Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 362 / September 2013

Ab in die Kiste

Privater Investor will mit Container-Wohnungen für Studierende Kasse machen

Von Christian Linde                                                

Auf einem 11.000 qm großen Grundstück in Plänterwald im Bezirk Treptow-Köpenick will ein privater Investor Wohnungen nach dem Baukasten-Prinzip aus Containern errichten. Die Zielgruppe des bundesweiten Modellprojekts sind die Studierenden, die aufgrund der Mangellage auf dem Berliner Wohnungsmarkt mittlerweile auf nahezu jede Behausung angewiesen sind.                                                     

Mit den nur  knapp 9.500 Wohnheimplätzen für die rund 160.000 Studierenden verfügt Berlin über die bundesweit zweitschlechteste Versorgungsquote. Weil der Senat die Entwicklung der vergangenen Jahre verschlafen und trotz des enormen Zuzugs auf das immer knapper werdende Wohnungsangebot insgesamt und für Studierende im Speziellen nicht reagiert hat, wittern nun private Investoren die Chance, ein weiteres Geschäftsfeld auf dem Wohnungsmarkt zu etablieren: Wohnen im Container, bisher vor allem bekannt und kritisiert im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen. Die Firma Presto 46. Vermögensverwaltung GmbH errichtet derzeit auf einem 11.000 qm großen Grundstück an der Eichbuschallee im Bezirk Treptow-Köpenick gleich ein ganzes Containerdorf.     

 

 

Bundesweites Pilotprojekt                

Geplant sind 235 Single-Apartments in einer Größe von jeweils 26 qm sowie 62 Double- und 11 Triple-Apartments. Die Container sind mit Kochnische und Duschbad ausgestattet. Aufgeteilt in Schlaf- und Wohn-/Arbeitsbereich erwartet die zukünftigen Bewohner/innen ein kleiner Flur, Küche mit Spüle und Elektroherd mit zwei Kochfeldern. „Du kannst auch schick möbliert mieten. Ausgestattet mit großem Bett, geräumigem Schrank, Tisch und Stuhl. Einfach alles, was ihr braucht, wenn ihr nur mit dem Koffer kommen wollt“, heißt es im Angebot. „Für die, die nie alleine sein wollen“, wirbt das Unternehmen, stünden im Double-Apartment ganze 52 qm zur Verfügung. Der Triple-Container hat 78 qm Wohnfläche. „Neben der stylischen Wohnungsausstattung wird den Bewohnern ein umfassender Service geboten: von einer Waschbar über High-Speed-WLAN, einer Party-Küche für größere Anlässe bis zu einem Café mit Gemeinschaftsgrill“, preist die Projektbeschreibung an. Der Name „Frankie & Johnny“ für die aus alten und neuen Frachtcontainern zusammengebauten Wohneinheiten soll den „internationalen“ Charakter des Projekts verdeutlichen. Ende September, also  pünktlich zu Beginn des Wintersemesters 2013/2014, sollen die ersten Container-Apartments bezugsfertig sein. Die Fertigstellung der Anlage mit insgesamt 400 Containern ist für Sommer 2014 geplant. Während in Amsterdam bereits mehrere Studentendörfer aus Containern existieren, ist Berlin das erste Bundesland, in dem ein Bauvorhaben dieser Art und in diesem Umfang auf den Weg gebracht wird.  

 

 

Preise oberhalb des Mietspiegels            

Die Nettokaltmiete der Wohncontainer soll bei rund 9 Euro/qm liegen. Die Basisversion inklusive Wasser, Heizung, Strom und Internetzugang wird 349 Euro kosten, die möblierte Variante 389 Euro. Allerdings dürfte das zukünftige Wohnangebot einen nicht unerheblichen Teil der Student/innen vor erhebliche finanzielle Probleme stellen. Die BAföG-Wohnraumpauschale liegt aktuell bei 224 Euro im Monat.                 

Obwohl mit den Containern Wohnungen im Substandard errichtet werden, sind kritische Stimmen kaum wahrzunehmen. So entfachte 2010 die Absicht der Berliner Bäderbetriebe auf dem Gelände des Sommerbads an der Kreuzberger Prinzenstraße in den Wintermonaten ein mobiles Wohnquartier in Gestalt eines Container-Dorfs zu errichten, nicht eine Diskussion über das Ob, sondern lediglich über das Wo. Dennoch drängt sich die Frage auf, ob zukünftig nicht noch mehr Wohnraum in Containersiedlungen entstehen wird, um auch weitere Zielgruppen wie Langzeitarbeitslose mit minderwertigem Billigwohnraum zu versorgen. Die entsprechenden Sprachregelungen für ein solches Vorhaben hat der Bundesgesetzgeber miat den Hartz-IV-Regelungen bereits geschaffen. Demnach wird Transferleistungsbeziehenden seit 2005 bekanntlich keine Wohnung mehr finanziert, sondern lediglich eine „Unterkunft“.

 

Weitere Informationen:

Über die immer größer werdenden Container-Siedlungen in Polen berichtete MieterEcho Nr. 360/ Mai 2013.

 

 


MieterEcho 362 / September 2013

Schlüsselbegriffe: Privater Investor, Container-Wohnungen, Studierende, Plänterwald, BAföG-Wohnraumpauschale, Containersiedlung, Berlin, Pilotprojekt, Presto 46. Vermögensverwaltung GmbH

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