Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 350 / Oktober 2011

Editorial

MieterEcho Nr. 350

 

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

in MieterEcho Nr. 348 / Juli 2011 wurde gefragt „Wie viel Tourismus verträgt Berlin?“ Die aktuelle Ausgabe spitzt die Frage zu und zwar mit einer Untersuchung darüber, wo Touristen wohnen, wenn sie nicht in einem Hotel oder einer Pension abgestiegen sind.


Das Geschäft mit der Verwertung normaler Mietwohnungen als Touristenunterkünfte boomt. Die beschönigende Bezeichnung „Ferienwohnungen“ weckt Vorstellungen von Sommer, Sonne, Entspannung und Ruhe. Doch Berlin liegt nicht am Meer, sondern viele Attraktionen dieser Stadt bedienen die Bedürfnisse nach ausgedehntem nächtlichen Partyleben. Straßen in besonders angesagten Quartieren haben in den letzten Jahren ungeahnte Verwandlungen erlebt. In allen verfügbaren Ladengeschäften sind Straßencafés anzutreffen, harmlose Plätze werden zu heißen Adressen für nächtliche Partys und deren Teilnehmer besiedeln temporär die zu diesem Zweck entfremdeten Mietwohnungen in der Umgebung.


Die Berliner/innen gelten als tolerant, Fremdenfeindlichkeit ist nur in finsteren nationalistischen Kreisen anzutreffen und die sind in unserer Stadt zum Glück nicht bedeutend. Aber das Zusammentreffen von normalem Alltagleben und ausgelassener Amüsierfreude führt zur Frage, warum die Auswirkungen einer verfehlten Wirtschafts- und Stadtentwicklungspolitik den hier lebenden und arbeitenden Menschen aufgebürdet werden.


Die Tourismuswirtschaft wird politisch gefördert und gleichzeitig die Wohnungspolitik beendet. Seit 2003 wurden durchschnittlich nur noch 3.500 Wohnungen privat gebaut. Allein um die alterungsbedingten Verluste auszugleichen, hätten es dreimal so viel sein müssen. Stattdessen sind von dem ständig schrumpfenden Wohnungsbestand in dieser Stadt insgesamt 12.000 Wohnungen zu Touristenunterkünften umgewandelt worden.


Der letzte Senat hat das Problem des sich dramatisch verengenden Wohnungsmarkts nur mit allergrößtem Widerwillen zur Kenntnis genommen. Die kümmerlichen Maßnahmen um die Touristenunterkünfte – nicht um sie einzudämmen, sondern sie nur halbwegs sicher zu halten – wurden mit voller Absicht nicht kontrolliert. Erst seitdem die unablässigen Bemühungen der in besonderem Maße betroffenen Bewohner/innen in der Wilhelmstraße im Bezirk Mitte nicht mehr zu ignorieren waren, reagierte der zuständige Stadtrat Gothe. Es muss ihn viel Überwindung gekostet haben.
Doch eine politische Lösung ist damit noch längst nicht in Sicht.

Ihr MieterEcho

 


MieterEcho 350 / Oktober 2011

Schlüsselbegriffe: Tourismus, Touristen, Mietwohnungen, Ferienwohnungen, Touristenunterkünfte, Berlin, Stadtentwicklungspolitik, Wohnungspolitik, Zweckentfremdung

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