Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

EDITORIAL (September 2010)

Einleitung zum MieterEcho Nr. 342

 
Liebe Leserinnen und Leser,
 

auf der Titelseite des MieterEchos Nr. 314 vom Februar 2006 befindet sich ein großes Exit-Schild,  darunter die mit einem Fragezeichen versehene Zeile „Ex und Hopp?“ und als erklärender Hinweis auf den Inhalt des Hefts: „Wie Private-Equity-Fonds Wohnungen kaufen und sie verwerten“.

Anlass war der spottbillige Verkauf der GSW durch den inzwischen auch aus anderen Gründen ungenießbar gewordenen Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) an den Private-Equity-Fonds Cerberus.

Während die Tagespresse seinerzeit unisono den „langfristigen“ Investor bejubelte und den Kauf als soziale Befreiung von einer großen Schuldenlast feierte, beschrieb das MieterEcho ganz nüchtern die Verwertungsstrategien dieser Finanzinvestoren und wusste, dass sie nach einem relativ kurzen Zeitraum das gesamte Unternehmen wieder auf den Markt bringen werden. Eine solche Transaktion wird Exit genannt. Ein solcher Exit, der Gang an die Börse, stockt zurzeit noch bei der GSW, aber die Gagfah hat ihn bereits hinter sich.

In diesem Heft findet sich eine bemerkenswerte Zusammenstellung von Urteilen der bürgerlichen Presse, die ursprünglich vor Freude über solche Deals wie die Privatisierung der Gagfah jauchzte. Stefan Kofner, Professor für Wohnungswirtschaft an der Universität in Zittau, beschreibt die Verwertungsstrategie der Käuferin Fortress, und eine Mieterin schildert die ganz alltäglichen Auswirkungen der Privatisierung in den Häusern und Wohnungen.

Inzwischen hat die Finanzkrise solche Geschäfte weniger rentabel werden lassen und deshalb bleiben dieser Stadt die restlichen öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften wenigstens formal erhalten.

Dafür ergreift eine neue Eigentümerschicht vornehmlich von den Altbaubeständen Besitz. „Die Mieten werden steigen“, erklärte zur Beruhigung der Investoren der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei seinem wenig gelungenen Versuch, Volksnähe im Graefekiez zu zeigen. Dass solch eine Aussage wenig prognostische Fähigkeiten erfordert, weiß jeder, denn schließlich steht an der Spitze der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer (SPD), die Fachfrau für einen angespannten Wohnungsmarkt.

In der SPD finden zurzeit die Personalwahlen für die Listen zur Kandidatur der Abgeordnetenhauswahlen statt. Das MieterEcho wünscht den sozialdemokratischen Freunden bei der personellen Auswahl eine glücklichere Hand als vor fünf Jahren. Mit Führungskräften vom Schlage eines Sarrazin und einer Junge-Reyer hat die SPD diese Stadt und ganz besonders die Mieter/innen wahrlich genug gequält.
 

Ihr MieterEcho
 

MieterEcho Nr. 342 / September 2010


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