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29.01.2013 MieterEcho online

Zu dicht und zu teuer

Anwohner/innen kritisieren geplantes Neubaugebiet am Traveplatz

Rund 550 neue Wohnungen will die Bauwert Investment Group auf einem 26.000 qm großen Grundstück im Friedrichshainer Südkiez errichten. 40 davon sollen für 5,50 Euro/qm nettokalt an Menschen mit geringem Einkommen vermietet werden. Der Rest der Wohnungen ist wohl nur für Gutverdienende bezahlbar. Eigentumswohnungen sollen ab 3.000 Euro/qm zu haben sein, Mietwohnungen für 9 bis 12 Euro/qm nettokalt. Der Bürgerverein Traveplatz-Ostkreuz bezeichnet die Planung von Bauwert daher als „Luxusquartier“, „das nicht in den Kiez passt“. Dass die Anwohner/innen die Pläne von Bauwert und Bezirk kritisch verfolgen, wurde auf einer Informationsveranstaltung am 22. Januar deutlich. Die Firma Bauwert hatte eingeladen, Bezirksbürgermeister Franz Schulz war ebenfalls anwesend. Über 200 Nachbar/innen aus dem Kiez waren der Einladung gefolgt.
Die Skepsis gegenüber dem Projekt ist nicht nur mit der Angst vor einer weiteren Gentrifizierung begründet. Die Bebauung wird als zu dicht kritisiert, so dass die Versorgung mit Grünflächen im Kiez sich weiter verschlechtert, da nun weitere 1000 Bewohner/innen mitversorgt werden müssten. Schon heute ist das ehemalige Sanierungsgebiet Traveplatz-Ostkreuz mit Grünflächen unterversorgt. Außerdem wird befürchtet, dass der Zuzug in den Kiez ab 2016 zu einem Mangel an Grundschulplätzen führen wird.
Der Bürgerverein Traveplatz-Ostkreuz fordert daher ein neues Beteiligungsverfahren für das sogenannte „Freudenberg-Areal“. Ein entsprechender Antrag der Piraten-Partei soll nun am 6. Februar im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks beraten werden. Die Piraten fordern darin die Beteiligung der Anwohner/innen über ein vom Bezirk durchzuführendes Werkstattverfahren.

Auf dem Gelände zwischen Boxhagener-, Holtei- und Weserstraße produzierte bis 2009 die Firma Freudenberg Gummidichtungen, Ende 2011 kaufte die Firma Bauwert das Grundstück. Zu dem Zeitpunkt hatte der Bezirk bereits einen städtebaulichen Ideenwettbewerb durchgeführt, den das Architekturbüro Beyer-Schubert gewonnen hatte. Auf der Grundlage dieses Entwurfs wurde der Aufstellungsbeschluss zu einem Bebauungsplan gefasst – wobei der Anteil der überbauten Fläche gegenüber dem Architektenentwurf etwas niedriger und die Fläche der öffentlichen Plätze etwas höher ausfiel. Im Jahr 2012 veränderte der Investor Bauwert die Pläne noch einmal, wobei die überbaute Fläche stieg und die öffentlichen Freiflächen abnahmen. Hier liegt nun der Streitpunkt mit dem Bürgerverein: Während Bauwert von nur geringen Abweichungen gegenüber dem Entwurf von 2009 spricht, verweist der Bürgerverein auf den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan und ist daher der Auffassung, dass die Bebauung erheblich dichter geworden ist. „Die eklatante Abnahme öffentlicher Bereiche und Zunahme der Baumasse wird auch vom Bezirksamt verschleiert“ kritisiert der Verein in einem „Brandbrief“. Die öffentliche Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 6.2. könnte daher durchaus interessant werden.

Jutta Blume

 

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