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MieterEcho online – 21.06.2011

Die Berliner Zeitung und die Wohnungsnot

 
Ein Erlebnis der besonderen Art bereitete die Berliner Zeitung den Teilnehmer/innen der Konferenz „Wie viel Neubau braucht Berlin?“ Dass in Berlin Wohnungen knapp werden, die Mieten steigen und eine unfähige Senatorin die politische Verantwortung trägt, bestätigte auch diese Veranstaltung.

Eingeleitet  wurde das Ereignis durch die Vorstellung des von Analyse und Konzepte (a+k) im Auftrag des Senats erstellten Berichts über den Wohnungsleerstand. Zwar wurde darauf hingewiesen, dass die Neubauleistung in Berlin nur der von Hamburg entspricht, doch blieb unverständlich, warum bei der Beschreibung der Nachfrageseite die enorm gestiegene Zahl der Haushalte infolge ihrer Verkleinerung gänzlich außer Betracht blieb.

Das anschließende Podium war mit Maren Kern vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), dem Umzugsunternehmer Klaus Zapf, der Senatorin des Ressorts „Wohnungsnot“ Junge-Reyer und dem Journalisten Ulrich Paul eigenartig gemischt besetzt.

Klaus Zapf teilte den Anwesenden mit, dass er Geld habe, dass Mieter irgendwie zu Miteigentümern werden sollten, dass dafür die Riesterrente genutzt werden könne, vergaß auch nicht generationsübergreifendes Wohnen zu loben, tat das alles neben- und übereinander gewürzt durch Anmerkungen zu seinen Aufenthalten in Paris und London, bis ihn jeweils die exzellente Moderatorin mit knappem aber bestimmtem Hinweis auf den Gegenstadt der Veranstaltung stoppte.

Frau Junge-Reyer ließ ahnen welche Rolle der Umzugskauz zu spielen hatte. Gegen ihn wirkte sie fast kompetent. Zwar war sie meistens damit beschäftigt, jedem sich nähernden Fotoapparat eine Grimasse zu schneiden, von der ihr irgend jemand gesagt haben muss, das könne als sympathisches Lächeln interpretiert werden, aber daneben fand sie die Seelenruhe zu fragen, was denn die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften in Bezug auf den Neubau täten. Soviel Unverfrorenheit neutralisierte das Bewusstsein von ihrer politischen Verantwortlichkeit als oberste  Chefin der von ihr mit Häme ob ihrer Untätigkeit bedachten Unternehmen. Ansonsten beantwortete sie jedes Problem mit der Darstellung eines anderen, das sie deshalb anführte, weil seine Lösung von ihr gerade nicht verlangt wurde.

Im Stile einer schwachen Schülerin, die die Kritik an ihren mangelhaften Matheleistungen durch den Hinweis auf die schlechten Ergebnisse einer Klassenkameradin in einer Fremdsprache abwiegelt, verwies sie wieder auf das Mietniveau in München und Hamburg.

Der Journalist Paul warf der Chefin der Senatsverwaltung mangelnden Elan vor. Es sei kein Engagement erkennbar, miet- und wohnungspolitische Problem anzupacken. Insbesondere auch nicht, sich um ein erforderliches Gesamtkonzept Wohnen zu bemühen. Eine derart positive Bilanz wird die Senatorin aufbauen, angesichts der vernichtenden Beurteilungen aus den Reihen ihrer eigenen Partei.

Frau Kern überrascht immer wieder durch ihre zwingende Sachlichkeit mit der sie die Notwendigkeit von Neubaubau in einer Größenordnung von 60.000 Wohnungen bis spätestens 2020 verdeutlicht und ein Gesamtkonzept Wohnen einfordert.
 
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