Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

Graefekiez wehrt sich gegen Ausgrenzung

Im Kreuzberger Graefekiez protestiert eine Initiative gegen die Wohnungspolitik des rot-roten Senats

Christian Linde

 

Wer im Kreuzberger Graefekiez eine 1- bis 2-Zimmer-Wohnung mieten will, muss tief ins Portemonnaie greifen. Mittlerweile liegen die Preise bei Neuvermietungen rund 40% über dem Mittelwert des Berliner Mietspiegels. Gleichzeitig sinkt im Gebiet die Anzahl der Mietwohnungen, weil immer mehr Wohnraum in Eigentumswohnungen umgewandelt oder als Ferienwohnung genutzt wird. Um auf diese Entwicklungen aufmerksam zu machen, hat sich dort, unweit der touristenträchtigen Gegend rund um die Admiralbrücke, vor geraumer Zeit eine Stadtteilinitiative gegründet.

 

Der multikulturell geprägte Graefekiez ist ein gründerzeitliches Altbaugebiet mit rund 18.000 Einwohner/innen. Nachdem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im vergangenen Jahr im Rahmen einer „Kieztour“ durch die zwölf Berliner Bezirke auch im Graefekiez Station gemacht hatte, war die Diskussion mit den Anwohner/innen vor allem von der Sorge steigender Mieten bestimmt. Mietpreiserhöhungen seien „normal“ und ein Indikator für „wirtschaftlichen Aufschwung“, hielt Wowereit den Kritiker/innen der Senatspolitik entgegen.

„Systematische Umwandlung“

Der Widerstand gegen die rot-rote Wohnungspolitik reißt seit diesem Zeitpunkt im Graefekiez nicht ab. Unter dem Motto „Kiez wehrt sich gegen Ausgrenzung“ hatte die Mieten A‍G im Kreuzberger Graefekiez gemeinsam mit dem Nachbarschaftshaus Urban, der „Hausgemeinschaft Graefe 80“ und den Erzieher/innen der Kindertagesstätte „Spreepiraten“ im August zu einer Kundgebung aufgerufen.

„Durch weiter steigende Mieten werden Mieter/innen und Gewerbetreibende vertrieben. Die systematische Umwandlung führt zu einer Verknappung der Mietwohnungsbestände, der Milieuschutz ist unwirksam geworden, und öffentliche Wohnungsbaugesellschaften verfügen über keinen Wohnraum“, fasste Martin Breger von der Mieten A‍‍G die Situation zusammen. Unterstützung erhielt die Aktion an der Graefestraße/Ecke Dieffenbachstraße durch die Mieterinitiative aus dem Kreuzberger Chamissokiez.

Änderung der Sozialstruktur

„Einhergehend mit Modernisierungen, die anschließend die Mietkosten erheblich erhöhen und oft zu der Entmietung der Häuser führen, wandelt sich zunehmend die Sozialstruktur des Kiezes in eine homogenisierte Anwohnerstruktur“, kritisierte Breger. „Es gibt kein wohnungspolitisches Konzept gegen die steigenden Mieten.“ Im Gegenteil, die von den Senatsparteien beabsichtigte Aufwertung führe zu einer Entmischung der Bevölkerung. „Die bisher mit finanziellen Mitteln geförderte Integration verpufft in der Verdrängung aus dem Kiez und muss an anderen Orten wieder neu organisiert werden“, so die Mieten A‍G in einer Erklärung.

Forderungen der Mieten A‍G

Um diese Entwicklung zu stoppen, fordert die Stadtteilinitiative unter anderem ein Verbot der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Auch sollen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften vom Senat in die Lage versetzt werden, Wohnungen sowohl anzukaufen als auch neu zu bauen, um mit günstigen Mieten steuernd auf den Wohnungsmarkt einzuwirken. Darüber hinaus müssten bei Modernisierungen zukünftig die Mieter/innen in die Planungen eingebunden werden, damit sie nicht durch extreme Mietsteigerungen ihre Wohnungen verlieren.

Kontakt:
Die Mieten A‍G im Graefekiez ist auf der Website www.graefe-kiez.de im Forum und unter der E-Mail-Adresse mieten-ag@graefe-kiez.de erreichbar.

 

 

MieterEcho 349 / September 2011

 


Schlüsselbegriffe: Graefekiez, Kreuzberger, Wohnungspolitik, Eigentumswohnungen, Ferienwohnung, Stadtteilinitiative, Mieten AG, systematische Umwandlung, Modernisierungen, Entmietung,

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