Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 452 / September 2025

Das Ende alter Mythen

Neue Einblicke in die Geschichte des Bauhaus gewährt der Sammelband „… ein Restchen alter Ideale“.

Von Hermann Werle

Von den einen gerühmt, von anderen verschmäht: Das Bauhaus lebt und mit ihm die alten Mythen. Vorneweg kündigte die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, vor fünf Jahren an, ein Neues Europäisches Bauhaus initiieren zu wollen. Dieses solle Antworten geben, „wie modernes Leben der Europäerinnen und Europäer im Einklang mit der Natur aussehen kann“. Große Worte, denen erfahrungsgemäß – außer hochdotierten Beraterverträgen – nicht viel folgt.

Mit weniger großen Worten knüpft von anderer Seite die AfD in Sachsen-Anhalt an den Kulturkampf der völkisch-nationalen Kräfte der Weimarer Republik an und spricht von einem „Irrweg der Moderne“. Sowohl die Kommissionspräsidentin als auch die AfD reproduzieren Mythen, die spätestens nach diversen Forschungsarbeiten der 90er Jahre als überwunden galten.

Anknüpfend an Veröffentlichungen wie den von Winfried Nerdinger 1993 herausgegebenen Band „Bauhaus-Moderne im Nationalsozialismus – Zwischen Anbiederung und Verfolgung“
veranstaltete die Klassik Stiftung Weimar 2023 eine Tagung in Vorbereitung zur Ausstellung „Bauhaus und Nationalsozialismus“, die 2024 in Weimar präsentiert wurde. Neben dem Ausstellungskatalog erschien nun von dessen Herausgeber/innenkreis – Anke Blümm, Elizabeth Otto und Patrick Rössler – ein 16 Artikel umfassender Sammelband. Das erste Kapitel „Die Institution Bauhaus und ihre rechtsnationalen Gegner“ führt uns in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und zeigt auf, dass dem Bauhaus von Beginn an ein völkisch-nationaler Wind entgegenblies. Ein Bürgertum, „verunsichert durch die kulturelle Moderne“, wie Justus Ulbricht schreibt, ebnete dem Nationalsozialismus „als dem selbsternannten Retter der deutschen Kultur“ den Weg. Das Bauhaus selbst war dabei nicht frei von politischen Widersprüchen. An der Person Hans Groß zeigt Ute Ackermann auf, dass sich auch völkisch-national denkende Studenten vom Bauhaus angezogen fühlten. Im Falle Hans Groß zog dies den Rausschmiss nach sich, er trat 1930 in die NSDAP ein und machte Karriere.

 

„… ein Restchen alter Ideale“ Bauhäuslerinnen und Bauhäusler im Nationalsozialismus. Hg.: Anke Blümm / Elisabeth Otto / Patrick Rössler. Wallstein Verlag, Göttingen 2025; 36,00 € 


MieterEcho 452 / September 2025

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