Berliner Mietergemeinschaft e.V.

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MieterEcho online 29.07.2013

Ab in die Kiste

Angesichts der angespannten Marktlage auch für Studierende will ein privater Investor mit Container-Wohnungen Kasse machen.

Auf einem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück in Plänterwald, einem Ortsteil im Bezirk Treptow/Köpenick,  
will ein privater Investor Wohnungen nach dem Baukasten-Prinzip errichten. Zielgruppe des bundesweiten Modellprojektes für die  Container-Kolonie sind die Student/innen an der Spree, die aufgrund der Mangellage auf dem Wohnungsmarkt mittlerweile auf nahezu jede Behausung angewiesen sind.

Für die rund 160.000 Student/innen an der Spree existieren knapp 9.500 Wohnheimplätze -nach Bremen die zweitschlechteste Versorgungsquote. Um zumindest zum Bundesdurchschnitt aufzuschließen, sei allein in Berlin die Errichtung von mindestens 5000 neuen Wohnheimplätzen erforderlich, waren sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die Geschäftsführerin des Studentenwerks, Petra Mai-Hartung, Anfang April einig. Weil der Senat die Entwicklung der vergangenen Jahre verschlafen hat und trotz des enormen Zuzugs u.a. von Student/innen auf die mangelnde Angebotssituation auf dem Wohnungsmarkt insgesamt und für Studierende im Speziellen nicht reagiert hat, wittern nun private Investoren die Chance ein weiteres Geschäftsfeld auf dem Wohnungsmarkt zu etablieren: Wohnen im Container, bisher vor allem bekannt und kritisiert im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen. Die Firma "Presto 46. Vermögensverwaltung GmbH" errichtet auf einem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Eichbuschallee im Bezirk Treptow gleich ein ganzes "Containerdorf".


Leben aus dem Koffer
Geplant sind 235 Single- Apartments in einer Größe von jeweils 26 qm2 sowie 62 Double- und 11 Triple- Apartments. Die Container sind mit vorgefertigten Modulen von Kochnische und Duschbad ausgestattet. Aufgeteilt in Schlaf- und Wohn/Arbeitsbereich erwartet die zukünftigen Bewohner/innen ein kleiner Flur, Küche mit Spüle und ein Elektroherd mit zwei Kochflächen. "Du kannst auch schick möbliert mieten. Ausgestattet mit großem Bett, geräumigem Schrank, Tisch und Stuhl…einfach alles, was Ihr braucht, wenn Ihr nur mit dem Koffer kommen wollt", heisst es im Angebot. "Für die, die nie alleine sein wollen", wirbt das Unternehmen, stünden im Double- Apartment ganze 52 qm2 zur Verfügung. Der Triple-Container hat 78qm2 Wohnfläche. "Neben der stylischen Wohnungsausstattung wird den Bewohnern ein umfassender Service geboten: von einer Waschbar über High-Speed-WLAN, einer Party-Küche für größere Anlässe bis zu einem Café mit Gemeinschaftsgrill", preisst die Projektbeschreibung an.

Bundesweites Pilotprojekt
Die aus alten und neuen Frachtcontainern zusammengebauten Wohneinheiten haben auch bereits einen Namen. „Frankie & Johnny“ sollen stellvertretend stehen für den "internationalen" Charakter des Projektes. Bezugsfertig sollen die ersten Container-Apartments Ende September, also pünktlich zum Semesterbeginn 2013/2014, sein. Im Sommer 2014 soll die Anlage mit insgesamt 400 Containern fertiggestellt sein.
Während in Amsterdam bereits mehrere Studentendörfer aus Containern existieren, ist Berlin das erste Bundesland in dem ein Bauvorhaben dieser Art und in diesem Umfang auf den Weg gebracht wird. Der Anspruch von Jörg Duske, dem Geschäftsführer und Ideengeber des Projektes sei, eine Architektur zu schaffen, die sich wie selbstverständlich in die Landschaft integriere, die Seelen der Menschen berühre, betont die Vermögensverwaltungsgesellschaft.

Preise oberhalb des Mietspiegels
Berührt sein dürften Interessierte für eine "Architektur, die den Zeitgeist von preiswertem und coolem Wohnen in einem künstlerischen Ambiente von Großstädten widerspiegelt", wohl in erster Linie von den Mietkosten, die der Projektentwickler verlangen wird. Die Nettokaltmiete pro qm2 und Monat soll bei rund 9 Euro liegen. Die Basisversion inklusive Strom, Wasser, Heizung, Strom und Internetzugang soll im übrigen 349 Euro kosten. Die möblierte Variante 389 Euro. Allerdings dürfte das zukünftige Wohnangebot einen nicht unerheblichen Teil der Student/innen vor erhebliche finanzielle Probleme stellen. Zur Erinnerung: Die BAföG-Wohnraumpauschale liegt aktuell bei 224 Euro im Monat. Aufgrund der Preisexplosion auch bei den Mieten im Bereich des studentischen Wohnens im privaten Sektor fordert der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS) von der Politik Lösungen jenseits des Marktes. Dazu gehört vor allem eine Erhöhung der Sozialwohnungsquote bei Neubauten sowie ein deutlicher Ausbau der Wohnheime der Studierendenwerke.
Übrigens: Wohnen in Plänterwald, ob in einer Ein-Zimmerwohnung oder einem Platz in einer Wohngemeinschaft, dürfte laut Mietspiegel trotz der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in der Regel nach wie vor günstiger sein als das als "günstig" angepriesene "containern".

Christian Linde

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