Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 377 / Oktober 2015

Vom Entmietungsservice zum Luxusmakler

Das Berliner Maklerunternehmen Ziegert verlagert seinen Schwerpunkt

Von Jutta Blume    

 

„Vom kleinen Blumenhändler zum Immobilien-Millionär“ betitelt Ulrich Paul ein Interview mit Nikolaus Ziegert in der Berliner Zeitung vom 7. April 2015. Die Firma Ziegert war unter Berliner Mieter/innen vor allem bekannt als Entmietungsspezialist. Im Interview mit Paul erklärte Ziegert nun, die Entmietungsaktivitäten komplett eingestellt zu haben. „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass man das in Berlin nicht mehr machen kann. Denn es gibt zu wenig Angebote, um in andere Wohnungen auszuweichen. “   

 

Dass „man“ das nicht mehr machen kann, heißt nicht, dass die von Ziegert vermarkteten Eigentumswohnungen nicht entmietet werden. In zwei Häusern, in denen Ziegert für die Gekko Real Estate GmbH momentan die Vermarktung von Eigentumswohnungen übernimmt, wurde die Firma AMB Agentur für Mieter und Bauherren GmbH mit der „Kommunikation“ mit den Mieter/innen beauftragt. Die Firma AMB verfolgt, wie Erfahrungsberichten von Mieter/innen zu entnehmen ist, das gleiche Schema wie zuvor die Firma Ziegert. Mieter/innen werden möglichst zu Einzelgesprächen eingeladen, einige berichten von Zeitdruck, andere davon, dass die Mitarbeiter/innen sie auf der Arbeit anriefen oder im Treppenhaus auf sie warteten. Und nicht nur die Methoden sind ähnlich, auch personell gibt es Überschneidungen. Die Geschäftsführerin und eine weitere Mitarbeiterin der im Juni 2013 gegründeten Gesellschaft AMB versuchten zuvor in anderen Häusern, Mieter/innen zum Auszug zu bewegen – seinerzeit als Angestellte von Ziegert.                                        

 

Makler von Neubauwohnungen            

Doch es ist möglich, dass Nikolaus Ziegert auch bei der Umwandlung von Wohnungen – selbst mit ausgelagertem Entmietungsmanagement – Grenzen erreicht sieht, die durch die Enge auf dem Berliner Wohnungsmarkt bedingt sind. So tut sich Ziegert in den letzten Jahren immer mehr als Makler von Neubauwohnungen hervor, gern auch im gehobenen Sektor. Die Firma war und ist unter anderem mit dem Vertrieb des Neubaus „Lux“ am Neustädtischen Kirchplatz in Mitte, „Joli Coeur“ – Eigentumswohnungen auf dem Areal einer ehemaligen Charlottenburger Geburtsklinik – sowie den Neubauwohnungen des Projekts „Sapphire“ des Stararchitekten Daniel Libeskind betraut. Bei den 119 Wohnungen auf dem Areal der Kindl-Brauerei, die Ziegert vermakelt, gibt sich der Geschäftsführer mittelschichts- und familienfreundlich. Quadratmeterpreise zwischen 2.870 und 3.970 Euro lägen an der Untergrenze des im Neubau realisierbaren, so Ziegert gegenüber der Berliner Woche. 10% der Wohnungen sollen außerdem um 10% günstiger an Familien vergeben werden.                 

Ziegert propagiert in letzter Zeit in Interviews die Eigentumswohnung als günstigere Alternative zur Mietwohnung und sucht politische Unterstützung für einen derartigen Paradigmenwechsel in Berlin. Anfang Juli berichtete der Tagesspiegel über eine „Stiftung für erschwingliches und bedarfsgerechtes Wohneigentum“, die Nikolaus Ziegert gründen wolle. Die Stiftung soll dem Bericht zufolge mit einem Startkapital von einer Million Euro ausgestattet werden und zusammen mit privaten Projektentwicklern und kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Konzepte für günstiges Bauen entwickeln. Von einer finanziellen Belastung der Käufer von nicht mehr als 6,50 Euro/qm ist die Rede. Damit würde sich Ziegert auf dem Niveau bewegen, wie es in Berlin derzeit als „bezahlbare“ Miete gehandelt wird. Mit dem Unterschied, dass die „erschwinglichen“ Eigentumswohnungen all diejenigen ausschließen, die kein Eigenkapital auf den Tisch legen können. Aber das dürfte Nikolaus Ziegert egal sein.

 

Das Berliner Maklerunternehmen Ziegert verzeichnet seit Jahren steigende Umsätze. Im ersten Halbjahr 2015 verkaufte es 468 Wohnungen für insgesamt 154 Millionen Euro. Und auch im Bereich Kapitalvermittlung zeigt sich das Unternehmen erfolgreich. Die Ziegert Capital AG vermittelte 2014 über 5 Millionen Euro an Fremdkapital für Immobilienprojekte.


MieterEcho 377 / Oktober 2015

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