Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 378 / Dezember 2015

Mit Sicherheit gut im Geschäft

Senat und Behörden sind mit der Lage am Lageso völlig überfordert, Wachschutzunternehmen profitieren

Von Benedict Ugarte Chacón        

 

Als Ende Oktober mehrere Videos im Internet auftauchten, die zeigen, wie vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) Wachleute auf wartende Flüchtlinge einprügelten, gab man sich an offizieller Stelle entsetzt. Lageso-Präsident Franz Allert verurteilte das harte Vorgehen der Sicherheitsleute in den Medien und kündigte an, dass besagte Mitarbeiter nicht mehr vor dem Lageso zum Einsatz kämen. Bis kurz vor dem Auftauchen der Videos wollte der Senat allerdings nichts von Problemen mit dem Sicherheitspersonal mitbekommen haben. Bei den in den Videos gezeigten Wachleuten soll es sich um Personal des Unternehmens Spysec handeln. Dieses ist ein Subunternehmen der Firma Gegenbauer.                                                    

 

Mindestens ein Mitarbeiter der Spysec wurde nach Angaben des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenfraktion bereits vor den Vorfällen im Oktober „wegen eines nicht adäquaten persönlichen Verhaltens bei der Dienstausübung (unbeherrschtes Auftreten)“ vom Einsatz ausgeschlossen. Allerdings, so heißt es in der Antwort vom 8. Oktober, lagen bei der zuständigen Stelle im Lageso bis zu diesem Zeitpunkt keine Beschwerden über einzelne Mitarbeiter/innen der Spysec vor. Verantwortlich für die Objektsicherheit am Lageso ist nach Angaben des Senats zum einen die Gegenbauer Sicherheitsdienste GmbH, zum anderen die Firma Spysec, die wiederum von der Gegenbauer Facility Management GmbH beauftragt worden sei. Gefragt nach den Gründen, warum ausgerechnet die Spysec den Auftrag vor dem Lageso erhielt, antwortete der Senat auf eine weitere parlamentarische Anfrage, dass die Gegenbauer Facility Management GmbH nicht nur den Objektschutz teilweise auf die Spysec ausgelagert habe, sondern darüber hinaus auch – „in Abstimmung“ mit dem Lageso – die „Kundensteuerung“. Dies wiederum geschah laut Senat vor dem Hintergrund, dass für die Arbeit am Lageso nicht nur „vielfältige Sprachkenntnisse“ unerlässlich seien, sondern auch „Einblicke in die kulturellen Hintergründe des Publikums“. Diese Anforderungen könne die Spysec, bei der es sich um einen „jahrelangen Nachunternehmer“ handle, mit dem eingesetzten Personal erfüllen. Für wen außer der Gegenbauer-Gruppe die Spysec ansonsten arbeitet, möchte die Firma nicht bekannt geben. Man habe sich verpflichtet, „die Interessen und Privatsphäre unserer Auftraggeber zu schützen“, heißt es auf ihrer Website. Deswegen spreche man nicht über Projekte.        

 

Gut vernetzt                        

Die Gegenbauer Sicherheitsdienste GmbH und die Gegenbauer Facility Management GmbH konnten seit dem Jahr 2009 immerhin 289 Aufträge von landeseigenen Unternehmen verzeichnen. Zu den Auftraggebern zählten unter anderem die Berliner Bäderbetriebe, die Berliner Wasserbetriebe, das Immobilienunternehmen Berlinovo, die Flughafengesellschaft, die Investitionsbank Berlin sowie die Wohnungsbaugesellschaften Stadt und Land, Gesobau, Gewobag und WBM. Auch die Olympiastadion Berlin GmbH findet sich unter den Auftraggebern. Letztere wiederum ist Betreiberin des Olympiastadions, dem Heimstadion von Hertha BSC, dessen Präsident wiederum Werner Gegenbauer ist. Dieser scheint in der Berliner Politik seit Langem gut vernetzt zu sein. So wirkte zum Beispiel Klaus-Hermann Wienhold, ehemaliger Landesgeschäftsführer der Berliner CDU und ehemaliges Mitglied des Abgeordnetenhauses, zeitweise auch als Geschäftsführer in einem Unternehmen der Gegenbauer-Gruppe. Eine „Parteispende“ von Wienhold und seinem Geschäftspartner Christian Neuling an den damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus-Rüdiger Landowsky waren ein Auslöser für den Berliner Bankenskandal. Gegenbauer war zudem Mitglied im Aufsichtsrat von Wienholds Immobilienfirma Aubis, deren risikobehaftete Immobilien eine Rolle im Bankenskandal spielten. Auch Mario Czaja (CDU) war nach eigenen Angaben von 2002 bis 2011 bei der Unternehmensgruppe Gegenbauer in leitender Funktion tätig. Als Senator für Gesundheit und Soziales untersteht ihm heute das Lageso.   


MieterEcho 378 / Dezember 2015

Schlüsselbegriffe: Lageso, Wachschutzunternehmen, Spysec, Gegenbauer Sicherheitsdienste GmbH, Subunternehmen, Nachunternehmer, Berliner Bankenskandal, Investitionsbank Berlin

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