MieterEcho
Nr. 287 - September/ Oktober 2001

Wer ist eigentlich Wullinger?

 

Wenn man im Internet in irgendeine Suchmaschine die Begriffe "Mebes", "Dr. Mebes", "Reto Mebes", "Gino-Reto", "Dr. Gino" usw. oder auch "Wullinger" eingibt, man erhält stets auf allen vorderen Plätzen der Antwortliste die Mieter-Homepage der Winterfeldtstr. 25: http://www.w25.de.

Wer sich die Mühe macht und auch alle anderen der - sagen wir einmal - zweihundert Antworten anklickt, findet nur einen einzigen kümmerlichen Hinweis auf die Firma Dr. Mebes & Wullinger Immobilien GmbH Berlin, Kurfürstendamm 37, 10719 Berlin und zwar an einer gänzlich unbedeutenden Stelle. Eine Homepage dieses noblen Immobilienhandelshauses scheint nicht zu existieren. Man gewinnt den Eindruck, als habe Dr. Gino seinerzeit zwar die Winterfeldtstraße. 25 erstanden, aber im Gegenzuge irgendwie und irgendwann den Mietern die Internet-Hoheit über sich und seinen Betrieb überlassen. Die sind sich der ihnen übertragenen Verantwortung durchaus bewusst, wie man sich leicht selbst überzeugen kann. Liebevoll haben sie nicht nur das Wirken der Schweizer Doktoren beider Rechte im Hause dokumentiert, sie machen auch keinen Hehl aus seinem innigen Verhältnis zu den Mietern, das er mit Kampfhunden und Wanzen auf das Interessanteste auszugestalten weiß, und sie versuchen sich u.a. auch an einem Portrait ihres Bentley fahrenden Hauswirtes, zusammengestellt aus Zitaten und Beschreibungen seiner Methoden.

Für alle, die keinen Internetzugang haben dokumentieren wir es gerne:

"... wir werden die beste Lösung für dieses Haus erarbeiten..."

"... ich gehöre zu den 5% Seriösen in dieser Branche..."

"... machen Sie alles schriftlich, machen Sie keine mündlichen Absprachen mit uns..."

"... Sie denken wie vor 20 Jahren ..."

"... ich werde die Lücke in Ihrem Mietvertrag finden..."

"... um die hässliche Fassade gegenüber brauchen sie sich keine Sorgen machen. Das Haus gehört mir bald..."

"... meine Mitarbeiter berichten mir, dass das Haus bereits gebrochen ist..."

"... Sie werden sehen, es wird hier sehr ungemütlich. Sie müssen permanent damit rechnen, dass ich mit der nächsten Aktion zuschlage..."

"... jetzt ist Krieg...ich mache Euch fertig..."

"... ich werde dafür sorgen, dass hier passende Mieter einziehen..."

"... ich werde euch Deutschen schon Anstand beibringen..."

"Seriös", konsequent und zielstrebig setzt Reto Mebes das Standardschema des Brachialumwandlers ein. Seine Methoden:

Täuschung:

Kooperationsbereitschaft vortäuschen. "Wir haben es nicht eilig, ...wir werden die Wünsche der Mieter in unsere Planung einfließen lassen", aber hinterrücks bereits handeln: Der Bauantrag ist gestellt und die Entmietungsmaschinerie läuft auf Hochtouren.

Schikane:

Vernichtung der Hofbegrünung, Grundentrümpelung (über Generationen angesammelter Sperrmüll) mit unzulässiger Umlage auf die Betriebskosten, Fahrradverbot auf dem Hof, Videoüberwachung der Durchgänge und Wohnungstüren, Absperrung des Gartenzugangs usw.

Rauskauf:

Schriftlich 200 DM/qm anbieten, aber dann behaupten, es sei ein Druckfehler und nur 100 DM/qm vereinbaren. Schließlich Rauskaufsumme vereinbaren, um anschließend frei erfundene Nebenkosten abzuziehen.

Einschüchterung:

Stundenlange Telefonate mit einzelnen Mietern unter Strafandrohungen, Forderungen von Schadensersatz, Nötigungen, falschen Beschuldigungen. Eine Wohnung mit einem "Spitzel" als Alibi für regelmäßige Präsenz. Überfluten mit haltlosen Klagen und fristlosen Kündigungen. Unzulässige Identitätskontrollen im Haus. Bedrohung durch Kampfhund.

Tatsachen schaffen:

In der Hoffnung, dass keiner es merken wird oder die Gegenpartei nachträglich aufgibt, und mit der Erkenntnis, dass der Rechtsweg zum Rückgängigmachen sehr langwierig sein wird, wird Rechtsumgehung in dosierten Schritten angewendet. Beispiele: Verbotene Eigenmacht, Entfernen von Namensetiketten an Türen, Hausfriedensbrüche, Entrümpelungen und Diebstähle von Mietereigentum unter dem angeblichen Vorwand "durch unbekannt genutzt".

Umwandlung:

Entmieten mit allen Mitteln, überteuerte Quadratmeterpreise, Eigentumswohnungen mit eigener Baufirma ausbauen (drei Mal Absahnen).

Zum Schluss: Noch ein Zitat des Schweizer Volljuristen beider Rechte: "...wenn man mir auf den Schwanz tritt, wird`s blutig!"

Wer glaubt, Dr. Mebes würde die Mühe der Mieter anerkennen, täuscht sich gewaltig. Im Gegenteil: Ihm scheint der Zustand so wenig zu gefallen, dass er ihn unlängst mit Hilfe der Staatsanwaltschaft zu beenden suchte. So zeigte er doch tatsächlich seine tüchtigen, sachund fachkundigen Mieter an! Wie aber nun die Gerichtsverhandlung ausgegangen ist, kann man der nebenstehend abgedruckten Hausmitteilung entnehmen.

Damit bleibt uns glücklicherweise die www.w25.de unverändert erhalten und das, wie uns die Mieter versprochen haben, noch viele Jahre lang und wir empfehlen einen Besuch im Internet auf dieser Seite und hoffen, dass sie weiterempfohlen wird.

Nur eines wissen wir immer noch nicht: Wer ist eigentlich Wullinger?

Die Homepage bleibt, auch wenn Mebes schon längst gegangen sein wird, bzw. worden ist.

In letzter Zeit häufen sich die Anzeichen für eine mebeslose Zukunft in der Winterfeldtstraße. 25. Darauf spielt die nächste Hausmitteilung an und die stützt sich auf Veröffentlichungen der Firma Mebes & Wullinger selbst, aber "diese Angaben sind vertraulich und nicht zur Weitergabe bestimmt":

Umfrage zum Thema: Warum in einer Genossenschaft wohnen?

Wir bedanken uns bei allen, die sich für unseren Fragebogen im letzten MieterEcho zum Thema: "Warum in einer Genossenschaft wohnen?" interessiert und ganz besonders bei denen, die ihn ausgefüllt und zurückgeschickt haben.

Leider war der Rücklauf noch nicht so umfassend, dass er eine Grundlage für gesicherte Aussagen bilden könnte. Er hat aber ausgereicht, um unsere inzwischen immer kritischer werdende Einstellung gegenüber den Genossenschaften und ihrer Entwicklung weiter zu festigen.

Es ist nicht erkennbar, dass das Wohnen in Genossenschaften günstiger ist. Im Gegenteil, die uns übermittelten Angaben machen deutlich, dass die Mieten in Genossenschaften vergleichsweise hoch sind und zum Teil sogar über dem Mietspiegel liegen. Das gilt sowohl für erst kürzlich abgeschlossene als auch und das hat uns wirklich überrascht für schon länger bestehende Mietverträge. Häufig beklagt wird auch die geringe Bereitschaft zur Mängelbeseitigung.

Erwartungen an genossenschaftlich-demokratische Verfahrensweisen werden kaum noch gestellt, es befremdet angesichts dessen fast, dass mitunter demokratische Defizite energisch gerügt werden.

Tendenziell lässt sich den Antworten entnehmen, dass die Ostberliner Genossenschaften, also gerade die ehemaligen Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften eine ganz besonders negative Entwicklung vollzogen haben (vielleicht liegt das an allzu schneidigen Betriebswirtschaftlern, die nach der Wende als Führungskader aus dem Westen importiert wurden). Doch wie gesagt, alles sind bisher nur Eindrücke, und wir wissen nicht, ob sich nicht nur zufällig viele unzufriedene Genossen geäußert und die positiv eingestellten eher zurückgehalten haben.

Wir drucken den Fragebogen deshalb wieder ab und bitten unsere "Genossenschafts"mitglieder noch einmal, ihn auszufüllen. Er kann dann gerne, falls keine Briefmarke zur Hand ist, auch unfrankiert mit der Aufschrift "Porto zahlt Empfänger" an die

Berliner MieterGemeinschaft

MieterEcho/Umfrage

Möckernstr. 92, 10963 Berlin

geschickt oder unter 030 2 16 85 15 gefaxt werden.

Wir hoffen sehr auf regen Rücklauf, positiven, neutralen oder negativen Inhalts, engagiert oder gleichgültig und versprechen, die Ergebnisse demnächst vorzustellen.

Die Angaben bleiben anonym und dienen lediglich der statistischen Auswertung dieser Umfrage.

Es wird ganz sicher hochinteressant und das umso mehr, je stärker die Resonanz ist.

AG UMWANDLUNG

Vielen Dank für Ihre Mitarbeit

 

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