Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 371 / Dezember 2014

Akelius weiter auf Einkaufstour

Das schwedische Unternehmen treibt nicht nur in Berlin die Gentrifizierung voran

Von Jutta Blume                                        

Seit ihrem Auftauchen auf dem deutschen Markt im Jahr 2006 ist die Akelius GmbH auf Expansionskurs. Lag der Schwerpunkt am Anfang auf Immobilien in Berlin, hat das Unternehmen längst auch in anderen Großstädten Bestände aufgekauft. Akelius setzt dabei auf besonders hohe Neuvermietungspreise.                

 

Schlechte Presse hatte das Wohnungsunternehmen Akelius in letzter Zeit zur Genüge, da sich die Senior/innen am Hansa-Ufer 5 nicht vertreiben lassen wollten (MieterEcho Nr. 368/ Juli 2014). Die Hausgemeinschaft sammelte über 65.000 Unterschriften, doch Akelius zeigt wenig Entgegenkommen. Von Mieterhöhungen wird zwar zunächst abgesehen, aber in den nächsten zwei Jahren werden die Mieter/innen voraussichtlich erheblichen Belastungen durch Bauarbeiten ausgesetzt, denn das Haus soll um Anbauten und Aufstockungen erweitert werden. Das Hansa-Ufer 5 ist nur ein Beispiel für die Geschäftspraxis des schwedischen Immobilienunternehmens. In der Regel kauft Akelius Wohngebäude, führt anschließend meist recht oberflächliche Modernisierungen durch, um dann teuer zu vermieten. Deutschlandweit besitzt Akelius rund 19.500 Wohnungen und für dieses Jahr waren 300 Millionen Euro für Zukäufe im Budget. Wohnungsbestände wurden außer in Berlin in Hamburg, Kiel, Düsseldorf, Köln, Bonn, Wiesbaden, Frankfurt M., Mainz, Augsburg und München aufgebaut. Die Durchschnittsmieten bei Akelius liegen laut ihrer Website bei knapp 8 Euro/qm. Innerhalb der letzten vier Jahre sind die Mieten damit um rund 1,50 Euro/qm gestiegen.                

In Berlin kaufte Akelius nach dem Markteintritt zunächst in besseren Wohnlagen, vor allem im Westteil der Stadt. Das ist längst nicht mehr so. Der Immobilienbestand verteilt sich mittlerweile auf alle Berliner Bezirke, auch Hochhäuser in Spandau oder Lichtenberg befinden sich darunter. Im Sommer erwarb Akelius zwei Hochhäuser mit 432 Wohnungen in Lichtenberg sowie 25 Wohnhäuser mit insgesamt 741 Wohnungen in verschiedenen Innenstadtbezirken. Mitte Oktober kaufte der Konzern weitere 39 Immobilien mit insgesamt 798 Wohnungen. Der Kaufpreis von 1430 Euro/qm entspricht dem 20,4-    fachen der derzeitigen Miete.                                

 

Vergraulen von Mieter/innen         

Die Angebotsmieten von Akelius sind in allen Bezirken alles andere als erschwinglich. Am 1. Oktober hatte Akelius auf seiner Website nur eine einzige Wohnung mit einer Nettokaltmiete von knapp unter 8 Euro/qm im Angebot. In der Regel fangen die Angebote bei 9 Euro/qm an und erreichen bis zu 16 Euro/qm. Besonders teuer sind die Wohnungen in Mitte, Prenzlauer Berg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Viele Wohnungen werden unter dem Label „Akelius First Class“ angeboten, zu dem es allerdings außer ein paar Werbefotos von modernen Einbauküchen und Badezimmerarmaturen keine weiteren Informationen gibt.                

Nach Berlin, wo der Wohnungsbestand mittlerweile bei rund 11.000 Wohnungen liegt, ist der Konzern vor allem in Hamburg aktiv, denn auch dort lassen sich erhebliche Mietsteigerungen erzielen. In Hamburg besitzt Akelius rund 3.000 Wohnungen. Mitglieder vom Verein „Mieter helfen Mietern“ berichten von eklatanten Mietsteigerungen innerhalb kürzester Zeit. So lägen die Angebotsmieten bei 15 Euro/qm nettokalt, manchmal sogar darüber. Bestandsmieter/innen würden nach Möglichkeit vergrault, indem nicht ordentlich angekündigte Bauarbeiten durchgeführt und Schäden nicht behoben würden. Zudem sei Akelius schlichtweg nicht erreichbar. Von fehlenden Ansprechpartner/innen berichten auch Mieter/innen aus Berlin-Neukölln. Es gebe nur eine allgemeine Servicenummer, auf Reparaturen müsse man lange warten und Hausmeister gebe es nicht. Obendrein zeigten neu eingebaute Armaturen schon nach einem Jahr starke Verschleißerscheinungen.              

Akelius Fastigheter AB ist das größte private Wohnungsunternehmen in Schweden und wurde 1994 vom Steuerexperten Roger Akelius gegründet. Akelius betreibt außerdem eine eigene Bank und eine „Universität“ mit dem einzigen Studiengang Immobilienwirtschaft. 2004 gründete Roger Akelius die Akelius Stiftung mit Sitz in Zypern. Die Stiftung hält 85% der Anteile von Akelius Fastigheter.

MieterEcho 371 / Dezember 2014

Schlüsselbegriffe: Akelius GmbH, Akelius Fastigheter AB, Neuvermietungspreise, Gentrifizierung, Hansa-Ufer 5, Mieterhöhungen, Modernisierungen, Angebotsmieten, „Mieter helfen Mietern

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