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MieterEcho online 06.11.2015

Schnell, günstig und nachhaltig?

Anforderungen des Senats an neue modulare Unterkünfte sind möglicherweise schwer umsetzbar

Mitte Oktober hat der Berliner Senat die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften in Modulbauweise ausgeschrieben. Zunächst sollen Gemeinschaftsunterkünfte mit maximal 450 Plätzen pro Standort entstehen. Der Senat wünscht sich, dass die Unterkünfte innerhalb nur eines Jahres fertig gestellt werden und nachhaltiger als Containerdörfer sind.

Am 30. September berichtete die Berliner Zeitung, der Senat wollte 15.000 Wohnungen in Leichtbauweise für 30.000 Menschen bauen. Die schnell fertigzustellenden und preiswerten Wohnungen sollten Flüchtlingen, aber auch anderen Wohnungssuchenden zur Verfügung stehen. Die Höhe der Miete soll bei 6,50 Euro/qm kalt liegen.
In der Mitte Oktober veröffentlichten Ausschreibung ist dann ausschließlich von der Unterbringung von Flüchtlingen die Rede. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stellt sich ein fünfgeschossiges Grundmodul vor, in dem etwa 75 Menschen in Wohnungen, Doppel- und Einzelzimmern Platz finden. Je nach Grundstücksgröße werden mehrere Module errichtet. Hinzu kommt ein sogenanntes Funktionsmodul für Pförtner und Gemeinschaftseinrichtungen. Und „im Gegensatz zu bereits vom Land Berlin neu errichteten Flüchtlingsunterkünften, die bisher auf ‚Container-Lösungen‘ basieren, wird bei den geplanten Neubauten aus Gründen der Nachhaltigkeit von einer Gebäudenutzungsdauer von ca. 100 Jahren ausgegangen“. Sollte in Zukunft weniger Bedarf an Unterkünften für Geflüchtete sein, würde sich die Frage stellen, wie die Gebäude weiter genutzt werden sollen. Die Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Petra Rohland erklärt dazu: „Die Unterkünfte sind so konzipiert, dass sie später umgenutzt werden können. Studentisches Wohnen ist genauso möglich wie der Umbau zu Wohnungen.“ Allerdings müsste dann die Frage des Planungsrechts geklärt werden, da Geflüchtete seit dem 1. November auch außerhalb von Wohngebieten und ohne vorherigen Bebauungsplan untergebracht werden dürfen. Allerdings hält sich der Senat bei den Standorten bislang bedeckt. Ende Juni erklärte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) im Hauptausschuss, dass acht bis zehn Grundstücke zur Verfügung stünden, die aber noch nicht alle gesichert seien. Um weitere Standorte zu finden, sollte jeder Bezirk zwei bis drei Grundstücke aus einem Paket auswählen, das der Senatsverwaltung angeboten worden sei. Lediglich das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf habe einen Beschluss über zwei Grundstücke gefasst. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Fabio Reinhardt (Piraten) erklärte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales im Juni: „Eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie Wohninfrastruktur wie insbesondere standortnahe Schule, Kindertagesstätten und Einkaufsmöglichkeiten sind wichtige Kriterien für die Grundstücksauswahl.“

„Von Betonfertigteilen bis zur Raumzelle“

Zum jetzigen Zeitpunkt ist damit unklar, für wie viele Menschen in den Modulbauten Wohnraum geschaffen wird oder wie ihre bauliche Ausführung aussehen wird. Der Begriff modulare Bauweise lässt den Bietern Spielraum „von Betonfertigteilen bis ggf. hin zur Raumzelle“, wie die Senatsverwaltungen für Gesundheit und Soziales und für Stadtentwicklung und Umwelt am 16. Juni an den Hauptausschuss schreiben. Mehr Klarheit zu Baukosten und -zeit dürfte es nach dem Abschluss der Ausschreibung geben. Eine Schätzung zu den Baukosten möchte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit Verweis auf die bis zum 19. November laufende Ausschreibung nicht abgeben.
Modul- oder Leichtbauten werden momentan an vielen Orten Deutschlands geplant und teilweise bereits realisiert. Der Bundesverband Deutscher Fertigbau warnt vor zu hohen Erwartungen an die Branche. „In kurzer Zeit deutlich mehr neuen Wohnraum zu schaffen als bislang vorgesehen, lassen die vollen Auftragsbücher vieler Fertighaushersteller nicht zu“, zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger den Verbandsvorsitzenden Johannes Schwörer. Auch Achim Hannott, der Sprecher des Verbands, vertritt in der Berliner Zeitung die Auffassung, dass durch die Errichtung von Fertighäusern das Problem nicht zu lösen sei. „Die Branche ist auf den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern spezialisiert, aber nicht auf den Bau von Massenunterkünften.“

Jutta Blume

 

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