Berliner Mietergemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

MieterEcho online 28.11.2012

„Keine Wohnung zu finden – die Mieten steigen“

Mit einer Umfrage hat eine Stadtteilinitiative in Neukölln nicht nur Daten gesammelt, sondern auch zur Vernetzung von Betroffenen beigetragen.  [Kiezinitiative DonauFuldau]

Angeregt durch eine Kiezversammlung gründete sich im August letzten Jahres im nördlichen Neukölln die Kiezinitiative DonauFulda. Um die im Gebiet um die Donau- und die Fuldastraße lebenden Menschen besser kennenzulernen, starteten die rund 15 Aktiven eine Umfrage. Der dafür entwickelte Fragebogen wurde ausgelegt, aber überwiegend wurden die Mieter/innen direkt befragt. Die Ergebnisse stellte die Initiative im Oktober 2012 in der neuen Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft in der Sonnenallee 101 vor.

Ähnlich wie die Untersuchungen von Topos (siehe MieterEcho Nr. 355/ September 2012) stellte die Initiative stark steigende Mieten und Wohnungsknappheit fest. Dabei lassen die Ergebnisse zur Mietbelastung aufhorchen: So gaben 63 der 81 befragten Haushalte an, dass sie mehr als 30% ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufbringen müssen. Rund ein Viertel zahlt mehr als 40%, einige sogar mehr als die Hälfte. Ebenso bedrohlich ist die Situation für Menschen, die ALG-II beziehen: Bei fünf von neun reicht das vom Amt für die Miete zur Verfügung gestellte Geld nicht aus, um diese vollständig zu bezahlen. Mehr als die Hälfte der Befragten hat daher Angst, nach einer Mieterhöhung die Miete nicht mehr aufbringen zu können.

Gute Gründe, Angst zu haben

Dass solche Ängste existieren, ist ein sozialpolitisches Armutszeugnis für diese Stadt. Wie berechtigt die Befürchtung ist, die Wohnung zu verlieren, belegen auch die Einschätzungen der Investitionsbank Berlin im Wohnungsmarktbericht 2011: Wenn eine „Entwicklung so dynamisch wie in Nordneukölln“ verlaufe, würden sich „ganze Quartiere innerhalb weniger Jahre zu lebhaften Ablegern der Szenelage“ verwandeln. Der Nachfrageschub hätte in Neukölln zu „erheblichen Preissteigerungen“ geführt. Ein Blick in die Wohnungsangebote im Internet bestätigt: Die durchschnittliche Miete der angebotenen Wohnungen aus der näheren Umgebung des Kiezes liegt bei 8,75 Euro/qm und damit 3,35 Euro/qm über den Bestandsmieten. Die Chance, bei Wohnungsverlust eine neue Bleibe im vertrauten Kiez zu finden, ist also denkbar gering. Dass sie für ALG-II-Haushalte nahezu ausgeschlossen ist, vermitteln Wohnungsinserate mitunter sehr direkt: „Achtung – dies ist keine Wohnung, die vom Amt übernommen wird. Wir bitten also von derartigen Bewerbungen abzusehen, vielen Dank!“

Boomkiez für Investoren

Dass Nordneukölln bei Investoren heiß begehrt ist, bestätigte sich in der Umfrage ebenfalls. In 14 von 54 Häusern gab es in den letzten Jahren Eigentümerwechsel. Sowohl von Mieterhöhungen als auch von Modernisierungen sind die Häuser mit neuen Eigentümern deutlich stärker betroffen. Gleichzeitig zeigte die Umfrage, dass für eine effektive Gegenwehr gegen Mieterhöhungen und/oder Modernisierungen oft die Grundlagen fehlen. Beinahe die Hälfte der Befragten kann die eigene Wohnung nicht im Mietspiegel einordnen und die Mehrheit ist kaum über das Mietrecht informiert. Problematisch ist zudem, dass in den meisten Häusern wenig Austausch unter den Mieter/innen stattfindet.

Perspektive der Gegenwehr

Der Kiezinitiative DonauFulda ging es bei der Befragung nicht um das Sammeln statistischer Daten, sondern vielmehr um den Kontakt zu den Menschen und um Informationen zu ihren konkreten Probleme. Der Fragenkatalog sollte eine Auseinandersetzung mit dem Thema anregen und für bestimmte Handlungsmöglichkeiten sensibilisieren. Wo anzusetzen wäre, um die Gegenwehr zu verbessern, hat die Initiative bei einem Nachbarschaftsfest im angrenzenden Kreuzberg formuliert: „Liebe Nachbarinnen, liebe Nachbarn, wir denken, dass unsere einzige Möglichkeit der Konfrontation mit dieser Situation darin besteht, dass wir uns organisieren, mit anderen Initiativen, Sport-, Kultur- und Migrantenvereinen verknüpfen, Hausversammlungen machen und in permanentem Kontakt mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn bleiben. Der Kampf hat gerade erst begonnen!“

Die Kiezinitiative DonauFulda trifft sich jeden 1. und 3. Montag um 18 Uhr in der Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft in der Sonnenallee 101. Interessierte sind herzlich willkommen!
Kontakt: donaufulda@gmx.de, Informationen: http://donaufulda.wordpress.com
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