MieterEcho
Nr. 283 - Januar/Februar 2001

Anfänge des kommunalen und gemeinnützigen Wohnungsbaus - Die 20er Jahre in Wien und Berlin

 

von Renate Berg

Die Geschichte des sozialen Wohnungsbaus wird ganz offensichtlich beendet. Der bereits erfolgte (GEHAG) oder beschlossene (GSW) Verkauf der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften oder die teilweise Veräußerung der Bestände sind ein Teil dieses Prozesses.

Die Wohnungsversorgung wird wieder stärker privatwirtschaftlich gelöst und die Eigentumsbildung gefördert; Steuerungselemente der Wohnraumversorgung sowie die Idee der Gemeinnützigkeit hingegen werden abgebaut. Seit den 20er Jahren wurde mittels kommunalem und oder gemeinnützigem Wohnungsbau versucht, Probleme der Wohnraumversorgung zu lösen. In beiden Städten aus der Arbeiterbewegung heraus, waren es in Wien der Gemeindewohnungsbau und in Berlin die gemeinnützigen Gesellschaften und Genossenschaften der sozialen Bauwirtschaft, welche sozial(isiert)en Massenwohnungsbau ermöglichten. Die quantitativen und qualitativen Verbesserungen der Wohnraumversorgung wurden jedoch auch schon damals nur durch kommunale Steuerungen erzielt. Die Genossenschaftsidee war Bestandteil des Prozesses, von Problemlösung aber war sie weit entfernt.

Schlechter als die Berliner Mietskaserne: Das Bassenahaus

Der Prozess der Industrialisierung setzte in der Habsburger Monarchie erst ca. 1880 verhältnismäßig spät ein. Infolge eines rasanten Nachholprozesses konnte sich Wien allerdings schon 1910 mit Paris oder Berlin messen: hinsichtlich Größe, Infrastruktur, Industriedichte und EinwohnerInnenzahl (von 440.000 im Jahr 1840 zu 2,1 Mio. im Jahr 1910) wies Wien alle Merkmale einer Metropole auf. Die Probleme der damals privatwirtschaftlich organisierten Wohnraumversorgung für die rasch wachsende Bevölkerung waren denjenigen in Berlin vergleichbar: Wohnungsmangel, Überbelegung und katastrophale hygienische Bedingungen kennzeichneten das Leben der städtischen Massen zu Beginn des Jahrhunderts. Noch 1919 hatten über 90% der Kleinwohnungen weder ein eigenes WC noch einen Wasseranschluss, die Wohnungen waren überbelegt, die Untervermietung an Schlafgänger war weit verbreitet, und dennoch lag der Anteil der Miete am ohnehin geringen Einkommen eines durchschnittlichen Arbeiterhaushalts bei 25 bis 30%.

Vergleichbar mit der Berliner Mietskaserne, entstand in Wien für die ärmere, proletarische Bevölkerung eine typische Bauform: Das sogenannte Bassenahaus. Namensgebend war der einzige Wasseranschluss, der für alle Parteien einer Etage als Zapfhahn über einem Becken an der Wand im Zugang installiert war. Bei diesem sechsgeschossigen Mietshaustyp wurden die Wohnungen über einen hofseitigen Laubengang erschlossen. Die Wohnungen selber bestanden aus einer Gangküche, die sich direkt am Laubengang befand und über welche die 1- bis 2-Zimmer erreicht wurden. Diese Enge und schlechten Belichtungs- und Belüftungsverhältnisse wurden durch die extrem dichte Überbauung der Grundstücke (ca. 85%) verstärkt. Wie in Deutschland gerieten diese Wohnverhältnisse in die Kritik der bürgerlichen und sozialistischen Sozialreformbewegungen.

Entstehung des Wiener Gemeindewohnungsbaus

Am 16.02.1919 gewann die Sozialdemokratie in der drei Monate alten Republik Österreich die Wahlen zur Nationalversammlung und legte bereits im ersten Jahr ihrer Regierungszeit Notprogramme zur Beseitigung der Wohnungsnot auf. Tatsächlich entstanden aber bis 1922 nur 1900 Wohnungen in Neubauten. Dieses sehr unbefriedigende Ergebnis war Folge der wirtschaftlichen Misere, des kriegsbedingten Mangels an Baumaterialien und vor allem der Finanzschwäche der Gemeinde Wien. Abhilfe konnte erst die sog. Breitner-Steuer schaffen (Hugo Breitner, Finanzstadtrat 1920 bis 1932). Mit ihr wurde nicht nur der Gemeindebau finanziert, sie war die spezifische austro-marxistische Vorgehensweise, soziale Ziele innerhalb des kapitalistischen Systems über den Staat zu finanzieren. Die alte Mietzinssteuer des Kaiserreiches, die direkt von den Mietern in großer Höhe zu leisten war und insbesondere die Kleinwohnungen so enorm verteuert hatte, wurde zugunsten einer nach Größe der Wohnung progressiv gestaffelten "Wohnbausteuer" novelliert. Sie war die einzige Steuer, welche die Wohnungen belastete und wurde ausschließlich zweckgebunden erhoben und zum öffentlichen Wohnungsbau verwandt.

Eine weitere günstige Voraussetzung für die Stärkung eines sozialisierten Wohnungsbaus war die Inflation: Die Festschreibung der Mieten durch den gesetzlichen Mieterschutz führte bei dem sinkenden Geldwert praktisch zu einer Nullifizierung der Mieten. Da die Rentabilität von Haus- und Grundeigentum verfiel, sanken die Bodenpreise und die private Bautätigkeit ging stark zurück. Die Gemeinde war infolgedessen in der Lage, billig Land zu erwerben. (Ebenso wie in Deutschland entschuldete die Inflation den Grundbesitz. Im Unterschied zu Deutschland jedoch wurde in Wien der Mietstop nach dem Krieg nicht aufgehoben, wodurch die Altbaumieten die Kosten für die Instandhaltung nicht mehr deckten.) Die ehrgeizigen Pläne der Wiener Gemeindeverwaltung wurden durch diese "kalte Enteignung" der Hauseigentümer tatsächlich durchsetzbar.

Von 1923 bis 1933 entstanden insgesamt 64.000 neue Wohneinheiten bzw. bis Ende 1934 hatte die Gemeinde Wien für ein Achtel der Bevölkerung, für 250.000 Menschen neuen Wohnraum geschaffen.

Die Miete für den Wiener Gemeindewohnungsbau war eine politische Miete, sie deckte weder die Baukosten noch konnte mit ihr Gewinn erwirtschaftet werden. Die Kaltmiete betrug nur ungefähr ein Zwölftel dessen, was nach den tatsächlichen Baukosten zu berechnen gewesen wäre. Die Miete sollte lediglich die Betriebskosten und die Instandhaltung der Wohnung decken.

Wohnungen im Roten Wien

Innerhalb des Wiener Gemeindewohnungsbaus gab es verschiedene Bauformen, von aufgelockerten, peripheren Bautypen über Blockrandbebauungen bis hin zu dichteren, großen, geschlossenen "Superblöcken" wie z.B. dem Reumannshof oder dem Karl-Marx-Hof.

Die Wohnungen waren in der Regel klein und von niedrigem Standard, jedoch gehörte zum Raumprogramm: ein Vorraum, ein innenliegendes WC (kein Bad), eine Wohnküche und ein bis zwei Zimmer. Alle Räume und das WC waren direkt belichtet und belüftet, alle Wohnräume und die Küche waren beheizbar. Eine Laubengangerschließung war für den Gemeindewohnungsbau aufgrund seiner negativen Verwendung in den Bassenahäusern tabu. Häufig waren - im Unterschied zum Reformwohnungsbau in Deutschland - allerdings Raum-in-Raum-Erschließungen (gefangene Zimmer) und Vierspänner (keine Querlüftung möglich). Gemessen an Wiener Vorkriegsbauten bedeutete der Gemeindebau zwar eine erhebliche Verbesserung, auf dem "Internationalen Wohnungs- und Städtebaukongress" 1927 in Wien wurden allerdings Größe und Standard der Wohnungen stark kritisiert.

Der Karl-Marx-Hof ist der wohl berühmteste Wiener Gemeindewohnungsbau und ein Symbol des Roten Wiens geworden. Der Architekt und Mitarbeiter des Stadtbauamtes Karl Ehn errichtete auf einem über einen Kilometer langen Grundstück eine Gebäude, das 1.325 Wohneinheiten enthielt und in dem früher bis zu 5.500 Menschen wohnten. In diesem Hof standen allerdings umgerechnet nur eine Dusche für 200 und eine Badewanne für 300 BewohnerInnen in den gemeinschaftlichen Baderäumen zur Verfügung.

Der Wiener Gemeindebau stellt ein Modell zur tatsächlichen Lösung der Wohnungsfrage dar. Es ist eines der wenigen - und vielleicht das einzige - Experiment der 20er Jahre, das in dieser Hinsicht als wirklich erfolgreich bezeichnet werden kann, da die Neubauten hier tatsächlich von denen bezogen werden konnten, deren Wohnsituation am schlechtesten war, da sie auch mit den niedrigsten Einkommen leicht bezahlbar waren. Trotz aller Kritik an den schon damals minimalen Standards, ein Grundrecht auf Wohnen konnte so erstmals realisiert werden.

Berlin in der Weimarer Republik

Die Wohnsituation in Berlin war während der Gründerzeit bis nach dem 1. Weltkrieg desolat. Die EinwohnerInnenzahl stieg von 320.000 im Jahr 1840 auf 2.1 Mio. im Jahr 1909. Die Wohnungsversorgung wurde im Kaiserreich rein privatwirtschaftlich organisiert, mit den Resultaten, dass die Wohnungen überbelegt waren, die Miete bei den ärmeren Haushalten genau wie in Wien 25 bis 30% des Einkommens verschlang und der Wohnungsstandard im unteren Segment hinsichtlich Hygiene, Belichtung, Belüftung schlichtweg katastrophal war. Noch 1905 hatten 90% der Wohnungen kein Bad und fast 50% kein innenliegendes WC.

Für Verbesserungen der Wohnungsversorgung in der Weimarer Republik waren verschiedene Voraussetzungen unerlässlich: 1918 die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts (1% der Bevölkerung, die Grundbesitzer, wählten 50% aller Stadtverordneten), und vor allem die Einführung der Hauszinssteuer 1924. Über dieses durch Besteuerung der Eigentümer gewonnene Umverteilungsmittel gewannen die Gemeinden erstmals die Möglichkeit, den Massenwohnungsbau zu steuern. Die Vergabe der Mittel war mit bestimmten Auflagen hinsichtlich des Standards und der städtebaulichen Einbindung verbunden.

Insgesamt wurden in Berlin von 1924 bis 1931 146.000 Wohnungen mit öffentlichen Mitteln gebaut, was ca. 75% des gesamten Wohnungsbauvolumens ausmachte. Hier engagierte sich unter anderem der Baustadtrat Schönebergs Martin Wagner für die soziale Bauwirtschaft. Aus der Selbsthilfe waren ab 1919 zahlreiche Bauproduktivgenossenschaften entstanden, die aufgrund ihrer Preispolitik zunächst sehr erfolgreich waren, aber an Problemen wie mangelndem Betriebskapital oder Unprofessionalität krankten. Martin Wagner initiierte die Umwandlung der Bauproduktivgenossenschaften in Bauhütten (GmbHs). In der Zeitschrift des Verbandes sozialer Baubetriebe (VsB), in dem die Bauhütten bis 1925 organisiert waren, heißt es: "Die Bauhütte arbeitet in genossenschaftlichem Geiste. Sie unterscheidet sich jedoch von den Genossenschaften vor allem dadurch, dass ihr Zweck nicht die Förderung des Erwerbes ihrer Mitglieder, sondern schlechtweg Dienst am Allgemeinwohl ist." Der Aufbau dieser sozialen Bauwirtschaft erfolgte nicht nur mit kommunaler Förderung, sondern als Bestandteil einer gewerkschaftlichen Gemeinwirtschaft auch mit Unterstützung durch gewerkschaftliche Sozialisierungsbeiträge (5% der Mitgliedsbeiträge).

Zur weiterführenden Finanzierung sollten sich nach Martin Wagner die Wohnungssuchenden zu Spargenossenschaften zusammenschließen, um deren Kapital ("Wartegeld") dem baugewerblichen Produktionsprozess zuzuführen. In einem Dachverband wurden 1924 nun weitere Baugenossenschaften zusammengeschlossen: die DEWOG (Deutsche Wohnungsfürsorge) entstand, um die Gründung von Wohnungsbaugenossenschaften anzuregen und gleichzeitig über Organisationen wie die Gemeinnützige Heimstätten- Spar- und Bau AG (GEHAG) die technische und kaufmännische Abwicklung der Bauvorhaben zu sichern. Das Resultat war: Die Bauhütten als Ausführende, die GEHAG als Eigentümer und Planer mit Chefarchitekt Bruno Taut, die DEWOG als Träger des Wohnungsbaus und die lokalen Wohnungsbaugenossenschaften als Verwalter der Wohnungen. Unter dieser Organisierung sind die meisten Siedlungen des "Neuen Bauens" der 20er Jahre in Berlin entstanden.

Wohnungen des Reformwohnungsbaus

In Berlin entstanden Wohnanlagen und Siedlungen, bei denen die Höfe von Bebauung freigehalten wurden. Zunächst war die Idee der aufgelockerten Gartenstadt noch sehr prägend, ab 1924 jedoch gewann die Gartenstadtkritik an Gewicht. Es wurde klar, dass sich die drückende Wohnungsnot nicht mit gartenstädtischen Siedlungen lindern ließe und dass die abgekapselten, großstadtfeindlichen Einheiten der Gartenstädte innerhalb der städtischen Agglomeration Romantizismen darstellten.

Die Hufeisensiedlung, die wohl berühmteste Siedlung des Neuen Bauens, mit deren Bau 1927 begonnen wurde, markiert hier den Umbruch. (Zur Hufeisensiedlung und zum sozialen Wohnungsbau siehe auch: Löcher im Spekulationskuchen, ME 270). Die Großsiedlung wurde geboren. Es folgten weitere Siedlungen wie z.B. Siemensstadt, Schillerpromenade, Haselhorst und Carl-Legien. Voraussetzungen für die Errichtung der damals noch am Stadtrand gelegen Siedlungen waren zum einen der Ausbau des öffentlichen Verkehrswegesystems und andererseits die Vorfertigungen und Rationalisierungen der Bauweise. Die Wohnungen selber waren klein, verfügten aber über funktionale Grundrisse, direkte und ausreichende Belichtung und Belüftung und innenliegende Toiletten und Badezimmer. (Nicht dass der Soziale Wohnungsbau das Non-Plus-Ultra von Wohnqualität darstellt, aber diese damals erkämpften Verbesserungen bildeten die Grundlage für den nachfolgend öffentlich geförderten Wohnstandard.)

Die Wohnungsnot wurde dennoch nicht gelöst, da zum einen der Wohnungszuwachs von Neuzuzügen nach Berlin übertroffen wurde (1930 wurde der Fehlbetrag auf 200.000 Wohnungen geschätzt), zum anderen waren die Reformwohnungen zu teuer, um für die ärmsten Mieter erschwinglich zu sein. Die Bodenfrage blieb ungelöst und der Kapitalmarkt und die marktwirtschaftliche Baustoffindustrie blieben weiterhin bestehen. Walter Gropius kommentierte die damalige Situation: "Die schlimmste Fessel bleibt das unsittliche Recht des privaten Eigentums am Boden". Auch die Hauszinssteuer krankte an den Problemen, dass sie zum einen nicht zweckgebunden war und zum anderen von den Vermietern auf die Mieter umgelegt wurde. Bruno Taut schrieb in den GEHAG-Nachrichten: "Auch wir glaubten 1926 voller Hoffnung, dass es nun bergauf gehen würde. Was aber bergauf ging, war vor allem der Zinsfluss, so dass nach drei Jahren schon dieselbe Wohnung fast um die Hälfte mehr Miete kostete. Nun sollen Techniker und Baufachleute dort retten, wo die Finanzkrise das Unheil angerichtet haben. Der Gedanke, zwischen Einkommen und Miete eine Harmonie zu erzeugen, bleibt in unserer Gesellschaft eine Illusion. Die soziale Struktur kann vom Techniker nicht beeinflusst werden."

Sozialrevolutionäre Genossenschaften?

Der von der GEHAG errichteten Hufeisensiedlung wurde im Rahmen des sogenannten Dächerkriegs eine ebenfalls von einer gemeinnützigen Gesellschaft (GAGFAH) gegenübergestellt. Es war der ideologische Kampf Flachdach kontra Satteldach bzw. die Moderne kontra Heimatschutzstil. Die Genossenschaften und gemeinnützigen Gesellschaften verfolgten nicht immer nur sozialreformerische Ziele, sondern waren teilweise durchaus deutschnationaler Gesinnung. Außerdem gab es damals schon Genossenschaften, die nicht zu den sozialen Baubetrieben gehörten. Diese besitzindividualistischen Siedler wählten diese Organisationsform nur, um durch einen wirtschaftlichen Zusammenschluss Kostenvorteile zu erzielen. Die Genossenschaft war hier oft nur ein transitorisches Moment auf dem Weg zu Eigenheimen (sog. Erwerbshäusern), die nach genossenschaftlicher Erstellung in Privateigentum übergingen. Diese kleinbürgerliche Bauvereins- und Baugenossenschaftsbewegung forderte die Bereitstellung billigen Baulandes, was eine Reprivatisierung von öffentlichem Eigentum zu besonders günstigen Konditionen und einem abgeleitetem Rentenanspruch mit sich zog. (Die heutige eigentumsorientierte Genossenschaft stellt also durchaus kein Novum dar. s. S. 5) Auf der anderen Seite gab es die Utopisten, die mit der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung verknüpft blieben, die eine Gemeinwirtschaft ohne Gewinnmaximierung anstrebten und den Besitz an Grund ablehnten. Sie beanspruchten lediglich ein Nutzungsrecht an den von ihnen errichteten Gebäuden. Genossenschaften erreichten in den 20er Jahren einen produktionstechnischen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Sie waren eine Reaktion der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung auf die nicht eingelösten Sozialisierungsversprechen der Nachkriegsregierung der Weimarer Zeit. Die großen Leistungen der Wohnungsbaugenossenschaften waren nur durch die Zusammenarbeit der Gewerkschaften, Krankenkassen, Kreditinstitute und den entsprechenden Dachorganisationen wie der DEWOG möglich. Ein durchgreifender Erfolg für die Wohnraumversorgung wie in Wien blieb aus, da in Berlin weder eine durchgreifende Umlagefinanzierung erfolgte noch der Kapital- und Bodenmarkt umgangen werden konnte. Auch die Sozialisierungsbeiträge und die Hauszinssteuer reichten zur Finanzierung nicht aus, zumal Zugriffsmöglichkeiten auf einen Althausbestand völlig fehlten. War der Wiener Gemeindewohnungsbau rein kommunal gesteuert, so blieb es in Berlin bei einem wirtschaftlichen, wenn auch gemeinwirtschaftlichem und reformpolitischem Weg. Die Kette der Umverteilung wurde hier nicht geschlossen, und es führte äußerer Druck zu Ökonomisierung und Zentralisierung, innerer Druck zu Filz. Der Entwurf einer Solidargemeinschaft von Wohnungsinhaber und Wohnungssuchendem wurde nicht erfüllt.

 

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