Berliner Mietergemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

MieterEcho online 23.11.2015

Giganten auf dem Immobilienmarkt

 

Börsennotierte Immobilienkonzerne kämpfen um die Marktführerschaft – das Engagement kommunaler Wohnungsbaugesellschaften wirkt dagegen recht bescheiden.

Mit Milliardenbeträgen operieren die Großkonzerne der Immobilienwirtschaft, um Konkurrenten zu übernehmen und um ihre Marktmacht auszubauen. Mit der Vonovia AG ist die erste Wohnungsaktiengesellschaft in den deutschen Aktienleitindex Dax aufgestiegen, der bislang Großbanken, Autobauern sowie Chemie- und Energiekonzernen vorbehalten war. Nun möchte Vonovia die Deutsche Wohnen übernehmen, die ihrerseits Interesse an der LEG hatte. Neben ihrer gewaltigen Größe haben diese Immobilienkonzerne eines gemein: Ihre Wohnungen waren früher Eigentum der öffentlichen Hand.

So ist es auch kein Zufall, dass die Branchenriesen Vonovia, LEG und Deutsche Wohnen (DW) mit bundesweit über 600.000 Wohnungen ihre Sitze in Bochum, Düsseldorf und Berlin haben. NRW und Berlin waren die Bundesländer, in denen die größten Wohnungsbestände privatisiert wurden. Für die jeweiligen Wohnungsmärkte ist diese Entwicklung nicht unbedeutend. In Berlin verfügt die DW unter anderem mit der 1998 privatisierten Gehag und der 2004 verscherbelten GSW über rund 100.000 Wohnungen. Mit der Übernahme der DW würde Vonovia, die im September aus dem Zusammenschluss der Deutschen Annington mit der Gagfah hervorging, mehr als 130.000 Wohnungen allein in Berlin halten. Das entspräche in etwa dem Bestand der zwei größten landeseigenen Berliner Gesellschaften, der Degewo und der Gewobag, zusammen.

Ergebnisse neoliberaler Politik

Der große Ausverkauf durch die wirtschaftsliberale Senatspolitik seit dem Ende der 90er Jahre fällt den Berliner Mieter/innen angesichts der Wohnungsnotlage mehrfach und dauerhaft auf die Füße: Einerseits fehlen die über 100.000 privatisierten Wohnungen als potenzielles Regulativ zur Begrenzung der Mietsteigerungen und andererseits gehören dieselben Wohnungen unter der profitorientierten Verfügungsgewalt von Großkonzernen zu den Mietpreistreibern. Börsennotierte Unternehmungen orientieren sich ihrer Gesellschaftsform entsprechend nicht an sozialpolitischen Zielmarken, sondern am Börsenwert und den Erwartungen der Aktionäre. Zu den Anteilseignern gehören schwergewichtige Investmentfonds wie BlackRock, Sun Life Financial und die Norges Bank, die zusammen genommen 19% der Aktien der Vonovia und 24% der DW halten. Von dieser Seite wird das Zusammengehen der Konzerne begrüßt, verspricht die Bündelung der Geschäftsbereiche doch erhöhte Renditen durch „eine industrialisierte Modernisierung des Bestands“, der „Erweiterung der Wertschöpfungskette sowie der Optimierung der Kostenstruktur“, wie das Vonovia-Management verspricht.

Politische Prominenz

Die Immobilienkonzerne verfügen aber nicht nur über ökonomische Macht, sondern werfen auch personelle Schwergewichte in die Waagschale. Mit Wulf Bernotat sitzt der ehemalige Vorstand des Energieriesen E.on im Aufsichtsrat der Vonovia und mit ihm die CDU-Wirtschaftslobbyistin und frühere Staatsministerin im Bundeskanzleramt Hildegard Müller. Auf Prominenz kann auch der Aufsichtsrat der DW verweisen. Mit Wolfgang Clement, dem früheren SPD-Superminister unter Kanzler Gerhard Schröder, verfügt der zweitgrößte Immobilienkonzern seit 2011 über einen Superlobbyisten in seinem Aufsichtsgremium. Mit diesen Immobilienkonzernen sind neue Akteure auf dem deutschen Wohnungsmarkt herangereift, die ihre Marktmacht und politischen Potenziale weiter entwickeln werden. Demgegenüber steht in Berlin ein Senat, der im Gegensatz zum rot-roten Vorgängersenat das Wohnungsmarktproblem zwar nicht mehr gänzlich ignoriert, aber zu einem entschlossenen Handeln nicht bereit ist. Wo die Immobilienkonzerne mit Milliarden für ihre Expansionsbestrebungen klotzen, kleckert das Land Berlin mit der Förderung von 1.000 neu gebauten Wohnungen in 2015.


Hermann Werle

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