegen den Willen des Bezirks durch. Dagegen hat sich das Bündnis „Berlin gegen Gentrifizierung“ gegründet. Dazu gehören u. a. die Initiative „Wem gehört der Laskerkiez“, die Kulturbar „Neue Zukunft Stralau“, der Club „about:blank“, und der „Wagenplatz FIPS“. Am 14. August protestierte das Bündnis direkt vor der Geschäftsstelle der Berliner SPD. Für den 11. Oktober ist eine Demonstration geplant, die um 15 Uhr am S-Bahnhof Warschauer Straße beginnen soll.
Demonstration „Weder Büros, noch Hotels oder Kommerz-Tower. Der Kiez hat genug“ – Bündnis Berlin gegen Gentrifizierung
Samstag, 11.10.2025, 15 Uhr S-Bahnhof Warschauer Straße, 10245 Berlin
laskerkiez.noblogs.org
MieterEcho 452 / September 2025


