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Genossenschaften
Die Wohnungsbaugenossenschaften teilen auf gewisse Weise das Schicksal der "sozialen Stadt". Der Sozialstaat wird abgebaut und dadurch entstehende Probleme werden als sozialräumliche an die Quartiersmanager, die ausführenden Organe des Programms "Soziale Stadt", zur örtlichen Pflasterbehandlung überwiesen. Der soziale Wohnungsbau wurde in Deutschland hingerichtet, die Gemeinnützigkeit abgeschafft, die Bestände der ehemals gemeinnützigen Gesellschaften mit Nachdruck privatisiert und man entdeckte die sozialen Qualitäten der Genossenschaften um die entstandene Lücke auszufüllen.
Das MieterEcho hatte selbstverständlich nie Einwände gegen soziale Wohnungsbauunternehmen, zweifelte aber stets an der Eignung der Genossenschaften für diese Rolle.
Diese Zweifel haben sich verfestigt. Wie könnte es auch anders sein. Genossenschaften sind Wohnungsbauunternehmen, die sich auf dem Markt zu behaupten haben. Der Genossenschaftsgedanke bringt keinen Cent hervor, kann aber dazu missbraucht werden, von dieser Tatsache abzulenken. Dafür haben sich in den letzten Jahren Spezialisten vielfältigster Art herausgebildet:
- Die Genossenschaften selbst, die Werbung für sich als "die clevere Alternative" machen,
- der GdW, der Verband der ehemals gemeinnützige Unternehmen, der die Imagekampagne seiner genossenschaftlichen Mitglieder auch wegen des Erhaltes des sozialen Scheines unterstützt,
- die wohnungsbaupolitisch maßgeblichen Politiker aller Parteien, die die Verantwortung für die Vernichtung des sozialen Wohnungsbaus tragen und diese Verantwortung mit großem verbalen Aufwand hinter dem Bekenntnis zu den genossenschaftlichen Prinzipien kostengünstig zu verbergen wissen,
- Wissenschaftler, die in allen möglichen lukrativen Expertenkommissionen stecken, so auch in denen über das Genossenschaftswesen
- und nicht zuletzt das Heer von Blauäugelein, das noch immer jeden "dritten Weg" zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft mit Hoffnungen pflastert, ohne jemals zu merken, dass der dritte Weg nicht parallel verläuft sondern stets die Einbahnstraße vom Sozialstaat in Richtung Marktwirtschaft ist.
Vielleicht nicht immer die kürzeste Verbindung, auf jeden Fall aber die reibungsloseste.
Genossenschaften sind in erster Linie Wohnungsbauunternehmen. Und das sind sie unabhängig von ihrer Größe, unabhängig von ihrem Alter und unabhängig von ihrer Selbsteinschätzung und der ihrer Genossen. Eine Unterteilung in "Alte" - bürokratisierte, verkalkte - und "Neue" - die Emanzipation ihrer Mitglieder fördernde - Genossenschaften ist lächerlich. Eine solche Unterscheidung würde allenfalls zwischen der jeweiligen Gründergeneration und allen nachfolgenden Nutzer/Mieter-Generationen Sinn machen.
Wenn man die real existierenden Genossenschaften aber als Wohnungsbauunternehmen akzeptiert und keine übermäßigen sozialen Ansprüche an sie stellt, sondern sie mit anderen Unternehmen vergleicht, schneiden sie nicht schlecht ab. Und das ist gar nicht so wenig.
Doch als Ersatz für den sozialen Wohnungsbau taugen sie niemals!
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