Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 400 / Februar 2019

Den Aktionären verpflichtet

Immobilien-Aktiengesellschaften setzen auf Wachstum und Rendite, alles andere würden die Finanzmärkte bestrafen

Vom Ausschuss Immobilien-Aktiengesellschaften

Die Probleme sind offenkundig: Steigende Mieten, die immer größere Anteile des Einkommens aufzehren, hoher Verdrängungsdruck, insbesondere für Menschen mit geringen Einkünften, sowie ein eklatanter Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Vor diesem Hintergrund sorgen insbesondere Immobilien-Aktiengesellschaften wie die Deutsche Wohnen (DW), Vonovia oder ADO Properties regelmäßig für Schlagzeilen. Dabei sind die Immo-AGs recht neue Akteure auf den Wohnungsmärkten und das Ergebnis der Privatisierungsorgien der letzten zwanzig Jahre.                            

Der neoliberalen Logik folgend wurden mit dem Verkauf großer Wohnungsbestände wohnungspolitische Steuerungsinstrumente aus der öffentlichen Hand gegeben und die Voraussetzungen für die Entstehung gänzlich neuer Akteure auf dem Wohnungsmarkt geschaffen. Zunächst war es die Private-Equity-Branche, die Anfang der 2000er Jahre  begann, Wohnungsgesellschaften aufzukaufen, diese ihrer sozialen Bestimmung zu entledigen und höchst professionell auf Rendite zu trimmen. Mit Börsengängen verabschiedeten sich die Private-Equity-Fonds nach wenigen Jahren und gebaren die Immobilien-Aktiengesellschaften.
Beide Eigentümertypen beschreiben eine grundlegende Veränderung der Immobilienwirtschaft in Deutschland, welche sich durch ihr Expansionsstreben sowie ihre Internationalisierung und Kapitalmarktorientierung auszeichnet. Die Privatisierung von Wohnungsgesellschaften, aber auch von Krankenhäusern, Wasser-, Strom- und Gasversorgern, waren zu einem Teil der „globalen Enteignungsökonomie“ geworden, die zu Beginn der 2000er Jahre von Christian Zeller, François Chesnais und anderen Autoren als „finanzdominiertes Akkumulationsregime“ beschrieben wurde. Ausgehend von der neoliberalen Politik in den USA und Großbritannien unter Ronald Reagan und Margaret Thatcher in den 1980er Jahren wuchs die Macht der Vermögensbesitzer und Finanzmarktakteure zu Lasten des Industriekapitals sowie des öffentlichen Sektors, was sich heute unter anderem an der Etablierung von sieben Immo-AGs in den deutschen Börsenindizes ablesen lässt.
                           

Wohnungsmangel lässt die Kassen klingeln       

Dass es die börsennotierten Immobilienkonzerne sind, die sich in einigen Großstädten bei Mieter/innen so unbeliebt machen, ist kein Zufall. Sie sind mächtige Akteure geworden und verfügen allein in Berlin über mehr als 200.000 Wohnungen. Was sie auszeichnet, ist ihr unmittelbarer Zugang zu den internationalen Finanzmärkten und damit die Möglichkeit, in kurzen Zeitabständen große Mengen Kapital für die Erweiterung ihrer Bestände sowie umfangreiche Modernisierungsprogramme zu mobilisieren. Liberalisierte Finanzmärkte sind die Liquiditätsquelle der Immobilienkonzerne und gehören zum Geschäftsmodell.
Den Verwertungsinteressen der Wohnungskonzerne kam und kommt entgegen, dass der Bau von preisgünstigen Wohnungen über Jahre ausgeblieben ist, was auf der anderen Seite das Leid der Wohnungssuchenden und Bestandsmieter/innen darstellt. Denn ohne auch nur einen tropfenden Wasserhahn ausgetauscht zu haben, lassen sich auf den angespannten Wohnungsmärkten selbst die gammeligsten Hinterhofwohnungen vermieten. Die Branche freut sich über sinkende Leerstände bei immer skrupelloseren Neuvermietungsmieten, was sie auch in den Geschäftsberichten zum Ausdruck bringt.
An den steigenden Mieten erfreuen sich die Aktienhalter, zu denen global agierende Investmentfirmen wie BlackRock gehören. Mit der Internationalisierung der Wohnungsmärkte sind die rasant steigenden Mieteinnahmen Teil der globalen Enteignungs- und Umverteilungsmaschinerie geworden.     


MieterEcho 400 / Februar 2019

Schlüsselbegriffe: PrivateEquity-Branche, Wohnungsmangel,Neoliberal

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