Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 357 / Dezember 2012

Extrem hohe Heizkosten durch Contracting

Mieter/innen in der Glienicker Straße 49 in Berlin zahlen fast doppelt so viel wie der Durchschnitt

Götz Autenrieth

Susanne Kreimer* ist Mieterin bei der Prelios (früher Pirelli RE).                                            Ihre Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2010 wies eine sehr hohe Nachzahlung aus. Bei der Überprüfung fielen die extrem hohen Heiz- und Warmwasserkosten auf. Die Ausgaben für die Fernwärme betrugen fast das Doppelte des Berliner Durchschnitts.

 

Götz Autenrieth ist Fachmann für Energie, Mängel und Betriebskosten in Gebäuden, Alt-Moabit 124, 10557 Berlin

www.goetzautenrieth.de

 
Die Kosten für Fernwärme sind in den meisten Abrechnungen etwa gleich und in Berlin mit rund 70 bis 80 Euro/MWh deutlich günstiger als in anderen Städten. Die Mieter/innen der Glienicker Straße 49 im Bezirk Treptow-Köpenick aber müssen 129 Euro/MWh dafür bezahlen. Die Kosten für Heizung und Warmwasser betragen damit 2,48 Euro/qm und Monat – der Durchschnitt liegt laut Berliner Heizkostenspiegel etwa bei der Hälfte. Die Kosten für Ablesen und Abrechnung durch den Messdienst ares e-count betragen 1,20 Euro/qm und Jahr. Eine Folge des sehr teuren Energiebezugs ist ein immenser Preis für Warmwasser. Hier werden inklusive Kaltwasseranteil 17,47 Euro/cbm berechnet. In den meisten Abrechnungen werden dagegen nur rund 10 Euro/cbm verlangt.Warum Prelios die Fernwärme derart teuer einkauft, ließ sich bisher nicht abschließend ermitteln. Trotz mehrmaliger Aufforderung an Prelios erhielt die Mieterin statt des verlangten Vertrags zur Energielieferung lediglich eine Rechnung – interessanterweise von ares Energiekonzept GmbH. Die Wärme kommt also von einem Energiedienstleistungsunternehmen und somit handelt es sich um einen Fall von Wärmecontracting.                                          Solche Energiedienstleistungsunternehmen können die Kosten für Mieter/innen deutlich ansteigen lassen.

Warum Contracting?

Bei  Wärmecontracting erwirbt der Eigentümer der Immobilie die Heizanlage – entweder den Heizkessel oder die Fernwärmeübergabestation – nicht selbst, sondern kauft Wärme ein (siehe Seite 11). Dazu stellt der Energiedienstleister (Contractor) eine Anlage zur Verfügung und betreibt diese. Der Eigentümer spart so die Ausgaben für die Anschaffung der Heizung. Da der Contractor auch den Betrieb der Heizung übernimmt, muss sich der Eigentümer darum nicht mehr kümmern, beispielsweise bei einem Heizungsausfall an Weihnachten. Auch die Instandhaltung wird meist mit übernommen. Geworben wird damit, dass der Dienstleister immer die neueste Technik zur Verfügung stellt und dadurch die Kosten für die Bewohner/innen sinken würden. Die Idee des Contractings ist grundsätzlich gut: So können alte Heizungsanlagen gegen neue, beispielsweise ein Blockheizkraftwerk, ausgetauscht werden. Vermieter, die sonst durch das sogenannte „Eigentümer-Nutzer-Dilemma“ (Eigentümer investieren in eine sparsame Heizung und Mieter/innen profitieren vom gesunkenen Verbrauch) wenig von der Erneuerung der Technik haben, werden so eher bewegt, umwelt- und ressourcenschonende Technik einzusetzen. Allerdings handelt es sich bei einer Fernwärmeübergabestation – wie im Haus Glienicker Straße 49 – nur um ein Gerät zur Verteilung, nicht zur Produktion der Wärme. Somit sind Einsparungen nur in sehr geringem Umfang möglich. Das ist in der Heizkostenabrechnung dann auch zu erkennen: Für Heizung und Warmwasser werden in der Glienicker Straße 49, einem wärmegedämmten Plattenbau, rund 150 kWh/qm pro Jahr verbraucht, was etwa einem ungedämmtem Altbau entspricht. Zum Vergleich: Neu gebaute Häuser haben meist einen Verbrauch unter 50 kWh pro qm und Jahr, also ein Drittel des Verbrauchs des Hauses Glienicker Straße 49.

Was tun?

In Heizkostenabrechnungen können eine Menge Fehler stecken. Um Überraschungen bei der Anmietung einer Wohnung zu vermeiden, ist es sinnvoll, sich von den Vormieter/innen die letzte Abrechnung zeigen zu lassen oder vom Vermieter schriftlich die Bestätigung einzuholen, dass die Vorauszahlungen kostendeckend sind. Dann wissen Sie, mit welchen Kosten Sie zukünftig zu rechnen haben. Wenn Sie unsicher sind, ob in Ihrer Abrechnung alles korrekt ist, lassen Sie sich in einer Beratungsstelle beraten.

Bei der Berliner MieterGemeinschaft können Sie ihre Betriebskostenabrechnung überprüfen lassen. Außerdem finden Sie auf unserer Website zahlreiche Tipps und Infos zur Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung sowie einen Betriebskostenrechner.

www.bmgev.de/betriebskosten




MieterEcho 357 / Dezember 2012

Schlüsselbegriffe: Wärmecontracting, Prelios, Glienicker Straße 49, Heizkosten, Warmwasserkosten, Fernwärme, Fernwärmeübergabestation, Heizkostenabrechnung, Energiedienstleister

Berliner MieterGemeinschaft e.V.
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Tel.: 030 - 21 00 25 84
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