Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 355 / Juli 2012

Rasante Verknappung

Studie belegt: In fünf Jahren fehlen in Berlin 37.860 Mietwohnungen

 Jörn Boewe

In Berlin werden in fünf Jahren mindestens 37.860 Mietwohnungen fehlen. Zu diesem Schluss kommt das Pestel-Institut Hannover. Bei den am 13. Juni 2012 veröffentlichten Daten handelt es sich um eine Fortschreibung der im April vorgestellten Studie „Mietwohnungsbau in Deutschland“ (MieterEcho Nr. 354/ Mai 2012).

 

 

Hält die derzeitige Bevölkerungsentwicklung an, werden 2017 in Berlin 45.000 zusätzliche Mietwohnungen gebraucht. Wird im gleichen Tempo weitergebaut wie im vergangenen Jahrzehnt, dürften bis dahin aber nur 6.000 bis 7.000 dazukommen. „Von 2001 bis 2010 sind in Berlin jährlich im Schnitt nicht mal zwölfhundert Mietwohnungen gebaut worden“, sagte Institutsleiter Matthias Günther zum MieterEcho. „Wenn der Wohnungsbau in Berlin nicht deutlich zulegt, klafft eine enorme Lücke. Dann werden bezahlbare Wohnungen zur Mangelware.“ Der Studie zufolge wurden im vergangenen Jahrzehnt in der Hauptstadt vor allem Eigentumswohnungen errichtet – im Schnitt knapp 3.000 pro Jahr. Insgesamt betrug die Neubauquote 0,22% vom gesamten Wohnungsbestand. Im Bundesmittel war der entsprechende Wert fast dreimal so hoch, nämlich 0,59%.

 

Gute und bezahlbare Wohnungen werden Mangelware

Das Pestel-Institut warnt zugleich vor einer „Überalterung der Bausubstanz“. Fast zwei Drittel der Wohnungen in Berlin stammen aus der Zeit vor 1970 – viele davon aus den Nachkriegsjahren. „Ein Großteil dieser Wohnungen ist weit von dem entfernt, was heute Standard ist: beim Energieverbrauch, bei der altersgerechten, barrierearmen Ausstattung und beim Grundriss“, so Günther. Rund 42% der Berliner Wohnungen wurden der Studie zufolge bis 1948 gebaut, weitere 22% in der Folge bis 1968, ein knappes Viertel von 1969 bis 1988. Nur 12% wurden seit 1989 errichtet.

Typisch für Berlin sei zudem die Gliederung in „viele lokale Teilmärkte“. Diese wiederum spalteten sich in unterschiedlichste Segmente auf. „So steht z. B. eine exklusive Penthousewohnung in Berlin-Mitte in keinerlei Konkurrenz zur Plattenbauwohnung im Gebäudetyp WBS70“, heißt es in der Studie. Die Erhebung unterstreicht zudem den Charakter Berlins als „Mieterstadt“: Von den insgesamt 1.898.807 Wohnungen in Berlin handelte es sich 2010 bei 1.646.781 um Mietwohnungen. Die Mieterquote – bezogen auf die Wohnsituation der Haushalte – lag damit bei 87% gegenüber dem Bundesdurchschnitt von 57%.

 

Neubau von Sozialwohnungen nötig

Um gutes und bezahlbares Wohnen zu sichern, müsse der Wohnungsneubau deutlich attraktiver gemacht werden, so das Institut. Hier komme es darauf an, die richtigen Anreize zu setzen. „Was wir an neuen Mietwohnungen brauchen, ist mit der derzeitigen staatlichen Wohnungsbauförderung nicht hinzubekommen“, betont Günther. Der Institutsleiter spricht sich für den Neubau von Sozialwohnungen aus. Insbesondere stehe bei der Förderung des Mietwohnungsbaus der Bund in der Pflicht, den Ländern künftig mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug sollten die Länder garantieren, dieses Geld ausschließlich für den Wohnungsbau einzusetzen und durch eigene Mittel aufzustocken.


Weitere Infos:

www.pestel-institut.de


MieterEcho 355 / Juli 2012

Schlüsselbegriffe: Mietwohnungen, Studie Mietwohnungsbau in Deutschland, Pestel-Institut Hannover, Überalterung der Bausubstanz, Sozialwohnungen

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