Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 455 / Februar 2026

Empörung im Rollbergviertel

Mieter/innen wehren sich gegen das Geschäftsgebaren der landeseigenen „Stadt und Land“.

Von Tom Küstner

Knapp vierzig Bewohner/innen der Rollbergsiedlung versammelten sich Anfang Dezember im Neuköllner „Kiezanker“. Zuvor hatten Aktive mit Haustürbesuchen in der ganzen Siedlung dazu eingeladen, sich zu treffen, um sich über deutlich höhere Heizungs- und Nebenkostenabrechnungen auszutauschen. Davon fühlten sich offenbar viele angesprochen.

Die Rollbergsiedlung befindet sich im Norden Neuköllns zwischen Hermannstraße und Karl-Marx-Straße. Prägend sind fünf große, im Block angeordnete Ringbauten mit begrünten Innenhöfen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“ ist hier mit großem Abstand die größte Vermieterin.

Bereits im Herbst gab es Proteste in der Siedlung. Bei einer Kundgebung am 9. Oktober hatten sich zirka 60 Nachbar/innen versammelt und vor einem Büro der Stadt und Land 800 Unterschriften mit einem Forderungskatalog übergeben. Darin fordern sie eine bessere Erreichbarkeit des Kundenservices, verlässlichere Kommunikation sowie schnellere Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen.   

Bei vielen Anwohner/innen zeigt sich im Gespräch eine Mischung aus Wehmut und Empörung. Mehrere Mieter/innen sagen, dass der Service der Stadt und Land früher viel besser gewesen sei, und sie hier sehr gerne gelebt hätten. In einem Büro direkt in der Siedlung gab es Sprechstunden, bei denen man Anliegen vortragen konnte. Das habe sich mit der Corona-Pandemie jedoch geändert. Das Service-Büro wurde geschlossen und auch nach der Pandemie nicht wieder eröffnet.

Nun soll man alles schriftlich schicken oder eine zentrale Hotline kontaktieren, was für viele eine zusätzliche Barriere bedeutet. Und bei der Hotline würden sich die Mitarbeiter/innen mit den Gegebenheiten vor Ort oftmals gar nicht auskennen. Angezeigte Mängel werden nicht weiterbearbeitet und Beschwerden versanden in einem nicht zu durchschauenden Labyrinth.

Enorme Nachzahlungen, keine Reparaturen

Die Mängelliste ist lang. Schimmel in der Wohnung, Wassereinbruch durch die Wände, undichte Fenster, kaputte Aufzüge, defekte Türklingeln, dreckige Treppenhäuser, Befall mit Ungeziefer u. a. m. Eindeutig unhaltbare und teilweise gesundheitsgefährdende Zustände. Eine Mieterin berichtet, dass sie zwei Monate kein Warmwasser in der Wohnung hatte. Und für Bewohner/innen mit körperlichen Einschränkungen bedeuteten die Fahrstuhlausfälle, dass sie ihre Wohnungen gar nicht mehr verlassen können. Dass solch eklatante Missstände ausgerechnet bei kommunalen Vermietern vorkommen, löst bei den Anwohner/innen Ärger und Frustration aus. Ein Mieter sagt dazu: „Eine Wohnungsbaugesellschaft der Stadt sollte sich nicht die schlechten Geschäftspraktiken von privaten Heuschrecken zum Vorbild nehmen.“

Die Reaktionen der Stadt und Land konnten die Wut der Mieter/innen bisher wenig besänftigen. In einer Pressemitteilung beteuert das Wohnungsbauunternehmen, die Kritik ernst zu nehmen, und verspricht Verbesserungen. Für einen Mieter sind das jedoch nur Wortblasen: „Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse. Wir brauchen wieder feste Ansprechpartner vor Ort und wollen, dass die Reparaturen schnell gemacht werden.“

Bei der Versammlung im Dezember ging es vor allem um die geforderten Nachzahlungen von bis zu 3.500 Euro. In kleinen Gruppen wurde nach Gemeinsamkeiten und Fehlern bei den Abrechnungen gesucht und die Forderung nach Belegeinsicht formuliert.

Im Januar 2026 trafen sich die Mieter/innen erneut, um die nächsten Schritte zu besprechen. Da war einigen Haushalten bereits die nächste Hiobsbotschaft in den Briefkasten geflattert. Sie wurden darüber informiert, dass es durch Lüftungsschächte mit brüchigen Platten zum Austritt von Asbest-Partikeln kommen kann und ggf. umfangreichere Sanierungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Das sorgt für Entsetzen und Wut. Niemand will glauben, dass dies bei über 50 Jahre alten Gebäuden erst jetzt aufgefallen sein soll. Die Stadt und Land muss sich jedenfalls darauf einstellen, dass sie diesen Protest nicht einfach aussitzen oder mit freundlichen Worten einhegen kann. Die Mieter/innen wollen endlich auch Taten sehen.


MieterEcho 455 / Februar 2026

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