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10.10.2012 IBB-Wohnungsmarktbarometer

Das Wohnungsmarktbarometer steht auf Sturm

Die städtische Investitionsbank Berlin (IBB) gibt jedes Jahr ein Wohnungsmarktbarometer über die persönlichen Einschätzungen des Immobilienmarkts durch verschiedene „Marktakteure“ heraus. Obwohl für das gestern erschienene Wohnungsmarktbarometer keine Mieter/innen befragt wurden, sondern vielmehr Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen, Hauseigentümer und Makler, so klingen die Antworten wie mitten aus einer wachsenden Wohnungsnot gegriffen.

So wurde die aktuelle Angebotssituation an Mietwohnungen im unteren Preissegment im Vergleich zur Nachfrage in diesem Segment abgefragt. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:

Grafik: IBB Wohnungsmarktbarometer 2012 (PDF-Dokument, 1,4 MB)

Als unteres Preissegment definiert die IBB eine Nettokaltmiete von bis zu 5 Euro pro Quadratmeter. Bezirke in ocker, orange und rot zeigen einen deutlichen Mangeln an Mietwohnungen im Bereich dieses preisgünstigen Segments, d.h. hier werden sehr viel mehr Wohnungen gesucht als auf dem Markt angeboten werden. Die Folge sind steigende Preise gerade im Segment der kleinen und einfachen Wohnungen.
 

Gleichzeitig sehen die befragten Wohnungsmarktakteure keine Besserung in Sicht: Die Pfeile geben die Einschätzung der Lage in drei Jahren an. Nahezu alle Pfeile zeigen nach unten, was bedeutet, dass auch für in drei Jahren das Angebot günstiger Wohnungen als „viel kleiner“ eingeschätzt wird als die Nachfrage.

Dass uns eine Wohnungsnot allerdings nicht nur im preisgünstigen Segment erwartet, lässt ein Blick in die Pressemitteilung der IBB erahnen: „Auch unter dem Eindruck aktueller Zuwanderungszahlen gehen die befragten Experten mittlerweile davon aus, dass es in den kommenden Jahren einen Nachfrageschub in allen Marktsegmenten geben wird, dem häufig kein ausreichendes Angebot gegenüber steht“, kommentiert dort Andreas Tied, Bereichsleiter Immobilien- und Stadtentwicklung in der IBB.
 

Wir haben hier einen dieser überdeutlichen Hinweise, dass der Markt die alarmierende Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht richten wird. Auch angesichts deutlich steigender Mietpreise, einer stetig steigenden Nachfrage und eines gleichermaßen anziehenden „Investitionsklimas“ im Bereich Mietwohnungen erwarten die Immobilienakteure keine Besserung der Situation.

Die Berliner Stadtpolitik weigert sich bislang, die Tragweite der Wohnungsmarktsituation anzuerkennen und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Ohne Neubau ist die steigende Wohnungsnachfrage nicht zu befriedigen, anhaltend steigende Mieten und empfindliche Wohnkostenkostenbelastungen werden die Folge sein. Selbst neoliberal gesinnte Fachleute vom Empirica-Institut nennen Größenordnungen eines Neubaubedarfs von 10.000 oder mehr Wohnungen pro Jahr. Der BBU, Lobbyverband der großen, zumeist städtischen, Wohnungsunternehmen, ruft seit Jahren: Ohne Förderung kein bezahlbarer Neubau. Doch der Senat wartet und wartet weiter ab.
 

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