Berliner Mietergemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

MieterEcho online 21.12.2012

GSW: Zwangsräumung zum Wohle der Aktionäre?

In den Sozialwohnungsbauten am Kottbusser Tor ist eine fünfköpfige Familie akut von der Zwangsräumung bedroht. Für den 9. Januar 2013 ist die Räumung der Wohnung in der Admiralstraße 33 angekündigt worden. Die Mieterinitiative „Kotti & Co.“ und das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ suchten heute mit dem Ziel, die Obdachlosigkeit der Familie abzuwenden, zusammen mit einem Mitglied der Familie die Geschäftführung der GSW auf. Die ehemals städtische Wohnungsgesellschaft GSW treibt nach einem Gerichtsurteil, das Mietschulden der Familie zum Teil bestätigt hat, die Räumung der Wohnung voran.

Die Familie verfügt nicht über die finanziellen Mittel, um die Mietschulden zu begleichen. Doch das Jobcenter hat zugesagt, die Mietschulden zu übernehmen, falls die Familie dort wohnen bleiben könnte und die Miete der Wohnung die Jobcenter-Höchstgrenzen für Kosten der Unterkunft nicht übersteigt. Die GSW hat angeboten, die Miete für ein Jahr auf diese Höhe zu begrenzen, doch dies reicht dem Jobcenter nicht. Es fehlt also nur wenig, um die Wohnung für die Familie zu retten und sie vor der Vertreibung aus ihrer Nachbarschaft zu schützen.

Einer Vertreterin der GSW wurde ein gemeinsamer Brief der beiden Initiativen übergeben. Die Vertreterin beteuerte, die GSW sei zunächst ihren Aktionären verpflichtet (und deren Renditestreben). Vielen Dank also, rot-roter Senat, für die Privatisierung der GSW und vielen Dank auch für die später erfolgte Zustimmung zum Börsengang!

Dennoch sagte die GSW-Vertreterin zu, an einer Lösung für die betroffene Familie arbeiten und so die Räumung abwenden zu wollen. Die Initiativen „Kotti & Co.“ sowie „Zwangsräumung verhindern“ kündigten ihr Wiederkommen an, falls die GSW nicht einlenken und die Miete unbefristet reduzieren sollte. Viele Nachbar/innen und im Kiez Aktive wären bereit, die Familie zu unterstützen und eine Zwangsräumung zu verhindern.
 
Wir geben hier den von den beiden Initiativen überreichten Brief an die GSW-Geschäftsführung wieder:
 


An die Geschäftsführung der GSW
persönlich übergeben

Berlin, den 21.12.2012

Räumung am 9.1.2013 um 9 Uhr in der Admiralstraße 33 am Kotti
Familie Sami Noman, Faizab Kolaib

 
Sehr geehrte Geschäftsführung,

der Familie mit drei Kindern droht die Obdachlosigkeit. Darüber sind wir, die Mietergemeinschaft Kotti & Co. und das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ sehr besorgt.

Dabei ist eine Lösung zum Greifen nah. Die soziale Wohnhilfe des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg würde die Mietschulden übernehmen und Ihre Gesellschaft wäre bereit, die Wohnung zu dem Satz der „Kosten der Unterkunft“, die das JobCenter zahlt, für ein Jahr zu vermieten. Der Bezirk knüpft die Übernahme der Mietschulden allerdings an die Bedingung, dass sie die Miete dauerhaft und nicht, wie sie angekündigt haben, nur für ein Jahr zu den Kosten der Unterkunft senken.

Wir wenden uns heute an Sie, um Ihnen mitzuteilen, die Familie ist nicht allein und viele, viele NachbarInnen und politische AktivistInnen sind solidarisch mit der Familie.

Viele BewohnerInnen haben diesen Bezirk zu dem gemacht, was er heute ist. Nun werden die Mieten erhöht, weil hieraus eine attraktive Wohnlage geworden ist und die Arbeitsverhältnisse werden gleichzeitig immer prekärer.

Wir fordern Sie auf, gemeinsam mit dem Bezirk zu einer Lösung zu kommen, die die Räumung verhindert. Die Kinder in der Schule, die NachbarInnen in der Gegend, aber auch viele engagierte MieterInneninitiativen in dieser Stadt schauen auf Sie.

Wir kommen gern zu Gesprächen wieder.

 
Solidarisch mit der Familie:
Kotti & Co.
Bündnis „Zwangsräumung verhindern“


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