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Wohnungsneubau weiter dringend notwendig


„Der Leerstand ist auf einem Rekordtief, der Zuzug auf einem Rekordhoch. Deswegen brauchen wir mehr Neubau und auch geförderten Neubau“, erklärte die Vorsitzende des Verbands Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) anlässlich der Vorstellung des BBU-Marktmonitors 2014. Die Leerstandsquote im Bestand der BBU-Mitgliedsunternehmen ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken und lag 2013 nur noch bei 2 % im Berliner Durchschnitt. In den Bezirken Charlottenburg, Friedrichshain und Köpenick lag sie sogar nur bei 1,1 %. Das geringe Wohnungsangebot hat auch dazu beigetragen, dass die Berliner/innen immer seltener umziehen. Wechselten die Berliner Mieter/innen 2003 im Schnitt noch alle 11 Jahre die Wohnung, so ziehen sie jetzt nur noch alle 16 Jahre um. Mit durchschnittlich 22 Jahren in einer Wohnung sind die Kreuzberger/innen am sesshaftesten. „Dass die Berlinerinnen und Berliner heute so viel sesshafter sind als noch vor
 zehn Jahren, zeigt die enormen Veränderungen auf dem Mietwohnungsmarkt der Hauptstadt“, so Maren Kern.
 Es zeige aber auch, dass die Menschen sich in ihrem Kiez gut aufgehoben fühlten.
Obwohl die Neubautätigkeit an Fahrt gewonnen hat und die städtischen Wohnungsbaugesellschaften die Vorgabe, ihren Bestand bis 2016 um 30.000 Wohnungen zu erweitern, voraussichtlich erfüllen werden, müsse weiterhin viel gebaut werden. Statt der im Stadtentwicklungsplan Wohnen 2014 genannten 10.000 Wohnungen im Jahr bräuchte Berlin eigentlich 12.000 neue Wohnungen um der tatsächlichen Entwicklung gerecht zu werden. Mindestens 3.000, besser jedoch ein Drittel der Wohnungen sollten öffentlich gefördert werden, um weiterhin bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Entsprechend müssten die Förderdarlehen auf rund 200 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt werden.
Die Bestandsmieten in den BBU-Unternehmen sind im letzten Jahr um 2,7% auf durchschnittlich 5,30 Euro/qm gestiegen und liegen damit unterhalb des Berliner Mietspiegels von 5, 54 Euro/qm. Die Neuvermietungsmieten lagen 2013 im Schnitt bei 5,97 Euro/qm und stiegen damit um 2,1 % gegenüber dem Vorjahr. Betrachtet man insgesamt die Angebotsmieten in Berlin, kommt man auf durchschnittlich 8,52 Euro/qm und eine Steigerung um rund 39% im Zeitraum von 2009 bis 2013. „Die Mietdaten unserer Mitgliedsunternehmen und damit fast der Hälfte des Mietwohnungsmarkts sind hier unterrepräsentiert, weil sie nur noch wenige Anzeigen schalten“, gab Kern zu bedenken. Sie schätzt die Mietentwicklung als moderat ein, allerdings stelle der Rückgang des Anteils besonders günstiger Wohnungen ein zunehmendes Problem für Haushalte mit geringen Einkommen  dar. Die Wohnungsangebote mit Mieten von unter 6 Euro/qm sind von 56 % vor fünf Jahren auf nur noch 14 % zurück gegangen.
Neben der Neubauförderung müssten auch Stadtrandlagen attraktiv gestaltet werden, außerdem sollten Ortschaften in Brandenburg besser angebunden werden, um die dortigen Wohnpotenziale auch für in Berlin arbeitende Menschen zu erschließen. Zum Ausbau der Stadtinfrastruktur gehöre neben der Verkehrsanbindung auch die Schaffung von Freizeitflächen. Hierzu könnte das Land Berlin die 1,6 Millionen Euro einsetzen, die es jährlich über die Grunderwerbssteuer einnehme.
Um Wohnungsbauinvestitionen weiter zu erleichtern, sollte die seit langem diskutierte neue Liegenschaftspolitik des Landes endlich umgesetzt werden, aber auch die gesetzlichen Auflagen und Vorgaben beim Neubau überdacht werden. Schallschutzauflagen oder strenge Durchführungszeiten für Baumarbeiten könnten Neubauten erheblich verzögern und verteuern. Auch die Energieeinsparverordnung und die durch die Nachfrage allgemein gestiegenen Baukosten verteuerten den Neubau und damit letztlich auch die Erstbezugsmieten.
Kritisch äußerte sich Maren Kern zur Mietpreisbremse, die „keinen Beitrag leisten wird, die Wohnraumversorgung einkommensschwacher Haushalte zu verbessern“. Sie schaffe letztlich keinen Wohnraum, die Konkurrenz um die günstigen Wohnungen bliebe bestehen.

Jutta Blume

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